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Das Phantom Kommando
Kritik der FILMSTARTS-Redaktion
3,0
solide
Das Phantom Kommando
Von Björn Becher
Die 80er Jahre waren die Blütezeit des Macho-Actionfilms. Steven Seagal, Dolph Lundgren, Chuck Norris, Sylvester Stallone, Arnold Schwarzenegger und wie sie alle heißen, verdienten noch gutes Geld mit laufend neuen Filmen, die im Endeffekt immer wieder denselben Schemata folgten. Aus heutiger Sicht sind viele dieser Werke nur schwer erträglich. Reaktionär sind die meisten, manche aber zudem rassistisch oder einfach nur menschenverachtend. Trotzdem taugen einige von ihnen in einer trauten Abendgesellschaft mit ein paar Bier immer noch zur kultigen Hirn-Aus-Film-An-Unterhaltung. Im Gegensatz zum miserablen Der City Hai ist „Das Phantom Kommando“ von Mark L. Lester mit dem Governator Arnold Schwarzenegger in der Hauptrolle dabei noch einer der unterhaltsamsten Werke aus dieser Zeit, trotz nicht übersehbarer Schwächen.

Der ehemalige Elite-Soldat John Matrix (Arnold Schwarzenegger) lebt mit seiner kleinen Tochter Jenny (Alyssa Milano) zurückgezogen in den Bergen. Er hat genug vom Soldatenleben und will sich ausschließlich um seine Tochter kümmern. Doch die Vergangenheit holt Matrix ein als sein alter Chef General Kirby (James Olson) bei ihm auftaucht: Dieser berichtet, dass irgendjemand systematisch die Männer von Matrix’ ehemaliger Einheit umbringt. Matrix wird sicher eines der nächsten Ziele sein. Und kurz nachdem Kirby weg ist, bewahrheitet sich dies. Mehrere Männer greifen ihn und seine Tochter an, überwältigen beide und entführen sie. Auftraggeber des Ganzen ist der südamerikanische Ex-Diktator Arius (Dan Hedaya), der wieder an die Macht kommen will. Matrix soll den jetzigen Präsidenten umbringen, dem er damals zur Macht verholfen hat, damit Arius wieder diese Position übernehmen kann. Er verfrachtet Matrix in ein Flugzeug und droht diesem seine Tochter umzubringen, wenn er den Auftrag nicht erledigt. Doch der stahlharte Einzelkämpfer flieht aus dem startenden Flugzeug und hat nun elf Stunden Zeit, um seine Tochter aus den Klauen von Arius und dessen rechter Hand Bennett (Vernon Wells) zu retten. Denn dann landet das Flugzeug und seine Widersacher wissen, dass Matrix geflohen ist. Unerwartete Hilfe bekommt er bei seiner Befreiungsaktion von der hübschen Stewardess Cindy (Rae Dawn Chong).


„Das Phantom Kommando" ist – wie es sich für die Entstehungszeit gehört - einer der Action-Streifen, bei denen alles von Beginn an klar ist. Nach fünf Minuten weiß man, wie von nun an der Film laufen wird und es kommt nur noch darauf an, wie Arnie diesmal seine Gegner niedermetzelt (immerhin über hundert Tote verursacht er in diesem Film). Und das macht er in allen erdenklichen Varianten: Mal mit dem Messer, mal mit einer MG, einer Pistole oder auch mal mit der Pumpgun und wenn es sein muss, auch mit bloßen Händen. Dabei darf Arnie natürlich ein paar coole Einzeiler aufsagen („He’s dead tired”, sagt er zu der Stewardess nachdem er seinem Aufpasser im Flugzeug das Genick gebrochen), die zusammen mit den Handlungen von Arnie für die nötige (oftmals auch unfreiwillige) Komik sorgen. Wenn er dann ein Auto, das nach einem Crash auf der Seite liegt, wieder zur Weiterfahrt umdreht (und es dabei scheinbar auch „heilt“), oder eine Telefonzelle herausreißt, kann man den Film nicht mehr ernst nehmen.

Die Logik bleibt dabei natürlich auf der Strecke: Wenn Schwarzenegger mit seiner Helferin einen Waffenladen ausräumt und von der Polizei verhaftet wird, kann seine Komplizin nicht nur unbeteiligt mit allen Waffen im Cabrio wegfahren, sondern noch neben den Polizisten halten, diesen kurz schöne Augen machen und dann den Raketenwerfer für Arnies Befreiung auspacken. Die Story ist sekundär. Autor Steven E. de Souza (Running Man verwendet gar keine Mühe darauf, dem Film eine Story- oder den Figuren eine Charakterentwicklung zu verpassen. Bis zu seinen größten Erfolgen, den ersten beiden Teilen der Stirb langsam-Reihe sollte der bekannteste Actionschreiber der Achtziger/Neunziger noch Einiges lernen.

Aber wer sich an mangelhafter Story, Logikfehlern, teilweise auch groben Schnitt- und Continuityfehlern stört, die sich heutzutage keine Produktion mehr leisten könnte, ist sowieso beim falschen Film gelandet. Das muss man alles ausklammern können und wenn man das schafft, bekommt man harte Action mit Arnold Schwarzenegger, einer hübschen Frau und vielen blutigen Szenen sowie allerhand kultige Sprüche geboten. Die Actionszenen sind allerdings in Deutschland – trotz FSK 18 - in fast allen Versionen erheblich geschnitten. Im TV kommt er immer gekürzt, auf VHS gab es ihn lange nur in einer Cut-Version und erst seit 2001 gibt es eine ungeschnittene DVD-Version. Dies ist – neben der Veröffentlichung im Paket mit Predator 1 + 2 im sogenannten „Battle Pack“ - die einzige ungekürzte in Deutschland erhältliche Version. Die Schnitte betreffen dabei vor allem Close-Ups von Toten, oder längere Einstellungen von durchbohrten Körpern. Es gibt ca. 15 Schnitte, zwischen einer und zwölf Sekunden.

Ungeschnitten ist „Das Phantom Kommando" Party-Action mit Arnie, nicht mehr und nicht weniger. Story und Logik sucht man vergebens, dafür findet man viel Action und Gewalt, und das lässt das Herz jedes Arnie-Fans höher schlagen. Wer sich damit sowieso nicht anfreunden kann, sollte den Film meiden.
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