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Eli Stone
Originaltitel: Eli Stone
Staffel 1
USA 2008
Drama, Romantik, Mystery
Filmstarts.de
Laufzeit: 593 Minuten

Staffelkritik

Eli Stone (Jonny Lee Miller) hat alles, wovon er immer geträumt hat. Er ist ein erfolgreicher Anwalt in einer großen Kanzlei und sorgt täglich dafür, dass seine Mandanten, allesamt Großkonzerne, keine Angst vor Schadenersatzforderungen ihrer Kunden haben müssen. Er ist mit der schönen Taylor (Natasha Henstridge) verlobt, was auch gleich der nächste Schritt auf der Karriereleiter ist. Denn Taylors Vater ist Staranwalt Jordan Wethersby (Victor Garber), Elis Boss. Doch plötzlich fängt der aufstrebende Jurist an, Musik zu hören, die gar nicht existiert und dann gibt auch noch Popsänger George Michael ein Konzert auf seinem Wohnzimmertisch. Was sind die Ursachen für Elis Halluzinationen? Sein Bruder Nathan (Matt Letscher), ein Arzt, diagnostiziert ein Gehirnaneurysma, das er von ihrem Vater geerbt hat und das die Halluzinationen auslöst. Doch Eli vermutet noch andere Gründe. Denn aktuell verteidigt er ein Pharmaunternehmen gegen die Vorwürfe der Mutter Beth Keller (Laura Benanti), die behauptet, dass ihr Sohn (William Topputo) durch ein Medikament der Firma autistisch geworden sei. Und Beth bekniet Eli, die Seiten zu wechseln und sie zu vertreten. Langsam dämmert es ihm, woher er die Frau kennt: Mit ihr hatte er sein erstes Mal, zur Musik von George Michael. So übernimmt Eli nicht nur Beths Mandat, sondern beschließt auch ein besserer Mensch zu werden.
Bildergalerie
Dr. Chen: „Eyerything has two explanations, Eli, the scientific and the divine.”

Die sehr unterhaltsame und mit Fortlauf der Handlung auch emotional immer packendere erste Staffel von „Eli Stone” ist ein weiteres von zahlreichen jüngeren Beispielen für außergewöhnliche US-Serien. Die beiden Macher, „Everwood“-Erfinder Greg Berlanti und der langjährige „Law & Order“-Autor und Produzent Marc Guggenheim, verbinden gleich mehrere Genres und ganz unterschiedliche Einflüsse. Da gibt es die Mystery-Elemente rund um die Herkunft von Elis Visionen, die im Verlauf der Staffel verstärkt werden. Dazu kommen viele komische Momente - oft im Zusammenhang mit knallbunten Musical-Einlagen, die an den Kinohit Mamma Mia erinnern. Auch der Drama-Anteil wird nicht vernachlässigt, steht doch das Leben der Hauptfigur auf der Kippe und andere Charaktere müssen ebenfalls Schicksalsschläge hinnehmen. Dieser ernste Schwerpunkt geht Hand in Hand mit dem klassischen Gerichtssaal-Thriller. Eli und seine zahlreichen Kollegen haben in fast jeder Episode aufregende Fälle zu bearbeiten, denen immer ein Großteil der Handlung gewidmet wird. Bei der Darstellung des Kampfs für eine bessere Welt gehen die Autoren zwar teilweise recht plakativ ans Werk, das schmälert die Qualität der Serie aber nur marginal. Auch wenn die häufigen liberalen oder kapitalismuskritischen Botschaften dem Betrachter manchmal mit dem Holzhammer eingebläut werden, drängt sich dieser Aspekt gegenüber dem übrigen Geschehen nie zu stark in den Vordergrund. Zudem punkten die Macher auf der visuellen Ebene, wenn sie bei Elis Visionen alle Regeln beiseite lassen können und auch mal ein Drache durch San Francisco fliegen darf oder Eli ähnlich wie einst Cary Grant in Alfred Hitchcocks Der unsichtbare Dritte vor einem Flugzeug fliehen muss.

