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Sleepless - Eine tödliche Nacht
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Kritik der FILMSTARTS-Redaktion
3,0
solide
Sleepless - Eine tödliche Nacht
Von Thomas Vorwerk
Der in Deutschland aufgewachsene Regisseur Boran bo Odar fiel zuerst mit dem Arthaus-Thriller „Das letzte Schweigen“ auf, bevor er mit dem stylischen deutschen Hacker-Blockbuster „Who Am I – Kein System ist sicher“ plötzlich auch die Aufmerksamkeit Hollywoods auf sich zog: Nicht nur soll „Who Am I“ in der Traumfabrik neu aufgelegt werden, dem gebürtigen Schweizer wurde auch die Regie des Hollywood-Remakes „Sleepless – Eine tödliche Nacht“ (basiert auf dem atemlosen französischen Reißer „Sleepless Night – Nacht der Vergeltung“ von 2011) anvertraut. In dem zu großen Teilen in einem Casino-Komplex angesiedelten Action-Thriller spielt Jamie Foxx in der Tradition von „96 Hours“ und „Stirb langsam“ entschlossen gegen sein Saubermann-Image an, wenn er jeden niedermäht, der sich zwischen ihn und seinen entführten 15-jährigen Sohn stellt.

Der Cop Vincent Downs (Jamie Foxx) überfällt mit seinem Partner einen Drogentransport – und erbeutet dabei Rauschgift im Wert von acht Millionen Dollar. Am nächsten Tag übernimmt er selbst den Fall, um mögliches Beweismaterial aus dem Weg räumen zu können. Jennifer Bryant (Michelle Monaghan) aus der Abteilung „Interne Ermittlungen“, die mit Inbrunst gegen die zahlreichen „dreckigen“ Cops in Las Vegas vorgeht, hat Vince direkt auf dem Kieker - allerdings hat der gerade ganz andere Probleme: Weil er bei dem Raubüberfall erkannt wurde, haben die ursprünglichen Besitzer des Kokains seinen Teenager-Sohn Thomas (Octavius J. Johnson) entführt. Vince soll die Tasche mit den Drogen beim Casino-Chef  Stanley Rubino (Dermot Mulroney) abgeben, der die heiße Ware seinerseits in wenigen Stunden dem sadistischen Gangsterboss Rob Novak (Scoot McNairy) ausliefern muss. Aber dann ist die von Vince auf der Toilette versteckte Tasche plötzlich verschwunden – und im Casino „Luxus“ gibt es gleich eine ganze Reihe von Fraktionen, die die Drogen unbedingt in ihren Besitz bringen wollen…



Im französischen Original von Frédéric Jardin spielte ein Großteil der Filmhandlung noch in einem Pariser Nachtclub – die engen Gänge zwischen Tanzfläche, Toiletten, Küche und Tiefgarage werden darin mit einer impulsiven Handkamera eingefangen, was dem Thriller eine atemlos-klaustrophobische Atmosphäre verleiht. In seinem Remake geht Boran bo Odar nun einen anderen Weg: Statt auf wackelige Handkamerabilder setzt er auf einen klassisch-schnörkellosen 80er-Jahre-Action-Look, zudem bedeutet der Casino-Schauplatz in Las Vegas zwar auf der einen Seite weniger Enge und damit auch weniger Tempo, aber dafür umso größere Schauwerte. Das bedeutend höhere Budget sorgt außerdem für besser ausgearbeitete Stunts und spektakulärere Verfolgungsjagden (vor allem im wendungsreichen Finale im Parkhaus).

Die deutlichste - und zwar positive - Veränderung besteht allerdings in der Ausarbeitung der Rolle von Michelle Monaghan („Source Code“). Ihr französisches Äquivalent war noch eine eher schwache, von der Situation völlig überforderte Figur, die im allgemeinen Machogetümmel ziemlich unterging. Dass Monaghan nun als durchaus ebenbürtige Gegenspielerin zum Actionstar Foxx („Django Unchained“) angelegt ist, deutet sich schon in einer frühen Szene des Films an, wenn sich beide erstmals gegenüberstehen und beide an der Wange jeweils eine unschöne Schramme aufweisen – zwei Cops auf Augenhöhe, die auch mal was einstecken können. Die Aufwertung der Frauenfigur (auch Vincents Exfrau - gespielt von Gabrielle Union - spielt hier eine etwas größere Rolle) dürfte auch mit der Verpflichtung von Drehbuchautorin Andrea Berloff zusammenhängen, die bisher nicht nur durch ein Faible für Streifen der härteren Gangart auffiel (darunter der tolle „Blood Father“), sondern für ihr Skript zu „Straight Outta Compton“ sogar eine Oscarnominierung erhielt.

Ein wenig enttäuschend ist es allerdings, dass Boran bo Odar sein 30-Millionen-Dollar-Hollywooddebüt auf zwar überaus kompetente und streckenweise durchaus beeindruckende, aber eben auch konventionelle Weise in Szene setzt – immerhin hatte er sich mit „Who Am I“ ja gerade erst als technisch-innovativer Regisseur in Stellung gebracht. „Sleepless“ richtet sich hingegen an Fans eher klassischer Actionkost. Die zeitlich komprimierte Hatz durch die Nacht in der glitzernden Großstadt in Verbindung mit Jamie Foxx als Hauptdarsteller lässt einen zwischendurch immer mal wieder an „Collateral“ denken – aber wo es Michael Mann in Los Angeles wirklich gelang, die spezielle Stimmung einer nächtlichen Metropole einzufangen, gibt es in „Sleepless“ nun zwar einige Minuten Helikopteraufnahmen der verheißungsvoll leuchtenden Casino-Fassaden von Las Vegas, aber diese verbinden sich mit den übrigen Szenen selten zu einem stimmigen Ganzen – was auch daran liegen mag, dass die Innenaufnahmen alle im preiswerteren Atlanta gedreht wurden.

Fazit: Routiniert-gradlinige Oldschool-Genre-Kost mit Jamie Foxx auf den Spuren von Liam Neeson und Bruce Willis. Für Action-Fans bietet „Sleepless – Eine Tödliche Nacht“ einen kurzweiligen Kinoabend - man spürt aber auch, dass hier inszenatorisch noch mehr möglich gewesen wäre.
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