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Charles Dickens: Der Mann, der Weihnachten erfand
Kritik der FILMSTARTS-Redaktion
3,5
gut
Charles Dickens: Der Mann, der Weihnachten erfand

Wohliges Weihnachtskino

Von
Charles Dickens ist den Briten fast so heilig wie William Shakespeare, einige seiner Werke haben Kritiker längst in den Status der Weltliteratur erhoben und Figuren wie Oliver Twist oder David Copperfield kennt auf der Insel noch immer jedes Kind. Und doch wurde keines seiner Werke so oft adaptiert wie „A Christmas Carol“ (zu deutsche „Eine Weihnachtsgeschichte“) – mehr als 25 Film-Versionen des Stoffes existieren bis heute (darunter „Die Muppets Weihnachtsgeschichte“ und „Disneys Eine Weihnachtsgeschichte“ mit Jim Carrey). Doch bislang hat sich niemand mit der Entstehungsgeschichte des Werks beschäftigt und die Frage beantwortet, wie Dickens überhaupt auf diese wundervolle Idee kam. Genau das hat nun aber Regisseur Bharat Nalluri gemacht, dessen Film „Charles Dickens: Der Mann, der Weihnachten erfand“ nun mit fast einjähriger Verspätung (im Sommer macht’s halt auch keinen Sinn) in die deutschen Kinos kommt. Und das ist auch gut so, denn der warmherzige Film ist mit Dan Stevens und Christopher Plummer nicht nur edel besetzt, sondern verbreitet auch angenehme Weihnachtsstimmung.

1843: Der junge Charles Dickens (Dan Stevens) ist längst ein Star-Autor, dem die englischsprachige Welt zu Füßen liegt. Doch seine drei letzten Romane waren allesamt Flops und langsam geht das Geld zu Neige. Denn Dickens lebt nicht nur auf einem - seiner Meinung nach notwendigen - großen Fuß, er unterstützt auch seinen Vater John (Jonathan Pryce) großzügig. Eine neue Idee für ein erfolgreiches Buch muss her! Und die bekommt er eines Nachts, als er auf einem Friedhof eine sehr einsame Trauerzeremonie beobachtet. Doch bis die Weihnachtsgeschichte tatsächlich fertig ist, muss sich Dickens vor allem mit den Taten und Motiven seiner Hauptfigur Ebenezer Scrooge (Christopher Plummer) auseinandersetzen. Und der entwickelt bald ein munteres Eigenleben…


Obwohl die persönlichen Ansichten und das private Leben von Charles Dickens im Skript von Susan Coyne durchaus eine Rolle spielen, ist „Charles Dickens: Der Mann, der Weihnachten erfand“ kein biographischer Film – und schon gar ein historisch verbürgter. Stattdessen lassen Coyne und Nalluri jede Menge Fantasy-Elemente einfließen, wenn Dickens die Figuren aus seinem neuen Buch regelmäßig in seinem Büro erscheinen sieht – und der Film so ganz nebenbei auch die Weihnachtsgeschichte selbst visualisiert. Ein Autor ringt buchstäblich mit seinem Werk und seinen Charakteren, bis endlich eine runde, glaubhafte Erzählung mit dem richtigen Ende dabei herauskommt.

Neben diesem Hauptstrang erzählt der Film aber noch weitere Geschichten. So bekommt Dickens‘ soziales Gewissen, für das der Schriftsteller bereits zu Lebzeiten berühmt und bei manchen gesellschaftlichen Schichten berüchtigt war, immer wieder Raum in der Handlung. Dazu erzählen Coyne und Nalluri von Dickens‘ schwierigem Verhältnis zu seinem Vater, der zwar stets auf gute Umgangsformen und gute Taten bedacht war, seine Familie aber häufig nicht ernähren konnte. Und deshalb für einige der schlimmsten, aber auch prägendsten Erlebnisse im Leben seines Sohns sorgte. Das ist eine Menge Stoff für 100 Minuten, doch Regisseur Nalluri gelingt es mühelos, seinem Film eine permanente Leichtigkeit zu geben. Was auch an seinen starken Darstellern liegt.

Dan Stevens („Die Schöne und das Biest“) spielt Dickens als freundlichen, herzensguten Kerl, der aber auch seine dunklen Seiten hat. Und der mittlerweile 88-jährige Christopher Plummer (Oscar für „Beginners“) hat sichtliches Vergnügen an der Rolle des grummeligen und griesgrämigen Scrooge, der dem Autor dennoch ein paar wichtige Lebensweisheiten beibringt. Das alles bleibt jedoch stets in einem so harmlosen Kontext, dass die offensichtliche Vorgabe, aus der Story einen Familienfilm zu machen, nie in Gefahr gerät. Bisweilen erinnert „Charles Dickens“ in seiner Liebenswürdigkeit und angenehmer Stimmung sogar an „Paddington 2“. Das geht allerdings zu Lasten der eigentlich düsteren Elemente von „Eine Weihnachtsgeschichte“. So sind die eigentlich gruseligen Auftritte der drei Weihnachts-Geister hier arg harmlos geraten. Und das Ende gerät ebenfalls deutlich kitschiger als es nötig gewesen wäre. Andererseits: Wann ist das einfacher zu verzeihen als zu Weihnachten?

Fazit: Ein schöner und warmherziger, wenn auch manchmal ein wenig zu rührseliger Film über eine der berühmtesten Weihnachts-Erzählungen aller Zeiten. Gutes, britisches Familienkino mit tollen Darstellern, das Bharat Nalluri mit leichter Hand inszeniert.
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