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Little Mermaid
Kritik der FILMSTARTS-Redaktion
1,5
enttäuschend
Little Mermaid
Von
Der kolossale globale Erfolg der Realfilm-Neuauflage von „Die Schöne und das Biest“ hat es noch einmal fulminant unterstrichen: Mit CGI-Unterstützung aufgepeppte Real-Remakes alter Disney-Zeichentrickklassiker sind eine sichere Bank an der Kinokasse. Kein Wunder also, dass beim Mäusekonzern auch schon an neuen Versionen von „Dumbo“, „Aladdin“, „Der König der Löwen“ und „Arielle, die Meerjungfrau“ gearbeitet wird. Der letztgenannte Trickfilm leitete damals Disneys phänomenales Erfolgscomeback der 90er Jahre ein, aber zu einem solchen Riesenhit konnte er wohl nur werden, weil die Macher das düstere Kunstmärchen des Dänen Hans Christian Andersen zu einer Prinzessinnengeschichte mit familienfreundlichem Happy End umdichteten. Einem dieser Schönfärberei radikal entgegengesetzten Ansatz folgen nun die Regisseure Roxie Blum und Matt Martin mit ihrem Liebesdrama „Little Mermaid“. Sie holen den Märchenstoff in ihrer eigenen Realverfilmung in die Gegenwart und erzählen die Geschichte einer obsessiven Liebe zwischen Fischfrau und Menschenmann. Doch so vielversprechend die Prämisse ist, so enttäuschend fällt letztlich ihre Umsetzung aus: „Little Mermaid“ ist ein schwerfälliges und langatmiges Regiedebüt, dem sowohl das mangelnde Budget als auch die fehlende Erfahrung der Darsteller sehr deutlich anzusehen sind.
 
Die kleine Meerjungfrau (Rosie Mac) beobachtet die Menschen aus dem Wasser heraus und ist fasziniert von ihnen. Eines Tages beschließt sie, aufzutauchen und in der Menschenwelt ohne Fischflosse nach ihrem Märchenprinzen zu suchen. So platzt sie mitten in eine Feier, wo sie auf unsicheren Beinen einem Swimmingpool entsteigt und direkt in die Arme des hübschen Everett (Lee Hudson) fällt. Doch der erweist sich nicht etwa als Traummann, sondern vielmehr als serieller Fremdgeher. Und in der modernen Welt, in der die kleine Meerjungfrau landet, muss sie als Frau ganz ungewohnte Rollen einnehmen – so schliddert sie von der Hausfrau zum Shopaholic bis hin zur Go-Go-Tänzerin…



Kurioserweise steckt in „Little Mermaid“ herzlich wenig von der Märchenvorlage, obwohl Roxie Blum und Matt Martin sich deutlich näher am Originaltext von Hans Christian Andersen orientieren als Disney bei seiner Version. Statt jazzende Krabben, knuffige Fische und bedepperte Vögel dazu zu erfinden, konzentriert sich das Regieduo komplett auf das schwierige Beziehungsdrama im Zentrum von Andersens Geschichte. Die Verlegung der Handlung aus der Entstehungszeit der Vorlage im 19. Jahrhundert in unsere Gegenwart führt allerdings dazu, dass der Film sich über weite Strecken kaum von all den anderen redseligen Independentfilmen über Beziehungen und die verkorksten Opfer, die wir für sie bringen, unterscheidet. Nur der zunehmend aufdringliche Off-Kommentar der kleinen Meerjungfrau über die Sonderheiten menschlichen Verhaltens, die kurzen Einblendungen der Hauptdarstellerin im Fischkostüm zu Anfang des Films und die wiederholten Nahaufnahmen ihrer nassen Füße erinnern noch unmittelbar an das Märchen.

Die Modernisierung des Klassikers, wie sie Blum und Martin vornehmen, eröffnet mit der kritischen Darstellung der limitierenden Rollen, die Frauen auch in der heutigen Gesellschaft noch so oft zufallen, zwar eine schlüssige feministische Perspektive. Doch solche thematischen Aspekte kommen angesichts der bestenfalls biederen Realisierung kaum zur Geltung. Dazu wirkt Rosie Mac, die bisher allein durch ihre Arbeit als Nackt-Body-Double von Emilia Clarke in der Kultserie „Game Of Thrones“ Aufmerksamkeit erregen konnte, in ihrem  Debüt als Hauptdarstellerin tatsächlich so unbeholfen, wie man sich die kleine Meerjungfrau vorstellen mag. Aber das ist auch die einzige Emotion, die sich in ihrem kindlichen Gesicht ablesen lässt. Als wollte man ihrer mangelnden Erfahrung entgegensteuern, bekommt Mac kaum Gesprächsanteile, sodass ihre Partner unentwegt Monologe halten müssen – das wirkt extrem künstlich und eine Beziehungsdynamik kann ohne echte Dialoge auch kaum aufkommen.

Fazit: „Little Mermaid“ ist eine redselige, aber dabei ziemlich nichtssagende und ermüdende Variation des Hans-Christian-Andersen-Märchens von der kleinen Meerjungfrau als moderner Liebesfilm.

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