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    Der göttliche Andere
    Kritik der FILMSTARTS-Redaktion
    4,0
    stark
    Der göttliche Andere

    Mann und Gott streiten sich um dieselbe Frau

    Von Björn Becher
    Gerade das Genre der Romantischen Komödie ist berüchtigt dafür, in immer denselben festen Bahnen abzulaufen. Zwei Menschen, von denen der Zuschauer meist schon ab dem ersten Blick weiß, dass sie füreinander bestimmt sind, müssen irgendwie zusammenfinden. Meist stellen sich ihnen Hindernisse in den Weg – zum Beispiel durch eine dritte Partei. Diese entpuppt sich dann in den meisten Fällen irgendwann noch als total unpassend oder gar als ziemlicher Arsch, damit die Sympathien des Zuschauers auch klar auf der richtigen Seite liegen. Doch was ist, wenn dieser eifersüchtige Dritte kein Mensch, sondern Gott persönlich ist?

    Nicht nur mit diesem himmlischen Kniff bricht „Der göttliche Andere“ nun das Genre der romantischen Komödie auf: Die leicht überdrehte Liebesgeschichte von Jan Schomburg („Über uns das All“), angesiedelt vor der oft atemberaubenden Kulisse der „Ewigen Stadt“ Rom, ist vollgestopft mit humorvollen Spielereien mit Kitsch und Klischees – und funktioniert im selben Moment auch als astreine RomCom, bei der man mit den Figuren von Angang an mitfiebert und bei der die Höhepunkte aller ironischer Brechungen zum Trotz herrlich romantisch ausfallen.

    Für Gregory und Maria ist es Liebe auf den ersten Blick ...


    Der zynische TV-Reporter Gregory (Callum Turner aus „Emma.“) berichtet bevorzugt aus Kriegsgebieten und ist deshalb auch wenig begeistert, dass er nun zur Papstwahl nach Rom abgeordnet wurde. An Gott glaubt er ohnehin nicht – und inzwischen eigentlich auch nicht mehr an die Liebe. Umso mehr beschäftigt ihn, dass ihm die Italienerin Maria (Matilda de Angelis) von der ersten Sekunde an nicht aus dem Kopf geht. Nach weiteren Begegnungen wird Gregory schnell klar: Er ist Hals über Kopf verliebt!

    Aber da gibt es ein gewaltiges Problem: Maria hat sich Gott verschrieben und plant schon in wenigen Tagen als Novizin ins Kloster zu gehen. Immer wieder verhindern zudem absurdeste Ereignisse, dass Gregory und Maria sich nahekommen – und irgendwann gibt es für den liebestrunkenen Ungläubigen nur noch eine letzte logische Erklärung: Gott ist eifersüchtig und will Maria für sich behalten! Wie soll er da bloß eine Chance haben, wenn der Nebenbuhler im wahrsten Sinne des Wortes allmächtig ist…

    Gott existiert. Deal With It!


    Jan Schomburg lässt keinen Zweifel daran, dass Gott in seinem Film sehr wohl existiert und die ganzen Hindernisse tatsächlich nicht nur Zufälle sind. Dabei ist der Gott im Film erst mal ein ziemlich egoistisches Arschloch, das nicht nur per Kurzschluss ein Feuer in einer Disco auslöst, damit sich die Verliebten bloß ja nicht küssen, sondern Gregory notfalls sogar einen gewaltigen Gehirntumor verpasst, um ihn aus dem Rennen zu nehmen.

    Zugleich ist dieser Gott – zumindest nach dem Maßstab der Katholischen Kirche – aber auch erstaunlich progressiv: Als Maria und Gregory es trotz aller Störfeuer irgendwie in ein Hotelzimmer schaffen, sich aber versprechen, es nur bei einem One-Night-Stand zu belassen, weil sie weiter fest entschlossen ist, Nonne zu werden, lässt Gott die beiden nicht nur endlich in Ruhe, er löscht auch höflich das Licht. Einmal Sex ist okay, solange sie danach nur ganz ihm gehört.

    ... aber Gott sieht gar nicht ein, warum er seine zukünftige Braut einfach so hergeben sollte.


    Jan Schomburgs „Der göttliche Andere“ steckt nicht nur in der Zeichnung Gottes voller Widersprüche. Von der Katholischen Kirche kommen zwar auch – von den Kreuzzügen bis zum Kindesmissbrauch – die dunkelsten Seiten zur Sprache, am Ende fällt aber ein fast schon warmherziger und vor allem offensichtlich mit Hoffnungen verbundener Blick auf eine Institution, die Menschen auch in Zukunft womöglich noch wertvolle Hilfe geben kann, wenn sie sich denn nur entsprechend öffnet.

    Dass „Der göttliche Andere“ bisweilen ein wenig unrund wirkt, hat mehrere Gründe. Ein Bruch durch die Vierte Wand, als Gregory das „Ich liebe dich“ durch Gottes Eingriff nur noch in finnischer Sprache herausbringt und deshalb Maria bittet, doch einfach die Untertitel zu lesen, kommt eher unverhofft. Es passt aber irgendwie auch zu dem Zwitterverhältnis des Films (und seiner Macher) gegenüber dem von Kino-Snobs oftmals geringgeschätzten Genre der romantischen Komödie.

    Sind RomComs nun gut oder böse?


    Zudem hat man mit Gregory einen Klischee-Zyniker, der im Verlauf des Films einsehen muss, dass es Liebe eben doch gibt. Im Gespräch mit seiner Redakteurin (Ronke Adekoluejo) ist sich der Journalist seiner Rolle nicht nur im Leben, sondern auch in der Filmhandlung völlig bewusst: Immer wieder wird so mit einem Augenzwinkern auf Genre-Klischees geschaut, obwohl diese dann teilweise trotzdem umgesetzt werden. So widersprüchlich das mitunter wirkt, so gut kommt das alles am Schluss zusammen, weil Humor und Romantik hier dann doch ganz wunderbar Hand in Hand gehen.

    Dazu tragen vor allem die jede Szene belebende Matilda De Angelis („Giulias großes Rennen“) sowie die wunderbaren Rom-Bilder des längst auch in Hollywood tätigen deutschen Kameramanns Florian Hoffmeister („Antlers“) bei. Noch wichtiger ist aber der Humor, der hier immer wieder als exzellentes Bindeglied dient – und zwar gar nicht unbedingt dann, wenn der Komiker Mark Davison („Drunk History“) als mit Lateinfloskeln um sich schmeißender Kameramann ins Zentrum prescht, sondern eher in jenen Momenten, in denen der Witz zugleich auch eine romantische Wirkung entfaltet.

    Mark Davison sorgt als Kameramann, der sich nur selten angemessen benimmt, für den auch mal etwas lauteren Humor im Film.


    Beispielhaft sei hier ein Gag während einer Taxifahrt angeführt: Gregory probt sein beabsichtigtes Liebesgeständnis an Maria mit einer derartigen Inbrunst, dass er schließlich sogar den Fahrer küsst. Es ist ein netter Gag, den man so ähnlich auch schon mal gesehen hat. Doch in „Der göttliche Andere“ sind solche Momente nicht sofort wieder erledigt und vergessen, stattdessen wird die Pointe später noch mal wichtig – und zwar in einer Szene, die dann erst richtig lustig und berührend zugleich ist.

    Fazit: „Der göttliche Andere“ ist alles andere als eine geradlinige romantische Komödie – und vermutlich gerade deshalb so romantisch und komisch!

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