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    Käpt’n Sharky
    Kritik der FILMSTARTS-Redaktion
    3,0
    solide
    Käpt’n Sharky
    Von Antje Wessels

    Als eine Art Gegenstück zur mädchenaffinen Welt von „Prinzessin Lillifee“ werden seit Mitte der Nullerjahre die Kinderbücher der Reihe „Käpt’n Sharky“ verlegt. Der titelgebende Protagonist ist ein kleiner Pirat, der gemeinsam mit seiner PiRatte, dem Affen Fips und dem Papagei Coco aufregende Abenteuer erlebt. Nach nunmehr zwölf Büchern, elf Hörspielen und einer seit 2008 im Zwei-Monats-Rhythmus erscheinenden Zeitschrift ist die Veröffentlichung eines eigenen Kinofilmes natürlich nur noch Formsache – und das nicht zuletzt auch deshalb, weil sich auch das Merchandise (es gibt mehr als 150 Artikel mit „Käpt’n Sharky“-Lizenz) offenbar wie geschnitten Brot verkauft. Nach Backmischungen und Fahrrädern mit Sharky-Motiv dürfte der „Käpt’n Sharky“-Film für nicht wenige der ganz jungen Fans wohl der erste Kinobesuch überhaupt werden – und genau für diese ist der Film auch gemacht: „Käpt’n Sharky“ bietet kurzweilig-harmlose Animations-Unterhaltung, wobei sich dank sympathischer Sidekicks, überzeugender Synchronsprecher und der knappen Lauflänge wohl auch erwachsene Begleiter nicht allzu sehr langweilen werden.

    Der Piratenkapitän Sharky (Stimme: Anton Petzold) hält sich selbst für den gefährlichsten Seeräuber der Welt. Bei einem seiner Abenteuer legt er eines Tages an einer kleinen Insel an, um gemeinsam mit seinen tierischen Kumpanen Proviant zu stehlen. Dabei trifft er auf den kleinen Jungen Michi, der statt Sharky fälschlicherweise für den Dieb gehalten wird. Gerade so kann er sich noch auf Sharkys Schiff rettet, wo sich zuvor auch schon das Mädchen Bonnie (Jule Hermann) versteckt hat. Sie hofft, so ihrem strengen Vater entkommen zu können, der seine Tochter auf ein Internat schicken möchte. Widerwillig nimmt Sharky seine beiden Passagiere mit. Allerdings hat es nun nicht nur eine fiese Piratenbande auf ihn und sein Schiff abgesehen, sondern auch noch eine ganze Menge anderer Leute, die mit Sharky noch die eine oder andere Rechnung offenhaben…

    Schon die Laufzeit von gerade einmal 73 Minuten verrät, dass sich „Käpt’n Sharky“ an ein Publikum im „Feuerwehrmann Sam“- bzw. „Bob, der Baumeister“-Alter richtet. Auch diese beiden Reihen wurden in den vergangenen Jahren mehrmals fürs Kino adaptiert, wo sie - auch in Ermangelung an Kleinstkinderkino-Konkurrenz – erstaunlich erfolgreich liefen. Die Regisseure Hubert Weiland („Der kleine Drache Kokosnuss“) und Jan Stoltz (hat an den visuellen Effekten von „Spider-Man: Homecoming“ und „The First Avenger“ mitgearbeitet) setzen beim ersten nachmittagfüllenden Spielfilm von „Käpt’n Sharky“ nun auf dasselbe Erfolgsmodell: ein leicht nachzuverfolgendes und trotzdem aufregendes Abenteuer, das für die allerallerkleinsten Zuschauer womöglich sogar einen Tick zu spannend sein könnte.

    Immerhin kämpfen hier gegen Ende die guten gegen die bösen Piraten, wobei allerlei Stich- und Schusswaffen zum Einsatz kommen, bis ganz zum Schluss sogar ein Schiff mithilfe einer Kanonenkugel im Ozean versenkt wird. Aufgrund der kurzen Laufzeit folgen die spannenden Elemente hier Schlag auf Schlag, eine Verschnaufpause gibt es praktisch nicht. Das kann Zuschauer unter sechs Jahren überfordern – zumindest in der von uns besuchten Pressevorführung gab es beim Finale auch im Zuschauerraum die eine oder andere verängstigte Reaktion zu vernehmen.

    Dennoch geben sich die Verantwortlichen sichtlich Mühe, die Spannung mit viel Humor und einem simplen, farbenfrohen Design abzufedern. Neben den tierischen Nebenfiguren Coco, Fips und PiRatte erweisen sich vor allem die Massen an winzigen Sidekick-Krebsen als echte Szenendiebe, wenn sie immer wieder im Takt mit den Scheren klappern und die Leinwandhelden sogar zu einem mitreißenden Mitsing-Lied animieren. Die sehr simplen Animationen lassen – durchaus altersgerecht – die Detailverliebtheit großer Hollywood-Produktionen natürlich vermissen. Aber für das, was die Macher mit „Käpt’n Sharky“ erreichen wollen, nämlich eine gute Stunde harmlos-kurzweilige Kinderbespaßung, reichen die Animationen allemal.

    Keine Kosten und Mühen wurden hingegen bei der Verpflichtung der Sprecher gespart. Während die dort deutlich ältere Hauptfigur Sharky in den Hörspielen von Axel Prahl (und früher von Dirk Bach) gesprochen wird, schlüpft der „Tatort“-Star im Kinofilm nun in die Rolle eines der bösen Piraten. Für den Spielfilm-Sharky konnte man mit Anton Petzold (bekannt als Rico aus der „Rico, Oskar und…“-Trilogie) einen jungen Schauspieler verpflichten, der den kleinen Zuschauern bereits aus einem anderen erfolgreichen Kinderfilm-Franchise bekannt ist. Dass er diesmal von einem kleinen Jungen gesprochen wird, macht es übrigens noch amüsanter, wenn der kleine Kapitän immer wieder betont, der böseste Pirat der Welt zu sein. Auch Jule Hermann (spielt die Wendy in den „Wendy“-Filmen) gibt hier einen überzeugenden Einstand als Synchronsprecherin.

    Fazit: Mit „Käpt’n Sharky“ erlebt der „gefährlichste Pirat der Welt“ nun sein erstes Kinoabenteuer – ein sympathischer, kurzweiliger Film für ganz junge Kinogänger, dessen detailarmen Animationen aber die große Leinwand nicht zwingend gebraucht hätten.

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