Zodiac - Die Spur des Killers
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Kritik der FILMSTARTS.de-Redaktion Zodiac - Die Spur des Killers

5,0


Von Björn Helbig

Nach fünf Jahren meldet sich David Fincher, der Regisseur von modernen Klassikern wie Sieben und Fight Club, mit einem neuen Film zurück. In dessen Zentrum: der Zodiac-Killer, der im San Francisco der 70er Jahre sein Unwesen trieb. Fincher ist nicht der erste, der sich dieses Themas annimmt. Don Siegel beispielsweise ließ sich von den realen Vorfällen zu dem Film Dirty Harry sowie seinem Scorpio-Killer inspirieren. Aber auch in Fernsehserien wie „Nash Bridges“, der „Criminal Minds“, „Millennium“ und weiteren tauchten vom Zodiac beeinflusste Figuren auf. Die interessanteste Interpretation des Stoffes lieferte 2005 Alexander Bulkley mit seinem spannenden aber kommerziell wenig erfolgreichen Genrebeitrag Der Zodiac-Killer. Doch auch wenn Fincher nicht der erste ist, ist er doch derjenige, der nicht nur eine adäquate Form für seine Version gefunden hat, sondern auch am tiefsten in den Stoff vordringt. Doch Vorsicht! „Zodiac“ ist kein typischer Thriller des Ausnahmeregisseurs, sondern eine brillante, detailbesessene Rekonstruktion der Ereignisse.

„Hier spricht der Zodiac.“

Der Hintergrund (mit SPOILERN): Unter dem Namen „Zodiac-Killer” ging ein Serienmörder in die Geschichte ein. Dieser ermordete nachweislich im Raum San Francisco zwischen 1968 und 1969 fünf Menschen. Zwei weitere Opfer überlebten. Das besondere an diesem Jack The Ripper Amerikas war sein ausgeprägtes Geltungsbedürfnis. In zahlreichen, teilweise kodierten Briefen, von denen bis heute nicht alle entschlüsselt sind, nahm er Kontakt mit der Presse und der Polizei auf und verhöhnte seine Verfolger. Er selbst rühmte sich, mehr als 30 Menschen umgebracht zu haben. Den Namen Zodiac gab er sich selbst. Er unterschrieb seine Briefe mit dem Zodiac-Symbol. Die ersten Opfer des Killers waren die 16-jährige Betty Lou Jensen und ihr 17-jähriger Freund David Faraday. Sie wurden am 20. Dezember 1968 auf der Lake Herman Road in Solano Country erschossen. Die nächste Tat ereignete sich rund ein halbes Jahr später am 4. Juli 1969. Die Opfer waren die 22-jährige Darlene Ferrin und ihr 19-jähriger Begleiter Michael Mageau. Sie wurden vom Zodiac-Killer auf dem Parkplatz des Golfplatzes Blue Rock Springs in Vallejo angegriffen. Michael Mageau überlebte schwer verletzt und konnte eine Beschreibung des Killers liefern. Zum dritten Mal schlug dieser am 27. September 1969 in der Nähe des Lake Berryessa zu. Diesmal mit einer schwarzen Kutte verkleidet, überwältigte er die junge Cecilia Shepherd und ihren Freund Bryan Hartnell und stach mit einem Messer auf beide ein. Bryan Hartnell überlebte knapp. Am 11. Oktober des gleichen Jahres ereignete sich die letzte Tat, die nachweislich dem Zodiac-Killer angelastet werden konnte. Opfer war der Taxifahrer Paul Stine, den der Killer vom Rücksitz aus erschoss. Obwohl es durchaus Verdächtige gab, wurde nie jemand für die Taten verurteilt.

„Ich bin der Mörder des Taxifahrers drüben an der Ecke Washington Street und Maple Street gestern Abend, zum Beweis ist hier ein blutgetränktes Stück seines Hemdes. Ich bin derselbe Mann, der die Leute nördlich der Bucht fertiggemacht hat.“ (Brief vom 13. Oktober 1969 und der Fetzen von Stines Hemd)

