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Bad Neighbors 2
Kritik der FILMSTARTS-Redaktion
3,5
gut
Bad Neighbors 2
Von Andreas Staben
Auf dem Papier sieht „Bad Neighbors 2“ aus wie eine der vielen ebenso unvermeidlichen wie unnötigen Fortsetzungen, die bei den Hollywoodstudios für eine gewisse Planungssicherheit sorgen sollen. Dass am Ende von Nicholas Stollers komischer Nachbarschaftsfehde „Bad Neighbors“ alle wesentlichen Fragen geklärt und Konflikte gelöst waren, spielte keine Rolle – dann erzählt man halt nochmal die gleiche Geschichte. So wirkte es jedenfalls, als angekündigt wurde, dass dem Ehepaar Radner im Sequel statt einer feierwütigen Horde von Verbindungsbrüdern einfach eine Schwesternschaft ruhestörender Studentinnen das Leben schwer machen würde: neue Nachbarn, alter Streit. Tatsächlich fertigt Regisseur Stoller („Fast verheiratet“, „Nie wieder Sex mit der Ex“), der hier ebenso wieder dabei ist wie alle anderen wesentlichen Mitstreiter, so etwas wie eine dramaturgische Blaupause des ersten Teils an – trotzdem ist „Bad Neighbors 2“ ein ganz anderer Film. Und zwar ein keineswegs schlechterer: Dass diese formelhafte Fortsetzung zugleich auch eine sehr eigenständige vergnüglich-herzhafte Komödie geworden ist, lässt sich vorläufig auf eine ganz banale Formel zurückführen: Frauen sind anders als Männer.
 
Kelly Radner (Rose Byrne) und ihr Mann Mac (Seth Rogen) erwarten ein zweites Kind und haben daher ein neues Haus in einem Vorort gekauft. Um das bezahlen zu können, brauchen sie allerdings dringend einen Abnehmer für ihr jetziges Domizil - entsprechend groß ist die Erleichterung, als sich solvente Interessenten finden. Doch es gibt einen Haken: Die designierten Käufer haben innerhalb einer Frist von 30 Tagen das Recht, das Haus jederzeit unangemeldet unter die Lupe zu nehmen und vom Vertrag zurückzutreten. Für die Radners heißt das, einen Monat auf heißen Kohlen zu sitzen und äußerste Disziplin zu üben. Doch dann zieht die rebellische Shelby (Chloë Grace Moretz) mit einer  Gruppe feierwilliger Studentinnen in das leerstehende Nachbarhaus und die Schwesternschaft kürt ausgerechnet den erfahrenen Partylöwen Teddy (Zac Efron) zu ihrem Mentor. Der alte Erzfeind der Radners weiß, wie man für reichlich Lärm und Ärger sorgt. Die müssen nun fürchten, ihr Haus nicht mehr loszuwerden und planen entsprechende Gegenmaßnahmen …


Waren die Studenten der dauerfeiernden Verbindung um Teddy und Pete (Dave Franco) in „Bad Neighbors“ noch überaus penis- und partyfixierte Jungs, die für jede Art von unsinnigen Eskapaden zu haben waren, lehnen sich die Mädels von Kappa Nu gegen das sexistische System auf und fordern ihr eigenes Recht auf unreifes Verhalten ein: Anders als andere Schwesternschaften, die sich mit „Whirlpool, Federbetten und glutenfreiem Essen“ begnügen, wollen Shelby und Co. Joints rauchen und Partys nach ihrem eigenen Geschmack feiern, statt nur als „Frischfleisch“ bei den Gelagen der Jungs eingeplant zu werden. Auch sie benehmen sich keinesfalls vernünftig, nehmen sich jüngere Mädchen als Haussklavinnen im Minions-Look, ziehen einen gigantischen Drogendeal ab und schrecken nicht vor dem Einsatz benutzter Tampons als Geschosse zurück, aber ihr emanzipatorisches Anliegen gibt der Auseinandersetzung mit den Nachbarn eine ganz neue Dimension, und so wird „Bad Neighbors 2“ dann neben aller Albernheit (es gibt wieder tollen Airbag-Slapstick) auch wirklich ein Film über das Erwachsenwerden, über Verantwortung und über Freundschaft.

