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Spring - Love Is a Monster
Kritik der FILMSTARTS-Redaktion
4,0
stark
Spring - Love Is a Monster
Von Christoph Petersen
In ihrem gefeierten Debüt „Resolution – Cabin of Death“ (aktuell 100 Prozent positive Kritiken auf Rotten Tomatoes) haben sich Justin Benson und Aaron Moorhead das ausgelutscht geglaubte Hütte-im-Wald-Horror-Subgenre vorgeknöpft und es clever mit Elementen eines Drogenentzugsdramas erweitert. Der heiß erwartete Nachfolger des Regieduos entpuppt sich nun ebenfalls als aufregender Genre-Zwitter: „Spring“ beginnt als unbedarft-sonnige Indie-Romanze irgendwo zwischen Richard Linklaters „Before Sunset“ und Eric Rohmers „Pauline am Strand“ – bis sich die mysteriöse Urlaubsliebe des nach einer Kneipenschlägerei aus den USA in ein italienisches Küstenstädtchen geflohenen Evan plötzlich als Tentakelmonster entpuppt, das direkt aus einem Roman von H.P. Lovecraft stammen könnte. Das Besondere daran: Nur ganz selten gibt es ein Leinwandpaar, dem wir seine Gefühle so vorbehaltlos abnehmen wie den überragenden „Spring“-Hauptdarstellern Lou Taylor Pucci („Evil Dead“) und Nadia Hilker (war bisher vor allem in „Rosamunde Pilcher“-Verfilmungen und deutschen Krimiserien zu sehen, hat nach dieser Leistung aber unbedingt den internationalen Durchbruch verdient).


Wären wir nach der Hälfte von „Spring“ gefragt worden, ob wir lieber weiter dem Liebesdrama folgen oder einen Horror-Twist sehen wollen, hätten wir uns sicher für ersteres entschieden – und zwar aus purer Angst, dass die Macher den sauschwer zu meisternden Stimmungswechsel vergeigen. Aber solche Befürchtungen sind komplett unbegründet, denn trotz dieser 180-Grad-Wende wirkt „Spring“ wie aus einem Guss: Die Regisseure begleiten ihren europareisenden Helden zu Beginn fantastisch-feinfühlig quer durch Italien und ihre atmosphärische Inszenierung des verwinkelten Städtchens, wo Evans Weg nach etwa einer halben Filmstunde vorerst endet und wo er zum ersten Mal auf seinen Urlaubsflirt trifft, erinnert an den hypnotischen Stil von italienischen Genregrößen wie Dario Argento („Suspiria“). Nur wenige Filmemacher nehmen sich heutzutage so viel Zeit, eine Figur einzuführen – und diese Vorarbeit machen Benson und Morhead auch mit ihrem Twist nicht zunichte, ganz im Gegenteil: Obwohl einer der Liebenden ein Monster ist, wirkt die tragisch-schöne Romanze selbst nach der schockierenden Enthüllung noch menschlicher und ehrlicher als die allermeisten reinen Liebesdramen.

Fazit: „Before Sunrise“ mit Tentakelmonster! Was nach Trash klingt, entpuppt sich als ein echter Geheimtipp für Fans von intelligentem Genrekino oder einfach nur richtig toll erzählten Liebesgeschichten.
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Kommentare

  • Peter H.
    Gute Atmo, aber sonst eher zäh und langweilig.
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