Der Film: Die Geschichte, die Regisseur David Fincher und sein Drehbuchautor James Vanderbilt erzählen, beruht neben jahrelanger eigener Untersuchungen auf den Büchern „Zodiac“ und „Zodiac Unmasked“ des Journalisten Robert Graysmith, der, gespielt von Jake Gyllenhaal, auch die Hauptfigur des Films ist. Graysmith arbeitet zur Zeit der Morde als Karikaturist für den San Francisco Chronicle. Dort herrscht helle Aufregung als die Morde durch den Zodiac-Killer beginnen und dieser durch Briefe, die verschlüsselte Botschaften enthalten, Kontakt mit der Redaktion aufnimmt. In ihnen fordert der Killer die Veröffentlichung seiner Chiffren, ansonsten werde er einen Amoklauf beginnen und „das ganze Wochenende herumfaren und nachts einsame Leute töten…“ . Als Karikaturist hat Graysmith nur am Rande mit der Story zu tun, doch er will daran Teil haben und so widmete er sich dem Fall in seiner Freizeit. Derweil spielt Zodiac mit allen Katz und Maus. Während die Jäger des Killers wie Starreporter Paul Avery (Robert Downey Jr.), Inspector David Toschi (Mark Ruffalo), Inspector William Armstrong (Anthony Edwards) und andere nach und nach aus dem Rennen scheiden, bleibt Graysmith am Ball. Der Killer wird für ihn zu einer Besessenheit.

„Zodiac“ ist keine leichte Kost und man braucht etwas Sitzfleisch. Wer einen typischen Thriller à la Fincher erwartet, wird wahrscheinlich enttäuscht. „Eigentlich ist das gar kein Serienkiller-Film, sondern eine Zeitungsgeschichte“, äußert sich Fincher. Diese Aussage trifft den Charakter seines Werkes ziemlich gut. Es ist etwas völlig anderes als der Psycho-Thriller The Game oder sein letzter Film, der klaustrophobische Panic Room. „Zodiac“ ist eher wie Die Unbestechlichen mit Dustin Hoffmann und Robert Redford ein Recherche-Thriller, nur dass er diesen in der Tiefe seiner Untersuchungen und seinem Rekonstruktionsfanatismus möglicherweise noch übertrifft. Wie sehr „Zodiac“ es schafft zu unterhalten und wie sehr er letzten Endes nachwirkt, hängt wohl noch stärker als bei anderen Filmen vom Zuschauer ab, davon, wie viel dieser Finchers rekonstruktivem Ansatz und den sich daraus ergebenen kleinteiligsten Recherchen abgewinnen kann und wie sehr er es schafft, etwas Größeres hinter den Bildern zu erkennen. Was nicht heißen soll, dass nicht schon die Schauwerte für sich genommen grandios wären. Es gibt immer wieder Szenen, die Finchers visuelles Ausnahmetalent dokumentieren wie der Bau des Gebäudes in Zeitraffer, die durch den Raum fließenden Buchstaben, die Eichhörnchen im Käfig uvm. Auffällig ist aber, dass Fincher diesmal viel zurückhaltender vorgeht als man es von ihm gewohnt ist. Hier sind es weniger optische Spielereien als die absolute Authentizität, die von den mit einer HD-Videokamera gedrehten Bildern ausgeht. Außerdem haben der Regisseur und sein Team weder Kosten noch Mühen gescheut, um die Originalschauplätze auferstehen zu lassen. Zu den kostspieligsten Sets gehörte z.B. Lake Berryessa. Da es die Eichen, hinter denen sich der Killer versteckt hatte, nicht mehr gab, musste man extra welche per Helikopter einfliegen lassen. Auch bei der Musik waren Fincher und sein Team sehr bemüht, dass sie sich optimal in den historischen Kontext einfügt. Geplant war zunächst die Verwendung von 40 Originaltiteln aus der Zeit, doch beim Fertigstellen des Films merkte man, dass das für die gewünschte Atmosphäre des Films noch nicht ausreiche. So holte man sich David Shire mit ins Boot, der schon die Filmmusik für Alan J. Pakulas „Die Unbestechlichen“ oder für Francis Ford Coppulas „Der Dialog“ geschrieben hatte. Dieser komponierte 27 Minuten für „Zodiac“.

„ICH BRINGE GERNE LEUTE UM WEIL DAS ECHT SPASS BRINGT ES BRINGT MEHR SPASS ALS DAS WILD IM WALD ZU TÖTEN WEIL DER MENSCH DAS GEFÄHRLICHSTA WILD VON ALLEN IST DAS IST DAS TOLLSTE ERLEBNIS SOGAR NOCH SCHÖNER ALS ES MIT EINEM MÄDCHEN ZU TREIBEN DAS SCHÖNSTE DARAN IST DASE ICH WENN ICH STERBE IM PARADIHS WIEDERGEBOREN WERDE UND DIE ICH ERMORDET HABE WERDEN MEINE SKLAVEN ICH NENNE NICHT MEINEN NAMEN WEIL IHR VERSUCHEN WERDET MEINE SAMMLUNF VON SKLAVEN FÜR DAS JENSEITS ZU VERMINSERN ODER ZU ATOPPEN. EBEORIETEMETHHPITI“ (Der Zodiac war kein Rechtschreibgenie: Übersetzung einer zahlreiche Fehler enthaltenden kodierten Mitteilung des Killers)

