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Peppermint: Angel Of Vengeance
Kritik der FILMSTARTS-Redaktion
1,5
enttäuschend
Peppermint: Angel Of Vengeance

Platter Selbstjustizreißer

Von
Der Release von „Peppermint – Angel Of Vengeance“ sollte eigentlich ein Grund zum Feiern sein. Schließlich bedeutet der knallharte Rache-Thriller das Action-Comeback von Jennifer Garner. Seit Peter Bergs krachendem „Operation: Kingdom“ aus dem Jahr 2007 war der „Alias“-Star nicht mehr in einer solch körperlich fordernden Rolle zu sehen. Aber die Rückkehr der Heroine auf die Leinwand ist eine riesige Enttäuschung, weil sich der Rache-Actioner von „96 Hours“-Regisseur Pierre Morel als gleichermaßen klischeehaft und fade entpuppt. Selbst in den USA, wo die Einstellung gegenüber Waffen ja bekanntermaßen noch mal eine ganz andere ist, wurde „Peppermint“ als Gun Porn verspottet. Wenn Garner als Ein-Frau-Armee ganze Horden von Bösewichten niedermetzelt, dann ist das weder glaubhaft noch clever, sondern einfach nur krude.

Los Angeles: Die Bankerin Riley North (Jennifer Garner) verpasst den Geburtstag ihrer Tochter Carly (Cailey Fleming), weil ihr Chef sie nötigt, länger im Büro zu bleiben. Als Wiedergutmachung wollen Riley und Ehemann Chris (Jeff Hephner) die Zehnjährige überraschen und auf einer nahen Kirmes bei Pizza und Limo feiern. Aber dort wird die Familie Opfer eines brutalen Überfalls, als drei Mitglieder der Gang des Unterweltbosses Diego Garcia (Juan Pablo Raba) das Feuer auf sie eröffnen. Carly und Chris sterben im Kugelhagel, Riley überlebt schwer verletzt. Sie kann die drei Täter zwar identifizieren, doch ihre Aussage ist vor dem korrupten Richter Stevens (Jeff Harlan) nichts wert. Die feixenden Gangster kommen frei, Riley rastet im Gericht aus und landet in der geschlossenen Psychiatrie. Sie flieht und setzt sich nach Asien ab. Fünf Jahre später kehrt Riley zurück nach Los Angeles, wo plötzlich haufenweise Gangster sterben, die damals in den Mord verwickelt waren. Die Ermittler Stan Carmichael (John Gallagher) und Moises Beltran (John Ortiz) nehmen sich des Falls an, bevor auch noch die junge FBI-Agentin Lisa Inman (Annie Ilonzeh) hinzustößt…


Pierre Morel („From Paris With Love“, „Gunman“) hat schon bei dem vorzüglichen „96 Hours“ bewiesen, dass man auch simpel-sinnbefreit ein wahres Action-Inferno auslösen kann, wenn man nur die richtigen Leute am Start hat. Aber während die rüde Prämisse bei „96 Hours“ noch einer gewissen inneren Logik folgte, wenn der von Liam Neeson gespielte Ex-CIA-Topagent Brian Mills mit den Entführern seiner Teenager-Tochter nach einer der kultigsten Warnungen der Filmgeschichte kurzen Prozess macht, ist die Storykonstruktion hier einfach nur hanebüchen und mit zahllosen Handlungsklischees vollgestopft. Einfach die Rollenbilder umzukehren (nein, das ist so noch kein Feminismus) und eine Frau auf einen Amoklauf zu schicken, reicht nicht aus, um den ausgelutschten Plot interessanter zu machen. Nicht nur, dass aus der smarten Bankerin mit dem abgebrannten Loser-Ehemann dank Cage Fights in Hongkong plötzlich die ultimative, wahre Leichenberge produzierende Kampfmaschine wird, nein, diese Super-Amazone aus dem Nichts bringt auch noch im Alleingang die meistgefürchtete Gang von ganz Los Angeles zur Strecke, während sich die komplette Polizei vor Angst in die Hose macht – um nur die abstrusen Highlights der abenteuerlichen Story-Eskapaden zu nennen.

Zu dieser Grundunstimmigkeit kommen Drehbuchlöcher: Warum zum Beispiel wird eine Massenmörderin zunächst nur von zwei unmotivierten Beamten und einer FBI-Agentin verfolgt? Ausstattungsschlampereien helfen auch nicht weiter, denn die beiden von Riley protegierten L.A.-Ghetto-Kids könnten mit ihren blitzsauberen Outfits auch aus einem Benetton-Katalog stammen. Das letzte Fünkchen Empathie killt schließlich ein unmotivierter Twist. Die ganze humor- und ironiefreie Geschichte passt einfach hinten und vorne nicht. So bleibt Jennifer Garner („Juno“) das einzige, woran man sich als Zuschauer überhaupt irgendwie klammern kann. Selbst wenn die Prämisse schlecht konstruiert ist, hat man Mitleid mit der gepeinigten Mutter, wenn ihre Liebsten nicht einfach nur exekutiert werden, sondern Morel das auch noch genüsslich in Zeitlupe zelebriert. In den hochglänzend-grobkörnig gefilmten Actionszenen überzeugt Garner zudem mit der ihr eigenen Dynamik, die in den vergangenen zehn Jahren nicht gelitten hat. Allerdings steht sie mit ihrer soliden Performance allein auf weiter Flur, da können die Schergen der Gangstertruppe von Diego Garcia noch so finster dreinschauen.

Fazit: Kampfmaschinen-Mama mischt Drogenkartell auf – Pierre Morels platter Selbstjustizreißer „Peppermint – Angel Of Vengeance“ ist viel zu hanebüchen, um auch abseits einiger gelungener Kampfszenen zu überzeugen.
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