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    Pitch Perfect 3
    Kritik der FILMSTARTS-Redaktion
    2,0
    lau
    Pitch Perfect 3
    Von Andreas Staben

    „Wurden gerade unsere Namen genannt?“ – Wenn in einer Szene des dritten Teils des A-cappella-Mädchenband-Franchises „Pitch Perfect“ für einen Moment die erzählerisch vernachlässigten Gruppenmitglieder Jessica (Kelley Jakle) und Ashley (Shelley Regner) in den Mittelpunkt rücken, dann entspricht dieser selbstironische Verweis auf die Hierarchien innerhalb des Kollektivs (und des Films) auf den ersten Blick durchaus dem etablierten herzhaft-frechen Witz der Reihe. Doch neu ist die glatt-routiniert, manchmal geradezu lieblos wirkende Art, mit der solche Szenen in „Pitch Perfect 3“ abgehakt werden: So bekräftigt man die scheinbar hinterfragten Mechanismen letztlich nur. Entsprechend treten Jakle und Regner im Nullkommanichts wieder ins zweite Glied zurück und überlassen die Bühne den Stars Anna Kendrick („Up In The Air“) und Rebel Wilson („How To Be Single“), deren Figuren aber in dem von Trish Sie („Step Up: All In“) generisch inszenierten Trilogie-Abschluss ihrerseits an den Rand einer Karikatur geraten. Während die Barden Bellas auf der Bühne immer noch perfekt harmonieren, treffen die Filmemacher in dieser musikalischen Komödie nur selten den richtigen Ton.

    Das College ist geschafft und die einstigen A-cappella-Weltmeisterinnen Barden Bellas schlagen sich mehr schlecht als recht durchs Berufsleben. So ist Beca (Anna Kendrick) frustrierte Produzentin bei einem Plattenlabel, während Amy (Rebel Wilson) mit diversen One-Woman-Shows (unter anderem als Fat Amy Winehouse) ein spärliches Publikum irritiert. Als sie von Emily (Hailee Steinfeld) zu einer Bellas-Wiedervereinigung eingeladen werden, müssen sie vor Ort feststellen, dass sie bei der Show gar nicht selbst auftreten, sondern lediglich ihren Nachfolgerinnen zujubeln sollen. Erleichtert geht die alte Crew daraufhin auf Aubreys (Anna Camp) Idee ein, an einer Europatour im Rahmen des Unterhaltungsprogramms für die dort stationierten US-Truppen teilzunehmen. Dabei winkt den Bellas sogar die Chance auf einen großen Auftritt mit DJ Khaled (als er selbst), allerdings müssen sie sich dafür gegen starke musikalische Konkurrenz (mit Instrumenten!) durchsetzen. Und schließlich taucht auch noch Amys windiger Vater (John Lithgow) auf und sorgt für reichlich Aufregung…

    Schon der Prolog zeigt, dass hier zum vorläufigen Abschluss der Reihe neue Wege eingeschlagen werden sollen: Ein Auftritt der Bellas auf einer Yacht mit Britney Spears‘ „Toxic“ mündet in eine riesige Explosion und eine Actionszene. Und das bleibt nicht die einzige krachende Katastrophe. Dabei geht nicht nur eine Hoteletage in Flammen auf, sondern nach dem schon recht eigenwillig erzählten „Pitch Perfect 2“ auch die Reste einer glaubhaft-nachvollziehbaren Handlung. Während alte Lieben nicht mehr auftauchen (was mit einem unfeierlichen Nebensatz erklärt wird), wird als krassestes Beispiel plötzlich Amys Vater als Unruhestifter aus dem Hut gezaubert. Der entpuppt sich als skrupellos-schleimiger Gangster aus der Genremottenkiste und liefert dabei den fadenscheinigen Vorwand, auch Amy noch ein paar ungeahnte Talente anzudichten. Immerhin beschert uns das einen ziemlich amüsanten Action-Auftritt von Rebel Wilson als Ninja-Bulldozer in der Schiffskombüse, aber mit „Pitch Perfect“ hat das nicht mehr viel zu tun. Außerdem schafft es selbst der geniale John Lithgow, der kürzlich erst in „Daddy’s Home 2“ eine ganze Menge aus einer eindimensional komischen Vaterrolle herausgeholt hat, nicht so recht, dem Part des psychopathisch angehauchten Halunken eine gewinnende Seite zu geben.

    Bei allen Frechheiten und Provokationen hatten die ersten beiden „Pitch Perfect“-Filme vor allem auch viel Herz. Das bleibt hier nun allerdings weitgehend auf der Strecke: Wenn die beiden scharfzüngigen Kommentatoren John (John Michael Higgins) und Gail (Elizabeth Banks), die diesmal eine Doku über die Überseetour der Bellas drehen und wie immer ihren gehässigen Senf dazugeben, am Ende scheinbar sentimental werden und dann doch einen Rückzieher zugunsten eines weiteren schalen Gags machen, ist das nur ein Beispiel für etliche ähnliche Momente, in denen allein die Pointe zählt, die dann aber oft gar nicht zündet. Das untergräbt auch die Wirkung des gefühligen Finales ein wenig, wobei den Darstellerinnen die Verbundenheit mit ihren Figuren trotzdem durchaus anzumerken ist - nur hätten sie alle einen besseren letzten Film verdient. Die anarchische Amy wird hier abgesehen von der erwähnten Actioneinlage zur plumpen Provokateurin, die den Soldaten bei jeder Gelegenheit zweideutige Zoten entgegenschleudert, Beca kriselt ziemlich leblos vor sich hin, Emily denkt nur an die nächsten Prüfungen und alle anderen sind sowieso kaum mehr als Stichwortgeber.

    Während sich Trish Sie mit dem komischen Timing und dem absurden Militärsetting immer wieder schwertut (wenn man schon Robin Williams‘ legendärer Abkürzungstirade aus „Good Morning, Vietnam“ Reverenz erweist, dann sollte man die Szene nicht so halbherzig abbrechen), ist die erfahrene Musikvideoregisseurin bei den Gesangsnummern spürbar in ihrem Element. Zwar ist es etwas enttäuschend, wenn in einer Filmreihe über eine A-cappella-Band plötzlich so getan wird, als sei nur Musik mit Instrumenten richtige Musik und man habe als reine Gesangsgruppe ohnehin keine Chance gegen die gitarrenschwingende und schlagzeugtraktierende Konkurrenz. Aber davon abgesehen sind die Improvisationen und Auftritte der Bellas schwungvoll-spaßig (und überproduziert) wie gewohnt – vom Partysong-Battle am Flughafen bis zur beherzten Bühnenchoreografie mit George Michaels „Freedom! ‘90“. So bewahrt die Musik „Pitch Perfect 3“ vor einem kompletten Reinfall.

    Fazit: Lahmer Nachzügler statt krönender Abschluss – „Pitch Perfect 3“ ist trotz erneut launiger Musiknummern klar der schwächste Film der A-cappella-Trilogie.

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