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My Big Fat Greek Wedding 2
Kritik der FILMSTARTS-Redaktion
3,0
solide
My Big Fat Greek Wedding 2
Von Antje Wessels
Als Anfang 2003 Joel Zwicks US-Überraschungshit „My Big Fat Greek Wedding“ in die deutschen Kinos kam, befand FILMSTARTS die von Tom Hanks und seiner Frau Rita Wilson produzierte Culture-Clash-Komödie für „amüsant-charmant harmlos“. Mit ähnlichen Worten ließe sich auch die von einem nahezu identischen Team nahezu eineinhalb Jahrzehnte später auf die Leinwand gebrachte Fortsetzung beschreiben. Mit seinem sanft-gefälligen, äußerst braven Humor steht „My Big Fat Greek Wedding 2“ in deutlichem Kontrast zu derben Zotenparaden wie „Dirty Grandpa“ oder den exzessiven Projekten des Duos Seth Rogen und Evan Goldberg (zuletzt „Die Highligen drei Könige“) und wirkt in der Komödienlandschaft Hollywoods stärker noch als damals der Vorgänger fast wie ein Fremdkörper. Mit seinem sich oft zwischen den Zeilen abspielenden Alltagshumor gleicht der Film eher europäischen Werken wie den französischen Hits „Ziemlich beste Freunde“ und „Monsieur Claude und seine Töchter“. Regisseur Kirk Jones („Eine zauberhafte Nanny“), der Zwick auf dem Regiestuhl beerbt, und Nia Vardalos, die erneut in Personalunion als Drehbuchautorin und Hauptdarstellerin auftritt, kommen in „My Big Fat Greek Wedding 2“ ohne Witze unterhalb der Gürtellinie aus und verzichten auf Slapstick, stattdessen finden sie Humor in den ganz normalen Irrungen und Wirrungen des Familienlebens.

Es ist mittlerweile fast 20  Jahre her, dass die liebenswürdige Griechin Toula Portokalos in Ian Miller (John Corbett) endlich den Mann ihrer Träume gefunden und geheiratet hat. Mit der mittlerweile zum Teenager herangewachsenen Tochter Paris (Elena Kampouris) könnte das Glück komplett sein. Doch der nahende High-School-Abschluss des Mädchens sorgt innerhalb der Familie für einigen Trubel, denn es spielt mit dem Gedanken, die Stadt zu verlassen, um in Florida, Texas oder New York zu studieren. Und damit nicht genug: In den Augen von Paris‘ unzähligen Verwandten braucht die Schülerin dringend einen Freund: Sie stellen ihr einen potenziellen Heiratsanwärter nach dem anderen vor. Das Familienchaos ist perfekt, als Toulas Eltern durch Zufall herausfinden, dass sie nach einem Formfehler offiziell gar nicht verheiratet sind. Es muss schnell eine Hochzeit her, um das Glück von Maria (Lainie Kazan) und Gus (Michael Constantine) wiederherzustellen.


In „My Big Fat Greek Wedding“ wurde mit der Romanze zwischen der Griechin Toula und dem Amerikaner Ian ein klassisches Culture-Clash-Szenario etabliert, das in ein ebenso klassisches Happy End mündete: Das einstige hässliche Entlein und der gutaussehende Geschäftsmann haben schließlich auch Toulas auf Tradition pochende Familie von ihrer Liebe überzeugt. In der Fortsetzung sind die grundsätzlichen kulturellen Konflikte also weitgehend überwunden und die Portokalos/Millers müssen sich mit Problemen auseinandersetzen, die fast jede Familie irgendwann hat. Sensibel wird angesichts des flügge gewordenen Töchterchens von den Schwierigkeiten erzählt, die richtige Balance zwischen Festhalten und Loslassen zu finden, und auch die unausweichliche Routine in einer Langzeitehe wird sehr einfühlsam und erstaunlich ungeschönt zum Thema gemacht. Und wenn später die Hochzeit des formal nie verheirateten Paars Gus und Maria in den Handlungsmittelpunkt rückt, nimmt Nia Vardalos diese in ihrer Absurdität überaus  konstruiert wirkende Ausgangslage zum Anlass, sehr treffend den generellen Sinn und Zweck von Hochzeiten zu hinterfragen.

Im Gegensatz zum Vorgänger ist die Schlagzahl an Wortwitzen und Gags in „My Big Fat Greek Wedding 2“ wegen der etwas ernsteren Prämisse geringer, der Film ist damit auch spürbar ruhiger. Aber das tut der gutgelaunten Kurzweil keinen Abbruch, auch der Umstand, dass der Handlung wegen der vielen unterschiedlichen Stränge ein wenig der Fokus fehlt, fällt nicht übermäßig groß ins Gewicht. Dafür sorgen vor allem die Darsteller: Elena Kampouris („#Zeitgeist“) als Paris ist der einzige echte Neuzugang, daneben kehren alle schon aus dem ersten Teil bekannten Mitglieder des Familien-Clans zurück – und die Sympathieträger haben trotz fortgeschrittenen Alters nichts an Spritzigkeit und Witz eingebüßt. Für viel Vergnügen sorgen dabei insbesondere gewisse Spleens - während die Eine mit ihrem äußerst lockeren Mundwerk regelmäßig empörte Reaktionen ihrer Umwelt provoziert, hat der Andere die Angewohnheit, sämtliche Worte auf ihre vermeintliche griechische Herkunft zurückzuführen. Aber die größte Stärke ist weiterhin, dass das alles einfach echt wirkt: Nia Vardalos hat sich für ihr Drehbuch einmal mehr von ihrem eigenen Leben inspirieren lassen, sie gibt den Figuren und Situationen eine Realitätsnähe, die von den Schauspielern augenzwinkernd ausgeschmückt wird.

Fazit: Wie schon der erste Teil punktet auch „My Big Fat Greek Wedding 2“ mit der Liebe zu den Figuren und der hervorragenden Chemie zwischen den Schauspielern.

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Kommentare

  • Bruno D.
    Auch auf die Gefahr hin, dass mich jetzt einige lynchen wollen. Den ersten Teil fand ich jetzt nicht so dolle. Vielmehr würde mich eine Fortsetzung von "The Visitor" mit John Corbett interessieren.
  • greek freak
    Teil 1 war vor allem witzig,weil er alle gängigen Klishees,der gr.Grossfamilie durch den Kakao zog.(Kann ich als geb.Grieche bestätigen,einige der Figuren im Film,erinnern mich teilweise an meine bekloppte Verwandtschaft).Natürlich war´s teilweise arg überzeichnet,aber sehr liebevoll und es gab keinen Adam Sandler/Melissa McCarthy Toilettenhumor,der inzwischen in Hollywood zum Standard,in Sachen Comedy geworden ist. Ob das ein 2tes Mal funktioniert,hmm.. mal sehen.
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