4.5 - Großartig
Bestimmten Remakes verschiedener Sparten steht der Rezipient ja meistens besonders skeptisch gegenüber, besonders wenn es sich um ein Remake des Genres des Gangster bzw. Mafiathrillers handelt. Zu oft häufen sich bereits im voraus die negativen Stimmen, die schon einen Verriss gerechtfertigt sehen. Die Erwartungshaltung im Falle von Scorces exzellentem Remake, auf Grund des asiatischen Thrillers Infernal Affairs, war da auch nicht deutlich besser, sie erweist sich aber im Nachhinein als nichtig, da Scorcese gewohnt routiniert wieder in seinem angestammten Genre Platz nimmt und einen tollen Mafia Thriller mit seiner unverkennbaren Handschrift abliefert. Und er versammelte einen exzellenten Cast um sich, von Leonardo Di Caprio über Matt Damon, Jack Nicholson bis hin zu Mark Wahlberg, die in ihren Rollen richtig aufgehen und brillieren. Dazu kommt noch der gute Schuss an handwerklicher Arbeit von Michael Ballhaus, ein Score von Howard Shore. Thriller Herz, was willst du mehr! Denn The departed - unter feinden ist wirklich verdammt gut geworden und macht sich fein in der Blu-Ray Sammlung!
Und das hat folgende Gründe:
angesiedelt ist the departed in Boston, und wie so oft, wählt Scorcese die Iren als Protagonisten. Das ist zwar nix neues im Prinzip, ach ja man, weiß, wieder die Iren, bitte nicht gähnen; aber Boston wird im Laufe der Handlung zu einem verzwicktem und verbissenem Schlachtfeld der Bostoner Polizei und der irischstämmigen Mafia.
Es geht also um Leute, die ein Produkt der Gesellschaft sind und im Konflikt mit denjenigen stehen, die die Gesellschaft zu einem Produkt ihrerseits machen möchten. Um es mit den Worten von Frank Costello zu zitieren: "nur ...wenn dir einer eine geladene Waffe vor die Nase hält, wo ist dann der Unterschied (zwischen Cop und Gangster.)" Mit dieser Aussage lädt Departed gerade zu ein, klassisches Schwarz Weiß Denken gleich über den Haufen zu werden, denn Klischees werden hier nicht bedient. Es geht um das überleben eines jeden selbst in einer rechtlich definierten Grauzone.
Wo fängt das Verbrechen an, wo hört es rechtlich gesehen auf? Wieder einmal wird für die bekannte Thematik eine passende Geschichte geliefert.
Auch mit allerlei Hinterlist und Intrigen wird um das persönliche wohlergehen und die Herrschaft selber in Boston gekämpft. Costello scheint das persönliche Ziel, das perfekte wohlergehen schon erreicht zu haben, indem er für die eine Seite auch überraschender Weise Informationen liefert, dadurch aber nicht festgenommen wird. Aber andererseits zwischen Koks und Nutten regelrecht aufblüht und andere für seine Zwecke ausmistet.... Die Protagonisten Colin und Billy werden es leider nicht schaffen, es soweit wie Costello zu bringen, sind sie doch nichts eher als bemitleidenswerte Schachfiguren in einem am Ende tödlichem Spiel. Um mal Costello heran zu zitieren:
“Sag mal bist du krank, Fritz, wenn ich dir sage du sollst im Sumpf eine Leiche versenken, dann heißt das, du schmeißt sie in den Scheiß Sumpf, klar, und nicht mitten auf den Weg wo sich Donnerstag irgendwelche Versicherungstypen treffen um sich einen blasen zu lassen, Mann. Hör auf zu lachen! Das ist kein Reality-Tv!”....
Colin (Matt Damon) wurde schon als junger Bursche dazu von Costello auserkoren, zu seinem "Ziehsohn" zu werden, eine Karriere bei der Polizei zu starten und dort als Spitzel zu fungieren. Billy (Leonardo Di Caprio), ist das genaue Gegenteil, entstammt er doch einem sozial schlechtem Milleu, hat er sich doch allem Widerstand zum trotz hochgearbeitet, wird dann aber leider vom Arschloch-Cop Dignam (Mark Wahlberg) und Chief Queenan (Martin Sheen) gleich mal so richtig schön durch die Mangel genommen (Zitat: du irischer Milchkuhf.....lecker... )und dazu abberufen, einen eigenen Spitzel in den Reihen der Polizei zu enttarnen, nicht ahnend, das es sich dabei um Colin handelt.
Leonardo Di Caprio überzeugt als ernster, gewissenhafter, reifer Cop, als tragische Figur, die dem Milleu wieder entkommen und sich seiner Berufung wieder widmen möchte, aber gnadenlos daran scheitern wird, obwohl er kaum was falsch macht. Di Caprio wirkt in seiner Rolle so, als würde er jeden Moment komplett durchdrehen bzw. explodieren aber in vielen Momenten auch gleich aufgeben wollen.
Mehr unter http://blockbusterandmore.blog.de
Hinzugefügt am 16.03.2011 um 19:17 Uhr
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