Doch „Zodiac“ ist nicht nur makelloses Ausstattungskino, das mehrere Jahrzehnte des vergangenen Jahrhunderts zu Leben erweckt. Das ist es zwar auch, doch die große Leistung Finchers liegt noch an anderer Stelle. Denn der Regisseur schafft es, den Personen, die damals mit dem Zodiac-Fall zu tun hatten, ein filmisches Denkmal zu setzen. Er zeigt die Menschen hinter dem Fall, die, die einen Teil ihres Lebens für die Aufklärung der Verbrechen verwendeten – und letztlich scheiterten. Hier muss man natürlich auf Leistungen der Schauspieler eingehen. Dass diese in David-Fincher-Filmen durchweg Höchstleistungen bringen, ist bekannt. Insofern dürfte die Überraschung nicht groß sein, dass es sich in „Zodiac“ nicht anders verhält. Bei der Vielzahl der handelnden Personen kann man nicht allen Leistungen gerecht werden. Neben Jake Gyllenhaal (Donnie Darko, Brokeback Mountain), der als Journalist Robert Graysmith wie ein Besessener in den Fall abtaucht und die Hauptlast des Film mit Bravour stemmt, soll besonders die Performance von Robert Downey Jr. (Wonder Boys, Good Night, And Good Luck ) als sich verlierender Starreporter Paul Avery hervorgehoben werden. Möglicherweise halfen ihm seine eigenen Suchterfahrungen bei seinem starken Auftritt. Auch nicht unerwähnt bleiben soll Mark Ruffalo, der zuletzt in Das Spiel der Macht zu sehen war. Mit seiner Darstellung des Inspectors David Toschi, dem Polizisten, der vielleicht am häufigsten als Vorlage für die fiktiven Cops allerlei Filme genutzt wurde, holt er die ausufernden Interpretationen auf festen Boden zurück. Toschi war auch nur ein Mensch, der nicht immer gewann.

„…Ich werde in Zukunft nicht mehr ankündigen, wann ich meine Morde begehe, sie werden wie normale Raubüberfälle aussehen, wie Totschlag im Affekt oder auch wie vorgetäuschte Unfälle usw.…“ (Brief vom 9. November 1969)

Aber „Zodiac“ verfügt über eine weitere Dimension, die ihn zu etwas Besonderen macht. Fincher gelingt es zu zeigen, wie aus konkreten Einzelfällen, bei den Taten eines „normalen“ Irren etwas viel Größeres entsteht. Aus fünf Morden und den Briefen des Mannes, der sich Zodiac nannte, entsteht in dem Film „das Böse“, das wuchert und alle Beteiligten gen Abgrund reißt. So führten die Taten des Zodiac auch zu Nachahmungstäter. Einer davon war Heriberto Deda, der 1990 in New York City eine Mordserie begann, aber gefasst wurde. Fincher deutet auch die Paranoia an, welche die Region um San Francisco wie eine Epidemie erfasst. Zu diesem Zeitpunkt, als das Böse beinahe etwas Übermenschliches zu sein scheint, bewegt sich der Regisseur in dem Bereich, in dem auch sein Klassiker Sieben angesiedelt ist. Doch dann nimmt der Film eine andere Wendung. Anstatt den Zodiac zu etwas Unfassbaren zu stilisieren, dekonstruiert Fincher den Mythos des allmächtigen Killers, der schon seit langem durch die Filmgeschichte geistert. Seine, bzw. Graysmiths akribische Untersuchungen führen zu dem Hauptverdächtigen Arthur Leigh Allen (toll gespielt von John Carroll Lynch), der sich über Jahre im Visier der Polizei befand, dem aber nie etwas nachgewiesen werden konnte. Noch einmal Fincher: „Ich will keinen Film über einen Serienkiller drehen. Vielmehr will ich den letzten Serienkiller-Film drehen.“ Und wirklich, nachdem man den Film eine zeitlang hat wirken lassen, ist man geneigt, Finchers Projekt als gelungen und „Zodiac“ als außergewöhnlich zu bezeichnen. Nicht etwa, weil er das Genre zu neuen Höhen geführt, sondern weil er es auf den Boden zurückgeholt hat.

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