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    Corellis Mandoline
    Kritik der FILMSTARTS-Redaktion
    2,5
    durchschnittlich
    Corellis Mandoline
    Von Johannes Pietsch
    Die Liebe in Zeiten des Krieges war schon immer eines der beliebtesten Themen der Kinogeschichte und schuf mit "Doktor Schiwago", "Verdammt in alle Ewigkeit" oder "Wem die Stunde schlägt" einige der größten und unsterblichsten Filmklassiker. Nicht erst durch "Pearl Harbor", sondern mehr noch durch den Riesenerfolg von Camerons "Titanic" ist die Romantik im Antlitz des Desasters derzeit wieder en vogue wie selten zuvor, und der Zweite Weltkrieg rückte vor allem durch Spielbergs "Saving Private Ryan" und Terence Malicks "Der schmale Grat" wieder ins Bewusstsein Hollywoods. Nachdem Erfolgsregisseur John Madden in seinem wunderschönen "Shakespeare In Love" das Thema Liebe gleichermaßen schelmisch aufs Korn nahm wie die Dichtkunst und die Historie, nimmt er sich jetzt mit "Corellis Mandoline" einer Romanze unter den Vorzeichen des Zweiten Weltkriegs an.

    Das recht konventionell zusammengestrickte Herz-Schmerz-Drama bedient so ziemlich alle Klischees, die wir aus dem Fundus des kombinierten Liebes- und Kriegsfilms kennen. Da ist die sattsam bekannte Dreieckskonstellation aus dem lebensfrohen, impulsiven und epikureisch genießenden italienischen Hauptmann Corelli (Nicolas Cage), die sensible, intellektuelle griechische Dorfschönheit Pelagia (Penelope Cruz) und der edle und aufrechte einheimische Widerstandskämpfer Madras (Christian Bale). Auf der vor Postkartenmotive nur so überquellenden Insel Kephalonia in der Ägäis installiert John Madden nach der Vorlage eines Romans von Louis de Bernieres (in dem es interessanterweise um eine homosexuelle Beziehung geht!) die altbekannte Konstellation einer Menage à trois vor malerischstem Mittelmeerhintergrund.

    1940 marschieren Mussolinis Truppen auf dem verträumten Eiland ein. Noch wirkt der Krieg unwirklich und surreal, die wirklichen Schlachten spielen sich im entfernten Albanien ab, und die Griechen reagieren mit wundersamer Schnurrigkeit auf die überheblichen Eindringliche. Wunderschön skurril wirkt die "Belagerung" des Rathauses der Stadt, dessen Insassen sich lieber dem Schäferhund eines deutschen Offiziers ergeben als einem italienischen Hauptmann und seinen Soldaten. Die haben in der Folgezeit der Besatzung alles andere als Lust auf Krieg, stattdessen frönt man am Strand von Kephalonia Wein, Gesang und mediterranem Frohsinn. Ihr Chef, der Mandolinenspieler und Puccini-Fan Antonio Corelli, schmachtet die Dorfschönheit Pelagia an, dessen Vaterhaus er kurzerhand als Unterkunft requiriert hat und deren züchtige Standhaftigkeit trotz ihrer Verlobung mit dem in der Fremde kämpfenden Einheimischen Madras angesichts einschmeichelnder Mandolinenklänge bald Risse zeigt. Doch die scheinbare Idylle währt nicht lange: Die Deutschen marschieren ein, aus Verbündeten werden Feinde, und schon bald zeigt der Krieg sein hässliches und blutiges Gesicht.

    Bei den meisten Figuren greift Madden tief in die Hollywood'sche Klischeefundgrube. Die griechischen Dorfbewohner wirken in ihrer fröhlichen, urwüchsigen Unbekümmertheit wie frisch aus dem TUI-Katalog importiert, wobei trotz allem Feta, Ouzo und Sirtaki vielen Figuren wirkliche griechische Authentizität abgeht. Die versprüht einzig und allein Irene Papas, einzige echte Griechin am Set, die schon im Urvater aller Griechenlandfilme "Alexis Zorbas" gemeinsam mit Anthony Quinn vor der Kamera stand und hier als rustikale, schwarz gewandete Hellenen-Matrone auftritt. John Hurt gibt als schnauzbärtiger, philosophierender Dorfarzt Iannis eine wunderschön kauzige Charakterstudie, der jedoch wirkliches griechisches Naturell genauso fehlt wie der Figur des rechtschaffenen Widerstandskämpfers Madras, die ausgerechnet mit dem Amerikaner Christian Bale besetzt wurde, der sich bislang vor allem - wie in "American Psycho" oder "Shaft" – als Bösewicht erster Güte empfahl. Während Nicolas Cage mit ewig gleichem Dackelblick Hollywoods Klischeebild eines Vorzeige-Italieners aus Vino, Amore und Musica Rechnung trägt, liefert "Woman on top"-Beauty Penelope Cruz als tugendhafte und zugleich leidenschaftliche und sophisticated Jung-Lady die bislang reifste Leistung ihrer noch jungen Karriere. Das Multi-Kulti-Ensemble ergänzt der talentierte David Morissey als zwischen Pflichtbewusstsein und Faszination an italienischer Lebenskunst hin und hergerissener deutscher Hauptmann Weber, der sich am Ende sogar zur großen, tragischen Figur wandeln darf.

    "Corellis Mandoline" versucht, zu viele Ideale in einem Film zu vereinen: Die ganz große Emotion, die ganz große, aufwühlende Tragik, das ganz bittere Kriegsdrama und den ganz großen Handlungsbogen. Die werden jedoch oftmals zu uninspiriert miteinander verquirrlt, so dass das Gesamtbild einen recht unausgereiften, rudimentären Charakter erhält. Das gilt insbesondere für den Handlungsfluss, der ohne erkennbaren Erzählrhythmus daherkommt, stattdessen an einigen Stellen recht unsanfte Bocksprünge vollführt - so bleibt es dem Zuschauer verborgen, wieso Pelagia auf einmal den Werbungen des heißblütigen Corellis nachgibt - an anderen Stellen, insbesondere am Ende, völlig unnötige Längen aufweist.
    Aufgewertet wird der Film dagegen durch die faszinierende Fotografie John Tolls, der das griechische Eiland Kephalonia mit lichtdurchfluteten Olivenhainen, venezianischen Stadtansichten und flirrender Sonne über stahlblauem Mittelmeer als Traumimpression aller Urlaubskatalog-Autoren inszeniert. Und die kann man richtig entspannt genießen, wenn man das aus dem Drehbuch quellende Pathos ein wenig ausblendet.
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