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Lonely Hearts Killers
Kritik der FILMSTARTS-Redaktion
3,0
solide
Lonely Hearts Killers
Von Deike Stagge
Mit „Lonely Hearts Killer“ setzt der relativ unbekannte Regisseur Todd Robinson („Angel Fire“) seinem Großvater Elmer Robinson ein filmisches Denkmal - dem Polizeibeamten, der in den 40er Jahren einem perfiden Betrügerduo, das auch vor Mord nicht zurückschreckte, das Handwerk legen konnte. Solche allzu persönlich geprägten Geschichten können sich als Stolpersteine vor dem Publikum erweisen - gerade, wenn auch noch das Drehbuch aus der Feder des Regisseurs stammt und die Macher die Verbindung zum Zuschauer verlieren, weil sie sich auf intime Details stürzen. Doch Robinson, der unter anderem auch das Skript zu „White Squall“ verfasste, verfällt in seiner neuesten Arbeit eben nicht in romantische Schönfärberei seines Großvaters, sondern nutzt sein Talent, um einen dramatischen Kriminalthriller zu inszenieren, in welchem sich sämtliche Charaktere die Waage halten. Sowohl die Ermittler als auch die Verbrecher kommen in ihrer Dramaturgie zum Zug.

Der toughe und ohnehin schon verschlossene Polizist Robinson (John Travolta) versteckt sich vollends hinter seiner Arbeit, als seine Frau Selbstmord begeht und ihn mit dem gemeinsamen Sohn Eddie (Dan Bryd) ratlos zurücklässt. Erst als Robinson mit seinem Partner Hildebrandt (James Gandolfini) die Chance erhält, sich auf die Jagd nach dem von der Presse auf den Namen „Lonely Hearts Killer“ getauftem Mörder-Pärchen zu machen, erwachen seine Lebensgeister wieder. Parallel zur Geschichte des Polizeigespanns wird erzählt, wie aus der schicksalhaften Begegnung des Betrügers Raymond (Jared Leto) und der rassigen Martha (Salma Hayek) eben jenes kaltblütige Duo wird, welches mordend auf der Suche nach neuen und vor allem wohlhabenden weiblichen Opfern durch die Vereinigten Staaten zieht. Die verhängnisvolle Chemie der beiden Gelegenheitsgauner gipfelt in einer furchtbaren Mordserie aus Habgier und Eifersucht.

Die Konstellation der Figuren und die Konstruktion der Stimmung des Films legt nahe, dass es sich bei „Lonely Hearts Killer“ um einen Film Noir handelt. Mit diesem Genre hat der Film auch das Element der dramatischen Detektivgeschichte gemein, deren Protagonist zusätzlich am tragischem Selbstmord seiner Frau zu kauen hat. Gerade die sich anbahnende heimliche Beziehung von Robinson zu seiner Kollegin Rene (Laura Dern) stellt den hartgesottenen Cop auf die Probe. Trotz der geduldigen Avancen der bodenständigen Rene will Robinson zumindest öffentlich nicht zu seiner Beziehung stehen - und schon gar nicht seinen Sohn die neue Partnerschaft einweihen.

Schauspielerisch hinterlässt der Film von Todd Robinson einen rundherum guten Eindruck. John Travolta (Be cool, Pulp Fiction, Im Körper des Feindes) betont in seinem Spiel die Verbitterung Robinsons und seine Besessenheit mit dem Fall der „Lonely Hearts Killer“. Auch wenn Robinson nicht das Tough-Guy-Format eines Sam Spade aus Die Spur des Falken besitzt, fasziniert die Figur mit ihrer Desillusioniertheit und Obsession mit der Auflösung des ihr übertragenen Falls. Salma Hayek (From Dusk Till Dawn) ist einfach nur brillant gestört und scheint den für sie eher ungewöhnlichen Auftritt als treibende Kraft des mörderischen Duos richtig zu genießen. Auch die Nebenrollen sind mit Jared Leto (Lord Of War, Requiem For A Dream), Laura Dern (Jurassic Park 1 und 3, Wild At Heart), Scott Caan (Into The Blue, Ocean´s Twelve) und James Gandolfini („The Mexican“, „Die Sopranos“) komplett als Hingucker besetzt.

In seinem ersten Film mit einer derartigen Starbesetzung kann Todd Robinson in dieser Hinsicht nur aus dem Vollen schöpfen. Allerdings scheint der Regisseur und Autor versucht zu haben, jedem dieser Talente auch angemessenen Spielraum zu geben. So wird für jede Figur ein Konflikt geschaffen und eine entsprechende Leinwandzeit eingeräumt. Dadurch wirkt „Lonely Hearts Killer“ etwas langatmig und statisch. Die Charaktere entfalten sich erst in allen Einzelheiten, bevor endlich eine dramatische Dynamik der Handlung einsetzt. Wegen seines Staraufgebots und der geistreich inszenierten und durchweg stimmigen Atmosphäre des Films ist „Lonely Hearts Killer“ für Fans des Detektivromans dennoch uneingeschränkt zu empfehlen, auch wenn die Handlung hin und wieder leicht ausgebremst wird.
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