Schon zu Beginn wird in bester Judd-Apatow-Manier derber Humor mit Emotionen gepaart: Das Liebesspiel der Radners gerät ins Stocken, Kelly ist übel. Als Mac fragt, ob sie wieder Krabbensalat gegessen habe, ahnt man die folgende unappetitliche Wendung schon - aber die Szene hat auch noch ganz andere Folgen. Regisseur Nicholas Stoller und seine Drehbuchautoren zeichnen mit selbstbewusst groben, aber liebevollen Strichen das Bild einer sympathischen, gelegentlich überforderten Kleinfamilie. Da spielt das Töchterchen mit einem Dildo und der Vater verirrt sich nach ein paar Sabotage-SMS der Studentinnen auch schon mal nach Australien, doch wichtig ist hier immer der Zusammenhalt. Nach dem sehnt sich auch Teddy, der zu Beginn aus der WG mit Pete fliegt, weil dieser heiraten und mit seinem Bräutigam alleine leben will. Da ist es fast schon tragisch, wenn der nun Heimatlose dann auch noch von Kappa Nu geschasst wird: Während er nichtsahnend daneben sitzt, stimmen die Mädchen in Minutenschnelle per WhatsApp über sein Schicksal ab. Er ist ihnen zu alt, doch wenn Teddy sein Sixpack präsentiert (aber nur mit Babyöl), dann sind sie immer noch Feuer und Flamme – schließlich wissen auch die Filmemacher, was sie an Zac Efron („Bad Grandpa“) haben.  

Wie der nicht gerade schlaue Teddy am Ende doch noch die Kurve kriegt, ist ebenso augenzwinkernd wie schön. Gegenüber dem ersten Teil hat Efrons Figur an Herz und Tiefe gewonnen, die zentralen Sympathieträger aber bleiben Seth Rogen („The Interview“) und Rose Byrne („Spy – Susan Cooper undercover“) als Normalo-Ehepaar. Es ist weiterhin reichlich Platz für anzügliche oder politisch unkorrekte Sprüche (so sagt Mac über seine schwangere Ehefrau: „Sie hat einen kleinen Juden im Ofen“), doch die besten Freunde Jimmy (Ike Barinholtz), Paula (Carla Gallo) und vor allem Pete müssen diesmal kürzer treten. Das ist allerdings nicht zum Nachteil des Films, denn das neu hinzugekommene Mädchentrio Shelby, Beth (Kiersey Clemons) und Nora (Beanie Feldstein) sorgt für reichlich Wirbel und schließlich auch für das gewisse Etwas. Besonders Moretz („Kick-Ass“, „Carrie“) hat sichtlich Spaß an ihrer saftigen Rolle: Als Shelbys Vater zu Besuch in die chaotische Studentenbude kommt, bescheinigt er ihr angesichts alter Pizza und sonstiger Zeichen der Verwahrlosung mit liebevoller Milde, dass sie „dumm wie ein Junge“ sei und streckt die Waffen. Damit hat sie ihr Ziel erreicht und beweist damit für den Moment genau das Gegenteil: Frauen sind schlauer.

Fazit: In „Bad Neighbors 2“ gibt es wieder viel zu lachen und dazu diesmal etwas mehr Vernunft und Gefühl.

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Kommentare

  • Jimmy V.
    Ich weiß ja nicht, ob Emanzipation jetzt, aus film- und erzählinnovatrischer Sicht, das entsprechende Merkmal ist. Aber selbst wenn: Teil 1 war okay, Teil 2 wird es wohl auch sein, und für einen gemütlichen Abend taugt das.
  • Der Eine vom Dorf
    So hätte ich es auch formuliert. War beileibe kein Meisterwerk, aber eine solide Komödie - qualitativ im gleichen Bereich einzuordnen wie Kill the Boss 1 und 2 finde ich.
  • Filmfan47
    Wie kann dieser Film genauso viele Sterne haben wie Captain America: The Winter Soldier? Cap 2 ist 100 mal besser als dieser Film.The Winter Soldier hätte eher 4,5 Sterne verdient und der Film hier 2.
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