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Dick und Jane
Kritik der FILMSTARTS-Redaktion
3,0
solide
Dick und Jane
Von Deike Stagge
Der amerikanische Traum ist seit der Entstehung der bewegten Bilder immer wieder aufs Neue ein Sujet im Kinofilm. Von der Glorifizierung bis zur kritischen Betrachtung kommen sämtliche Nuancen zum Tragen. In Dean Paritsots Slapstick-Komödie „Dick und Jane“ wird eine kritische Betrachtung der unternehmerischen Raffgier und des Spießertums mit angenehm viel Humor kombiniert.

Dick Harper (Jim Carrey) hat es endlich geschafft: Nach fünfzehn harten Jahren in der Firma Globodyne steht ihm endlich die Beförderung bevor, die ihm und seiner kleinen Familie ein sorgenfreies Auskommen garantieren soll. Das neue Haus ist gekauft, Ehefrau Jane (Tea Leoni) gibt endlich ihren verhassten Job im Reisebüro auf und soll in Zukunft neben Sohn Billy auch die Baustelle des neuen Swimming Pools beaufsichtigen – schließlich sollen die Nachbarn den neuen Status der Harpers auch in all seiner Herrlichkeit wahrnehmen. Pech nur, dass Dick mit der Beförderung über den Tisch gezogen wird. Globodyne ist pleite, und während sich der Firmenpräsident Jack McCallister (Alec Baldwin) mit 400 Millionen Dollar aus dem Staub macht, muss Dick die Schließung und damit das Ende seines Traums vom unbeschwerten Leben hinnehmen. Auch vor der Familie lässt sich das nicht geheim halten.

Nachdem die Harpers ihre Wertsachen, den teueren Fernseher, das gute Auto und schließlich ihr gesamtes Mobiliar verkauft haben, müssen sie noch einen gewaltigen Abstieg hinnehmen. Das Ehepaar nimmt üble Aushilfsjobs an, die in Gesichtsschwellungen und für Dick irgendwann sogar im Abschiebecamp nach Mexiko enden. Da reißt Dick endgültig der Geduldsfaden und er beschließt, von nun an andere Seiten aufzuziehen. Bewaffneter Überfall scheint der einzige Ausweg aus der Misere zu sein. Und eigentlich müsste man mit dem Big Boss McCallister auch noch mal ein Hühnchen rupfen, da er doch das pure amerikanische Familienleben ruiniert hat…

Der Name Jim Carrey auf der Besetzungsliste steht (zumeist) für Slapstick pur, unglaubliche Gesichtsbewegungen und Albernheiten ohne Ende. Das ist ganz sicher nicht jedermanns Sache, aber wer schon mal einen Film mit ihm gesehen hat, weiß, woran er mit dieser Art von Humor ist. Für „Dick und Jane“ schrauben Drehbuch und Darsteller den leicht unter der Gürtellinie liegenden Ulk-Faktor, wie er in „Ace Ventura“ oder „Der Dummschwätzer“ gezeigt wurde, deutlich zurück und setzen Carreys Talent für das Timing von Humor richtig in Szene. Nicht umsonst wird über den Schauspieler erzählt, dass er in zehn verschiedenen Drehversuchen zehn unterschiedliche Pointen spontan erbringen kann. Darüber hinaus findet der Zuschauer eine ordentliche Portion des altbekannten, soliden Slapsticks in Carreys Performance für „Dick und Jane“. Aber diese Komödie ist eindeutig ein Stück für zwei. Tea Leoni, die zuletzt durch ihren Auftritt in Spanglisch größere Beachtung fand, nimmt die Einladung zum Tanz mit dem Meister der 1.000 Grimassen gern an. Denn ohne seinen Gegenpart Jane ist Dick eigentlich überhaupt nicht handlungsfähig. Jane ist die intelligente Planerin, die die wüsten Aktionen ihres ungeduldigen und in der Folge einfach nur noch verzweifelten Mannes in die richtigen (das bedeutet erfolgreichen) Bahnen lenkt. Dabei hat Jane eigentlich keine kriminellen Ambitionen. Stattdessen bietet sie an, den Fluchtwagen für den Göttergatten zu fahren und lacht ihn für seine missglückten Überfallversuche lautstark aus. Doch irgendwann erkennt sie das Erfolgspotential hinter diesen Aktionen und steigt endgültig mit ein.

Das Drehbuch von „Dick und Jane“ basiert auf dem 1977 entstandenen Film „Das Geld liegt auf der Straße“ (mit Jane Fonda und George Segal). Seit dieser Zeit hat sich die Unternehmenslandschaft in den Vereinigten Staaten, aber auch die Werteskala der Bürger, eindeutig verändert. Diesen Wandel vollzieht auch das Drehbuch zur Neuauflage nach. Dick und Jane Harper werden nicht kriminell, um auf die ungerechte Verteilung der finanziellen Konsequenzen des Zusammenbruchs von Globodyne aufmerksam zu machen. Sie wollen einfach ihren sozialen Status und ihr gerade erst beginnendes Luxusleben nicht verlieren. Ein nachvollziehbares Motiv. Regisseur Parisot, der zuvor die Science-Fiction-Komödie Galaxy Quest und einige Pilotfilme von Fernseherfolgen wie „Monk“ inszenierte, lässt dem Zuschauer die Möglichkeit eines kritischen Blicks auf seine Protagonisten und nimmt ihre Situation nicht ganz so ernst. Damit nimmt er auch das Bild des konservativ ausgerichteten amerikanischen Traums vom Haus mit Pool und Mercedes unter Beschuss. Leider fehlt „Dick und Jane“ hin und wieder die Balance zwischen den überzogenen Auftritten von Carrey und dem subtilerem Humor der Geschichte. Doch gerade zum Ende hin wird wieder Fahrt aufgenommen, und Dick und Jane beziehen auch politische Position. Der Nachspann spricht die deutlichste Sprache und beseitigt dann alle Zweifel an der kritischen Auslegung.

„Fun With Dick And Jane“ – „Spaß mit Dick und Jane“ lautet der Originaltitel von Parisots neuer Komödie, die das Filmjahr 2006 auf unseren Leinwänden einläutet. Tatsächlich kann sich der Zuschauer prächtig mit Dick und Jane Harper amüsieren, auch wenn ein paar Gags und Einfälle etwas zu überzogen für den Rest des Films wirken. Vielleicht wollten die Macher zu sehr auf Carrey als Zugpferd der Promotion zurückgreifen. Der soziale Abstieg der Harpers wird zu sehr in die Länge gezogen und dem Publikum unter die Nase gerieben, aber das große Lachen ist garantiert, als Dick und Jane ihr Schicksal selbst in die Hand nehmen und ihre Künste in der fiesen Welt des Verbrechens erproben. Dadurch können „Dick und Jane“ ganz sicher nicht nur die eingefleischten Fans von Jim Carreys speziellem Humor überzeugen.
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