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Wie die Mutter, so die Tochter
Kritik der FILMSTARTS-Redaktion
3,5
gut
Wie die Mutter, so die Tochter
Von
In den 1960er Jahren war eine französische Frau im Durchschnitt 27,6 Jahre alt, als sie ihr erstes Kind bekommen hat. Heute ist sie knapp 31 – und passt sich damit dem weltweiten Durchschnitt an. Rund um den Globus nimmt das Durchschnittsalter von Erstgebärenden zu – und davon erzählt auch Regisseurin Noémie Saglio („Harry Me! The Royal Bitch of Buckingham“) in ihrer Tragikomödie „Wie die Mutter, so die Tochter“. Nach Nadège Loiseau mit „Das unerwartete Glück der Familie Payan“ ist sie bereits die zweite französische Filmemacherin, die sich binnen kurzer Zeit mit einer späten Schwangerschaft beschäftigt. Doch bei Saglio geht es weniger darum, sich ernsthaft mit der Frage auseinanderzusetzen, ob eine Frau mit Ende 40 noch ein Kind bekommen sollte. Stattdessen versucht sie gezielt, die Grenzen zwischen den Generationen aufzubrechen: Viele Probleme betreffen eben nicht nur eine Altersgruppe, sondern überdauern Jahrzehnte. Das illustriert sie in, indem sie Mutter und Tochter gleichzeitig schwanger werden lässt. Die haben daher mit (fast) denselben Schwierigkeiten zu kämpfen und profitieren zugleich von der unterschiedlichen Perspektive der jeweils anderen: „Wie die Mutter, so die Tochter“ ist eine außergewöhnliche Familienkomödie mit einem famosen Hauptdarstellerinnen-Duo.

Die 30-jährige Avril (Camille Cottin) und ihr Ehemann Louis (Michaël Dichter) erwarten ihr erstes Kind. Für die beiden geht damit ein Traum in Erfüllung, doch eine ist davon ganz und gar nicht begeistert: Avrils Mutter Mado (Juliette Binoche), die seit dem Verlust ihres Jobs bei ihrer Tochter wohnt und eine Art zweite Pubertät durchlebt, sieht durch das Baby ihre heile Welt bedroht. Dann kommt alles noch schlimmer, denn als Mado eine Nacht mit ihrem Ex-Mann und Avrils Vater Marc (Lambert Wilson) verbringt, wird sie prompt schwanger. Zunächst wollen die Eltern diesen Umstand vor ihrer Tochter geheim halten, aber der große Eklat schein unausweichlich.

Wie die Mutter, so die Tochter Trailer DF


„Wie die Mutter, so die Tochter“ beginnt mit einem inszenatorischen Kabinettstückchen: Wir sehen eine gestresste, Einkäufe erledigende, sich um den Haushalt kümmernde und über ihre Mitbewohnerin fluchende Frau auf der einen, eine hemmungslos feiernde, viel zu spät und volltrunken nach Hause kommende Frau auf der anderen Seite. Die Rollen scheinen klar verteilt, offenbar hat da eine Mutter mit ihrer pubertierenden Tochter zu kämpfen. Als schließlich klar wird, dass es in Wirklichkeit genau anders herum ist und es sich bei der vermeintlichen Tochter um die glaubhaft (dank Schminke und Klamotten) rund 15 Jahre jünger wirkende Juliette Binoche („Die Wolken von Sils Maria“) handelt, hat Regisseurin und Autorin Noémie Saglio das Publikum sofort für sich gewonnen. Es ist einfach ein großer Spaß, zu sehen, wie die französische Schauspiellegende vollständig darin aufgeht, in ihre bislang wohl unreifste Rolle überhaupt zu schlüpfen – und wie die charmante Camille Cottin („Allied – Vertraute Fremde“) hilflos versucht, neben ihrer aufmüpfigen Mutter Haltung zu bewahren, sorgt für jede Menge gelungene Pointen.

Doch so heiter „Wie die Mutter, so die Tochter“ auch beginnt, so einfühlsam erzählt Noémie Saglio von den Hauptfiguren und der folgenden familiären Misere. Während sich die selbstbewusste Avril in einem moralischen Konflikt sieht, ob sie ihre unselbstständige Mutter nun weiterhin unterstützen, oder endlich vor die Tür setzen soll, findet Saglio in Mados Unvermögen, endlich (wieder) für sich selbst zu sorgen, viele tragische Aspekte. Mal ist sie einfach nur mit allem überfordert, mal beweint sie den vermeintlichen Verlust ihrer Tochter, für die sie doch weiterhin da sein will, dann wieder wettert sie gegen einfach alles und verhält sich tatsächlich wie ein kleines Kind. Avril registriert all das aufmerksam, um zu wissen, was sie später bei ihrem eigenen Kind genauso machen will oder eben ganz anders. Die ganze erzählerische Aufmerksamkeit gehört diesen großartigen Protagonistinnen, werden die beiden männlichen Hauptfiguren Lambert Wilson („Unterwegs mit Jacqueline“) und Michaël Dichter („Wild Life“) werden bei so viel Frauenpower allerdings zu Statisten degradiert.

Fazit: Regisseurin Noémie Saglio zaubert in den kurzweiligen 90 Minuten ihrer Komödie „Wie die Mutter, so die Tochter“ viele kreative Ideen aus dem Hut und punktet mit zwei grandios aufspielenden Hauptdarstellerinnen.
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Kommentare

  • Hammock
    Leider wurden wir von der FIlmstarts Kritik schlecht beraten. Die genannten Vorzüge spielt der FIlm keineswegs aus. Zwei drei Schmunzler waren nach einer Stunde dabei. Die Charaktere mögen vielleicht motiviert gespielt sein, aber weder kommt je irgendwann glaubwürdige Emotionalität auf, noch ist die Charakterzeichnung gelungen. Ich kann mich nicht erinnern, wann ich je aus einem Kinofilm rausgegangen bin, aber heute war es soweit. Man versteht schon innerhalb der ersten zwei Minuten, wer wer ist und keineswegs gewinnt damit der Film irgendwie an Klasse. Die Tochter in Mutterrolle wirkt optisch nicht annähernd wie eine glaubwürdige Tochter, dass der Gedanke je aufkommt-Jedenfalls ist der Humor eher Haudrauf Humor, wie man ihn sich von einer RTL Komödie erwartet. Fernab von intelligent und fernab von niveauvoll. Die Handlung plätschert vor sich hin und eigentlich ist der Film nur eine Aneinanderreihung von blöden Szenen. Ernsthaftigkeit für das Thema wird ebenso vermisst, wie gute Gags. 3,5 Sterne bekam der Film. Da wäre ich dann doch lieber The Circle gegangen und hätte wenigstens Emma Watsons Gesicht als Entschädigung gehabt.Der Film ist schlecht.
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