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Our House
Kritik der FILMSTARTS-Redaktion
3,5
gut
Our House
Von
2010 veröffentlichte der Regisseur und Drehbuchautor Matt Osterman sein Langfilmdebüt „Phasma Ex Machina“, ein gerade mal 25.000 Dollar teurer Horrorfilm, der in den USA vorwiegend auf Festivals gezeigt wurde. Darin geht es um den nach einem Unfall zum Waisen gewordenen Cody, der gemeinsam mit einem Wissenschaftler und dessen technischer Vorrichtung Kontakt zum Jenseits und damit zu seinen verstorbenen Liebsten aufnimmt. Natürlich geht die Sache mächtig schief und am Ende haben die beiden ein paar richtig fiese Geister am Hals. Das klingt erst mal nach durchschnittlicher Gruselkost, doch bereits ein Jahr nach der Premiere sicherte sich das Hollywoodstudio Universal Pictures die Rechte für ein Remake, bei dem ursprünglich Gary Shore („Dracula Untold“) die Regie übernehmen und „Moon“-Autor Nathan Parker das Drehbuch schreiben sollte.

Bis zum Start der der Dreharbeiten im Mai 2016 rotierte das Besetzungskarussell allerdings noch ein paar Mal, bis schließlich der Kanadier Anthony Scott Burns („Holidays - Surviving Them Is Hell“) mit der Arbeit an dem inzwischen „Our House“ betitelten Gruselhaus-Thriller loslegte. Statt in einem typischen Hollywood-Hochglanz-Look hat er „Our House“ allerdings trotz des großen Studios im Rücken im visuellen Stil eines zurückgenommenen Independent-Films inszeniert – und statt den Fokus nur auf den handelsüblichen Grusel zu legen, konzentriert er sich angenehmerweise verstärkt auf die einnehmende Dynamik zwischen den drei Hauptfiguren. So ist „Our House“ nicht nur ein spannender Okkult-Thriller über aus dem Jenseits zurückkehrende Geister, sondern eben auch ein einnehmendes Drama über die Gräuel des Weiterlebenmüssens nach einem schweren Schicksalsschlag.

Für Ethan (Thomas Mann) und seine Geschwister Becca (Kate Moyer) und Matt (Percy Hynes White) bricht eine Welt zusammen, als ihre Eltern bei einem schweren Autounfall ums Leben kommen. Kurzerhand übernimmt Ethan die Rolle des Versorgers und bricht dafür sogar sein Studium am renommierten MIT ab. Trotzdem lassen ihn seine Experimente auf dem Gebiet der Elektrizitätsforschung einfach nicht los. Schon bald widmet er sich von zuhause aus seinen Studien und macht dabei eine erstaunliche Entdeckung: Eine seiner vielen Gerätschaften ist offenbar in der Lage, Kontakt zum Jenseits aufzunehmen. Es dauert nicht lange und die Geschwister spüren eine unheimliche Präsenz in ihrem Haus, die mit jedem neuen Versuchsaufbau stärker und stärker wird. Aber sind es wirklich Ethans Eltern, die er da von den Toten zurückgeholt hat?


Die Prämisse der verunfallten Eltern ist noch identisch, aber dann fangen auch schon die Unterschiede zwischen Original und Remake an: Wo es die Hauptfigur in „Phasma Ex Machina“ noch gezielt darauf anlegte, ihre toten Eltern wieder zum Leben zu erwecken, was zwangsläufig die philosophische Frage nach sich zieht, ob man wirklich selbst Gott spielen sollte, ist die Wiederkehr der Toten in „Our House“ in erster Linie ein Versehen, das der von Thomas Mann („Ich und Earl und das Mädchen“) eindringlich verkörperte Protagonist Ethan sogar möglichst schnell wieder rückgängig machen will. Erst als sich langsam herauskristallisiert, dass sich seine beiden Geschwister emotional an die zurückgekehrten Eltern klammern, freundet auch er sich mit den Geistererscheinungen an – wohlwissend, dass das alles wohl eher keine gute Idee ist.

Auch das Erscheinungsbild der wieder zum Leben Erweckten unterscheidet sich maßgeblich: Matt Ostermann verzichtete fast vollständig auf Computer-Effekte und ließ die Toten noch ganz im Stile des Steven-King-Klassikers „Friedhof der Kuscheltiere“ einfach von Menschen spielen. In „Our House“ treten die Geisterwesen dagegen in der Gestalt eines schwarzen Nebels auf, der sich erst mit der Zeit immer mehr zu einer Person manifestiert, an der irgendwann auch solche Details wie Gesichtszüge erkennbar werden. Je mächtiger und stärker die Wesen werden, desto gefestigter wirken sie in ihrer zunächst noch so flüchtigen Erscheinung. Und damit gibt die Konsistenz der Gestalten automatisch auch Aufschluss darüber, was für eine körperliche Bedrohung gerade von ihnen ausgeht.

Die übernatürlichen Wesen kündigen ihr Kommen zwar mit so altbekannten Methoden wie plötzlich erscheinenden Botschaften oder verlegten Gegenständen an. Eingebettet in eine sehr behutsame Erzählung über Verlustschmerz und die Herausforderung eines Neuanfangs wirken diese Momente aber trotzdem nie klischeehaft. Stattdessen sind sie ein wichtiger Bestandteil der Auseinandersetzung mit dem Thema Tod, was auch bedeutet, dass man bis zum Schluss nie ganz sicher sein kann, ob die auf der Leinwand geschilderten Ereignisse tatsächlich der Realität entsprechen oder sich nur in den vom Schicksal gebeutelten Köpfen der viel zu jung zu Waisen gewordenen Geschwister abspielen. Schließlich ist die von der zum Zeitpunkt der Dreharbeiten gerade einmal acht Jahre alten Newcomerin Kate Moyer verkörperte Becca mit ihrer blühenden Fantasie am anfälligsten für die Geistererscheinungen.

„Our House“ wartet zwar seine ganze Spieldauer hindurch mit einige stilsicher inszenierten Gruselszenen auf, aber vor allem die starke Schlusssequenz unterstreicht dann noch mal, dass der Film eben als niederschmetterndes Drama mindestens genauso gut funktioniert. Wie sich das Geschwistergefüge durch die unheimlichen Vorkommnisse verändert und die Bindung zwischen dem verzweifelten Ethan, der zunächst so aufgeschlossenen Becca und dem launischen Matt von Minute zu Minute enger wird, wird auf gleichermaßen glaubhafte wie subtile Weise geschildert. Nur gehen die Macher dann im finalen Drittel doch einen überraschend einfachen Weg, um zumindest den Handlungsstrang rund um die übernatürlichen Gestalten auf genrekonforme Weise aufzulösen. Solch einen aufgedrehten Höhepunkt hätte „Our House“ nämlich gar nicht gebraucht, schließlich ist er gerade durch sein Aufgreifen ganz real existierender Ängste auch so schon beklemmend genug.

Fazit: „Out House“ ist ein intensiver Mix aus Geistergrusel und Familiendrama, der auf beiden Erzählebenen gleich gut funktioniert.
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