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    Himmelskind
    Kritik der FILMSTARTS-Redaktion
    2,0
    lau
    Himmelskind
    Von Andreas Cordes
    Die Geschichte ist unglaublich, aber wahr: Die zehnjährige Anna Beam stürzt beim Spielen ins Innere eines hohlen Baumes und ist fortan von ihrer lebensbedrohlichen, medizinisch nicht heilbaren Krankheit genesen. Weniger unglaublich ist, dass sich Hollywood dieser erstaunlichen Story angenommen hat und mit „Himmelskind“ nun eine Adaption des gleichnamigen Buches von Annas Mutter Christy Wilson Beam in die Kinos kommt. Regisseurin Patricia Riggen, die zuletzt mit ihrem Drama über die Rettung der chilenischen Kumpel aus einer Mine in San José im Jahre 2010 („69 Tage Hoffnung“) eine andere wahre Geschichte verfilmte, inszeniert „Himmelskind“ als hoffnungsspendendes christliches Mutter-Tochter-Drama, bei dem letztlich Gott die entscheidende Rolle spielt. Hauptdarstellerin Jennifer Garner („Dallas Buyers Club“) ist als Mutter Christy mit Hingabe bei der Sache und sorgt dafür, dass dieser abendfüllende Imagefilm für Gott und Kirche auch bei nicht-gläubigen Zuschauern einige emotionale Resonanz finden kann.

    Den dramatischen Sturz in den Baum heben sich Patricia Riggen und Drehbuchautor Randy Brown („Back in the Game“) bis zum letzten Akt auf. Vorher erzählen sie die Geschichte der fünfköpfigen Bilderbuchfamilie Beam aus Texas, deren harmonisches Leben aus den Fugen gerät, als bei Tochter Anna (Kylie Rogers) eine unheilbare Krankheit diagnostiziert wird, die es ihr unmöglich macht, Essen zu verdauen. Weil sich ihr Zustand trotz Therapie weiter verschlechtert, verliert Annas religiöse Mutter Christy (Jennifer Garner) zunehmend den Glauben an Gott und kehrt auch ihrer Kirchengemeinde den Rücken… Hier geht es nicht etwa um eine differenzierte Auseinandersetzung mit Religion und Glauben, sondern um die erbauliche Geschichte einer am Ende natürlich glücklich bestandenen Prüfung. Es ist hier immer ganz eindeutig klar, dass sich Christy mit ihren Zweifeln auf dem Holzweg befindet und am Ende zurück auf den rechten Glaubenspfad finden wird: Die frohe christliche Botschaft wird wie in vergleichbaren Filmen wie „Den Himmel gibt’s echt“ oder „Gott ist nicht tot“ alles andere subtil an das Publikum gebracht und hat auch hier durchaus einen missionarischen Anstrich.


    Wenn der Pastor der Gemeinde (gespielt von John Carroll Lynch, „Shutter Island“) nicht nur stets die richtigen Worte bei seinen Predigten findet, sondern sich darüber hinaus auch noch als begnadeter Entertainer mit Stand-Up-Qualitäten profiliert, dann wird der Gottesdiener zum veritablen Seelenfänger. Eine ansehnliche Folkrockband mit Gitarren, Bass und Schlagzeug unterstützt ihn mit modernen, radiotauglichen Songs, die von den Gemeindemitgliedern entsprechend begeistert mitgegrölt werden – der Gottesdienst bekommt Rockkonzertatmosphäre. Das alles wird von Kameramann Checco Varese in warmen, gefälligen Bildern präsentiert, die genau wie die sehr aufdringlich eingesetzte Wohlfühl-Filmmusik von Carlo Siliotto den Werbefilm-Eindruck unterstreichen – mit Ausnahme der Darbietungen von Jennifer Garner und Nachwuchs-Talent Kylie Rogers („Väter und Töchter – Ein ganzes Leben“), die ein glaubwürdiges Mutter-Tochter-Gespann abgeben, wirkt hier alles auf den erbaulichen Effekt hin kalkuliert. Ihr ungekünsteltes Spiel steht im Kontrast zur pathetischen Inszenierung und so geht es einem trotz allem tatsächlich nahe, wenn etwa die junge Anna ihrer Mutter unter schweren Schmerzen mitteilt, sterben zu wollen.
     
    Fazit: Gut gespieltes, aber allzu arg kalkuliertes, einseitiges und aufdringliches christliches Glaubensdrama.

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    Kommentare

    • Bruno D.
      Stimmt. In Deutschland hat bald eh ein anderer Gott das sagen.
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