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    Kritik der FILMSTARTS-Redaktion
    4,5
    hervorragend
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    Von Jürgen Armbruster
    Traditionelle, asiatische Filme haben es auf dem westlichen Markt äußerst schwer. Die Erklärung hierfür liegt auf der Hand. Gegen die Unterschiede zwischen den jeweiligen Kulturen und Mythen wirkt der Grand Canyon wie ein kleiner Riss in der Erde. Doch hin und wieder gelingt einer Produktion aus Fernost der Sprung über den großen Teich, die auch in den hiesigen Gefilden zu überzeugen weiß. Akira Kurosavas „Die sieben Samurai“ ist unbestritten einer der besten Filme aller Zeiten und Ang Lees Meisterwerk „Tiger and Dragon“ wusste vor zwei Jahren fast eine Millionen Deutsche zu begeistern. Nun schickt sich Zhang Yimou mit „Hero“ an, in eben jene Fußstapfen zu treten. Er entführt den Zuschauer in eine Geschichte voller Liebe, Eifersucht, Treue und Intrigen, die teils auf realen, historischen Begebenheiten und teils aus reiner Fiktion besteht.

    Vor über 2000 Jahren war China in sieben Königreiche geteilt, die untereinander einen furchtbaren Krieg führten unter dem die Bevölkerung jahrzehntelang zu leiden hatte. Der wohl grausamste, aber auch mächtigste Herrscher war der König von Qin (Chen Dao Ming). Im Laufe der Jahre wurden daher zahlreiche Attentate auf ihn verübt. Aus Angst vor weiteren Anschlägen erlaubte er es niemanden, ihm sich mehr als hundert Schritte zu nähern – bis eines Tages ein namenloser Held (Jet Li) an seinem Hofe auftaucht und behauptet, mit Broken Sword (Tony Leung), Flying Snow (Maggie Cheung) und Sky (Donnie Yen) die drei gefährlichsten Feinde des Königs getötet zu haben. Dem Namenlosen wird erlaubt, sich dem König bis auf zehn Schritte zu nähern, mit ihm Tee zu trinken und ihm seine Geschichte zu erzählen, eine Geschichte, in der nicht alles so ist, wie es zunächst zu sein scheint.

    Zhang Yimou machte sich bisher in erster Linie durch regimekritische Werke wie „Rote Laterne“ oder „Leben“ einen Namen, welche aus kommerzieller Sicht zwar nicht sonderlich erträglich waren, ihm jedoch einer Reihe von Filmpreisen einbrachten (u.a. die Goldene Palme von Cannes und der Goldene Löwe der Biennale). Jenen Auszeichnungen ist es zu verdanken, dass Yimous Machenschaften von der chinesischen Regierung toleriert werden und er nicht im vollen Umfang der in China allgegenwärtigen Zensur unterliegt. Es ist jedoch erstaunlich, dass nun ausgerechnet Yimou die Obhut über die mit 30 Millionen Dollar teuerste chinesische Produktion aller Zeiten, an der sich auch der Staat als Geldgeber beteiligte, anvertraut wurde. Zwar kann sich Yimou in den Schlussminuten den kritischen Seitenhieb auf seine Regierung nicht verkneifen, doch in erster Linie ist „Hero“ ein traditioneller Eastern, der in seiner Heimat obendrein alle Rekorde brach.

    Die Ausstattung darf ohne zu übertreiben als perfekt bezeichnet werden. Kostüme, Kulissen und Make Up vermitteln das Gefühl, sich mitten in einer längst vergessenen Kultur zu befinden. Eine fantastische Kameraführung, sphärische Mollharmonien, berauschende Farben – „Hero“ ist eine nicht Enden wollender Trip der Sinne, wie man ihn seit „Fear and loathing in Las Vegas“ nicht mehr erlebt hat. Im Mittelpunkt hierbei stehen eindeutig die brillant choreographierten Kampfsequenzen. Wer jetzt jedoch schnell geschnittene Prügeleien à la „Matrix" erwartet ist auf dem Holzweg. Im Vergleich zu „Matrix" wirken die Kämpfe hier wie Ballett oder Eistanzen. Genau wie Ang Lee in „Tiger and Dragon“ ignoriert Yimou alle physikalischen Gesetzmäßigkeiten und lässt seine Akteure schwerelos durch die Luft schweben oder über Wasser laufen. Was in asiatischen Filmen an der Tagesordnung steht, wird hierzulande viele abschrecken. Wer sich schon bei „Tiger and Dragon“ nicht richtig wohl fühlte, sollte um „Hero“ einen weiten Bogen machen, denn Yimou legt in dieser Hinsicht noch eine Schippe drauf. Er verlangt viel, bietet aber umso mehr. Was in den hier dargebotenen 99 Minuten über das Publikum hereinbricht, ist ein stilistisches und visuelles Feuerwerk erster Güte, das allerdings viele auch hoffnungslos überfordern dürfte. Wer sich jedoch darauf einlässt, erlebt den faszinierendsten und unkonventionellsten Film des bisherigen Kinojahres.
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