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    Der Bunker
    Kritik der FILMSTARTS-Redaktion
    4,5
    hervorragend
    Der Bunker
    Von Gregor Torinus
    In den vergangenen Jahren gab es gleich mehrere deutsche Filme, in denen die surreale Welt eines David Lynch auf das spezifische Spießertum des typischen einheimischen Gartenzwergidylls trifft. Andreas Kleinerts „Freischwimmer“ und Frauke Finsterwalders „Finsterworld“ gehören genauso zu dieser kleinen Welle wie Till Kleinerts surrealer Thriller „Der Samurai“, in dem der Titelheld dem Vorgartenwicht die lächerliche Zipfelmütze gleich samt Kopf abschlägt. Gespielt wurde der seltsame Schwertkämpfer von Pit Bukowski, der nun auch in „Der Bunker“ eine Hauptrolle innehat. Nikias Chryssos’ Regiedebüt ist der vorläufige Höhepunkt des kleinen Trends und eines der Highlights des Fantasy Filmfest 2015: eine ebenso brillante wie verstörende Groteske, komisch, dramatisch – und nicht weit entfernt vom blanken Horror.

    Bukowski verkörpert hier einen namenlosen Studenten, der sich in die Einsamkeit zurückziehen will, um eine bahnbrechende Arbeit über das Higgs-Teilchen zu verfassen. Tatsächlich ist sein Kellerzimmer als Teil eines in einem Wald gelegenen Bunkers denkbar abgeschieden. Nur der versprochene Seeblick fehlt in dem fensterlosen Loch. Dies ist jedoch nur eine erste Merkwürdigkeit in dem absurden Mikrokosmos, in den der Student gerät: Der Hauswirt (David Scheller aus „Im Schatten“) ist ein ausgemachter Spießbürger, der sich selbst für einen weltläufigen Intellektuellen hält, seine Frau (Oona von Mayxdell)  lässt den bereits sehr erwachsen aussehenden Sohnemann Klaus (Daniel Fripan, „Victoria“) öfter lustvoll an ihrer Brust nuckeln und sucht in schwierigen Situationen Rat bei Heinrich - einer hochentwickelten außerirdischen Existenz, die sich in Form einer großen ekligen Wunde in ihrem Unterschenkel materialisiert hat…


    Der kleine Klaus sagt, er sei acht, sieht aber eher aus wie 30 (so alt ist auch Darsteller Daniel Fripan tatsächlich) und erscheint grenzdebil. Nach dem Willen seiner ehrgeizigen Eltern soll er jedoch einmal Präsident im Weißen Haus werden und so verdonnern sie den studentischen Hausgast dazu, Klaus‘ Hauslehrer zu spielen und ihm Dinge wie die Hauptstädte aller Länder, die Funktionsweise des globalen Finanzwesens und Heideggers Existenzphilosophie einzubläuen. Die Situation ist grotesk und in einem Reigen irrwitziger Szenen, die schreiend komisch sind, aber zugleich oft auch sehr beunruhigend oder gar bedrohlich, wird das Bizarre zum Dauerzustand. Regisseur Nikias Chryssos und seine vier herausragenden Hauptdarsteller erschaffen ein ganz eigenes, beängstigend-lustiges Universum irgendwo zwischen Grimms Märchenwelt und „Twin Peaks“: ein atmosphärisch starkes und anregendes kleines Meisterstück – garniert mit eigenwillig-originellen Details.

    Fazit: Die Groteske „Der Bunker“ ist beängstigend – und beängstigend gut.
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