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    Es ist mir leider egal, dass "Biohackers" auf Netflix eine 2. Staffel bekommt
    Von Tobias Mayer — 29.08.2020 um 13:00
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    Was in der angekündigten Fortsetzung der Netflix-Serie „Biohackers“ passieren wird, ist mir Wumpe – ich bin raus aus der „Thriller“-Serie. Denn die erste Staffel war trotz ihres vielversprechenden Themas und starker Besetzung bemerkenswert öde.

    Netflix

    +++ Meinung mit SPOILERN zur 1. Staffel +++

    Es soll herausragend gute deutsche Netflix-Serien geben, habe ich gehört. „Dark“ zum Beispiel, oder „How To Sell Drugs Online“. Die habe ich beide nicht gesehen. Dummerweise habe ich stattdessen „Biohackers“ geschaut.

    Meine Freundin studiert Medizin, weswegen ich auf die naheliegende Idee kam, dass „Biohackers“ eine gute Serie ist, die wir zusammen schauen können. Ein weiteres Argument: Die erstklassige Besetzung, angeführt von Luna Wedler (aus „Das schönste Mädchen der Welt“) und Jessica Schwarz. Wedler spielt eine Medizinstudentin namens Mia, die in gefährliche, illegale Machenschaften unter Genbiologen verstrickt wird. Klingt spannend, oder?

    Der in der Serie dargestellte Alltag von Medizinstudenten habe wenig mit der Realität zu tun, habe ich mir sagen lassen, und die als Hipsterhausen dargestellte Unistadt Freiburg sei in Wirklichkeit viel langweiliger. Das macht mir nichts – wohl aber, wie langweilig die Serie selbst ist.

    Pulver schon nach der ersten Folge verschossen

    Normalerweise bin ich ganz froh, wenn eine Serie mal nicht 13 Folgen dauert, die jeweils eine Stunde Laufzeit haben, weil bei Netflix dann erfahrungsgemäß einige vollkommen überflüssige Szenen pro Episode dabei sind. „Biohackers“ ist schlank dagegen, mit seinen sechs Folgen à 40 Minuten. Nur ist „Biohackers“ trotzdem noch zu lang, da das Pulver im Grunde bereits nach der ersten Episode verschossen ist.

    So gut wie jede „Überraschung“ der Serie wird schon in der ersten Folge angedeutet (wer sich noch kürzer mit „Biohackers“ befassen will, guckt einfach den Trailer, der so gut wie alles verrät). „Das kann doch jetzt alles nicht exakt so ablaufen, wie sie das hier in der ersten Episode in Aussicht stellen“, dachte ich. Es stellte sich heraus: Doch, kann es.

    Tanja Lorenz (Jessica Schwarz) steckt mit ihrem Lakaien Jasper (Adrian Julius Tillmann) hinter dem Virus-Ausbruch im Zug, mit dem die erste Folge beginnt – und es bestätigt sich, was Mia ebenfalls seit der ersten Folge glaubt: Die Professorin ist für den Tod von Mias Bruder verantwortlich, den sie krank gemacht hat, damit sie ihre Gentherapie testen kann. Es ist bemerkenswert, wie vorhersehbar die Serie ist (mit dem Twist ganz zum Schluss habe ich zwar tatsächlich nicht gerechnet, da hatte ich jedoch längst das Interesse verloren).

    Nun wäre die Vorhersehbarkeit kein Problem, wenn „Biohackers“ nicht dezidiert als Thriller-Serie angelegt wäre: Sie soll spannend sein, aber zwischendrin spitzt sich so gut wie nichts zu. Der spannendste Moment zeigt Mia, wie sie im Haus von Tanja Lorenz unter Zeitdruck eine Patientenakte ausdruckt.

    Gut vs. Böse

    Die Frage, wie weit Forscher bei der Entwicklung neuer Therapien gehen dürfen, ist hochinteressant, wird in „Biohackers“ jedoch auf ein simples Gut-Böse-Schema heruntergebrochen: Hier die liebe, verantwortungsbewusste Mia, die ihren Bruder verloren hat, da die karikaturesk böse Tanja Lorenz, deren offensichtliche Arschigkeit noch dadurch unterstrichen werden muss, dass sie ihre Assistentin in einer Szene anweist, die Prüfungsergebnisse ihrer Studenten mit Klarnamen zu veröffentlichen, damit sich der Konkurrenzdruck erhöht.

    Vielleicht wird „Biohackers“ in der zweiten Staffel besser (mit Jasper ist ja eine Figur im Ensemble, die tatsächlich so was wie Zerrissenheit zeigt, wenn es um den moralischen Konflikt geht). Ich hoffe es und wünsche es allen Beteiligten, vor allem der starken Besetzung. Derzeit aber gibt es für mich keinen Grund, mich auf die nächste Season zu freuen. Wahrscheinlich sollte ich stattdessen endlich mal „Dark“ nachholen.

    Webedia / Sebastian Gerdshikow
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