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Bruder vor Luder
Kritik der FILMSTARTS-Redaktion
2,5
durchschnittlich
Bruder vor Luder
Von Andreas Cordes
Nur fünf Monate nachdem Freshtorge und viele andere deutsche YouTube-Promis mit ihrer Kalauer-Karambolage „Kartoffelsalat – Nicht fragen!“ für Entsetzen beim FILMSTARTS-Kritiker gesorgt haben, drängen mit Heiko und Roman Lochmann, besser bekannt als DieLochis, zwei der größten einheimischen Stars des Videoportals erneut auf die große Leinwand: „Bruder vor Luder“ heißt die Teenie-Komödie, bei der die 16-jährigen Zwillinge nicht nur in die Hauptrollen geschlüpft sind, sondern auch gleich noch neben Tomas Erhart („Der Blender“) auf dem Regiestuhl Platz genommen haben. Zusätzlich unterstützt wurden die Brüder von Regisseur Philipp Stölzl („Der Medicus“), der als „Creative Producer“ Einfluss auf das Projekt hatte. Ein Meisterwerk hat das Duo, das mit seinem YouTube-Kanal aktuell auf fast 1,7 Millionen Abonnenten kommt, nun auch nicht gerade geschaffen, aber das „Kartoffelsalat“-Desaster, an dem sie mit einem Gastauftritt selbst beteiligt waren, lassen sie immerhin deutlich hinter sich. Die Jungs bleiben nämlich einfach sie selbst und bieten aufs jugendliche Zielpublikum zugeschnittene Unterhaltung.

Auf YouTube sind die Zwillingsbrüder Heiko und Roman (Heiko und Roman Lochmann) bereits absolute Superstars, deren Videos millionenfach angeklickt werden. In zwei Wochen wollen sie ihrer Karriere nun einen neuen Meilenstein hinzufügen und ihr erstes eigenes Live-Konzert geben. Vor allem Roman möchte sich voll und ganz auf das anstehende Großereignis konzentrieren, hat die Rechnung aber ohne den Fame-Junkie Jessy (Milena Tscharntke) gemacht: Um Heikos Herz zu gewinnen und dadurch selbst endlich im Rampenlicht zu stehen, gibt sich der Teenager als schüchternes Mauerblümchen aus, das sich rührend um ihre (angeblich) an den Rollstuhl gefesselte Schwester Bella (Tara Fischer) kümmert. Als der Plan aufgeht und Heiko plötzlich nur noch Augen für Jessy hat, sieht Roman das Konzert in Gefahr und beschließt, die Beziehung von Heiko und Jessy zu sabotieren…


Dass sich die Lochis in ihrem ersten eigenen Kinoabenteuer selbst spielen und nicht in fremde Rollen schlüpfen müssen, ist eine sinnvolle Entscheidung, denn mit überragendem Schauspieltalent sind sie nicht gerade gesegnet. Etwas ungelenk und hölzern wirkt der Auftritt der Zwillinge aber dennoch, vor allem wenn es darum geht, aufrichtige Emotionen zum Ausdruck zu bringen. Subtilität sieht anders aus, aber das ist bei dieser Teenie-Comedy zum Glück zu vernachlässigen, zumal die weiblichen Gegenparts, Milena Tscharntke und vor allem Tara Fischer, die mit natürlichem und ungezwungenem Spiel überzeugt, darstellerisch deutlich besser abschneiden und dies mehr als wett machen. Klugerweise werden Jessy und Bella zwischenzeitlich stark ins Zentrum des Erzählten gerückt und mit einem eigenen Konflikt ausgestattet, sodass man die Lochis und ihr Konzert fast vergessen könnte. Um ihren Fans den Sprung vom Smart-Phone-Display auf die große Leinwand schmackhaft zu machen, haben sich auch die Lochis außerdem Verstärkung von zahlreichen YouTube-Kollegen geholt: Neben Dagi Bee, die als Jessys gnadenlos unterbelichtete Freundin Li auftritt, sind Simon Desue, LionT, Freshtorge und viele andere YouTuber in größtenteils durchaus amüsanten Gastrollen zu sehen. Komplettiert wird das Ensemble von „echten“ Schauspielern wie Axel Stein, Alena Wolf oder Petra Nadolny, wobei letztere in der Rolle einer überspannten Sozialarbeiterin Spaß haben darf. Ach ja, und Oliver Pocher ist auch mit dabei.

Passend zum poppigen Soundtrack, der von Lochis-Hits wie „Durchgehend online“ oder „Ich bin blank“ geprägt ist, sorgt der erfahrene Kameramann und Co-Regisseur Tomas Erhart für gefällige, knallig-bunte Bilder. Die Fans der Zwillingsbrüder kommen also mit Sicherheit auf ihre Kosten und viel mehr sollte man von „Bruder vor Luder“ auch nicht erwarten. Klar, die Story ist unglaublich vorhersehbar und hat null Tiefgang, auch die Gags zünden längst nicht immer und basieren oft auf billigem Schock-Humor, wobei schlimmere Entgleisungen ausbleiben. Trotzdem ist das alles halbwegs kurzweilig und macht ab und zu sogar richtig Spaß. Zum Beispiel wenn Drehbuchautor Alexander Dydyna („Goethe!“) einen total absurden Weg findet, den berühmten „Warum liegt hier überhaupt Stroh rum?“-Dialog eines Pornofilms in der Handlung unterzubringen. Für den Deutschen Filmpreis wird es zwar nicht reichen, aber das dürfte allen Beteiligten herzlich egal sein.

Fazit: Nach „Kartoffelsalat – Nicht fragen!“ lag die Messlatte für den zweiten deutschen YouTuber-Film extrem niedrig und so sorgen DieLochis mit ihrem kurzweiligen „Bruder vor Luder“ fast schon für eine positive Überraschung.

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