Es ist erfrischend, wie hier einige bekannte Klischees umfahren werden. Ein schönes Beispiel dafür ist die Figur von Natasha Henstridge (Species, Deception). In der Pilotfolge denkt der Zuschauer, dass er hier wieder das altbekannte Szenario aufgetischt bekommt: da der smarte Kerl, der von der Macht verführt wurde, aber eigentlich im Kern ein Guter ist; ihm zur Seite die reiche Frau, die ein berechnendes Biest ist und ihn nicht wirklich liebt. Bessere Alternativen scheinen sich für Eli mit seiner Jugendliebe Beth oder mit der idealistischen Nachwuchsanwältin Maggie (Julie Gonzalo, Cinderella Story) anzubieten. Doch zum Glück weit gefehlt. Schnell zeigt sich, dass die von Henstridge verkörperte Tochter des Kanzleibosses nur auf den ersten Blick in das abgedroschene Schema passt, da sie Eli ehrlich liebt. Trotzdem steht ihre Beziehung unter keinem guten Stern und sie erleben im Verlauf der ersten Staffel einige Aufs und Abs. Dass die genannten Frauen alle zu Eli passen würden, verleiht dem Beziehungsgefüge zusätzliche Dynamik und verstärkt die Unberechenbarkeit der Serie.

Dr. Chen: „Almost all religions believe there are those sent to help us find our way. Some people call them prophets.”

Die exzellent geschriebenen und gespielten Figuren sind das Prunkstück von „Eli Stone“. Überraschenderweise sticht Hauptdarsteller Jonny Lee Miller (Trainspotting, The Flying Scotsman) dabei nicht besonders heraus. Sein Anwalt, der sein Gewissen entdeckt, ist zwar grundsympathisch, aber doch auch etwas zu glattgebügelt. Es sind mehr die schrulligen Nebenfiguren, die punkten können - etwa die aufbrausende Sekretärin (Loretta Devine, First Sunday), bei der es eigentlich ein Wunder ist, dass die Kanzlei sie noch nicht entlassen hat. Oder Elis Akupunkteur und spiritueller Ratgeber Dr. Chen (James Saito, Love The Hard Way), der nie um einen klugen Spruch verlegen ist und der sich im Verlauf der Pilotepisode als waschechter Amerikaner entpuppt. Er spielt seinen chinesischen Akzent nur vor, weil das seine Patienten von ihm erwarten. Die schillerndste Figur stellt aber ohne Frage Victor Garber (Milk) als Kanzleiboss und Anwaltslegende dar. Zu Beginn liegt die Vermutung nahe, dass er einfach seine Rolle als eiskalter und überbesorgter Agentenvater aus Alias - Die Agentin wiederholt, aber das ändert sich schnell. Denn spätestens wenn Garber zu grandiosen Gesangseinlagen ansetzt, demontiert er dieses Image gnadenlos und sorgt für erstklassige Momente. Eine wichtige Rolle spielt natürlich noch Sänger George Michael, der übrigens nicht nur in Elis Visionen seine Auftritte hat, sondern einmal auch leibhaftig dem Anwalt einen Besuch abstattet.

Fazit: „Eli Stone“ ist eine Bereicherung für die Serienlandschaft und macht als ungewöhnliche Mischung aus verschiedenen Stilen und Einflüssen großen Spaß, ohne dabei zu seicht zu werden. Immer wieder bringen die Autoren dabei auch feine Spitzen gegen die inzwischen ehemalige US-Regierung unter (Dialogzitat: Jane Halston: „I’m waiting for a mention of separation between church and state.“ – Eli: „Still around? Hard to tell with the current administration.“). Das erwies sich aber leider als ungeeignet für den Mainstream, was „Eli Stone“ ähnlich wie der geistesverwandten Serie 24 zum Verhängnis wurde. Nach einer ersten Staffel, die nicht nur von den Kritikern bejubelt wurde, sondern auch auf gutes Zuschauerinteresse stieß, sackten die Quoten in der zweiten Staffel ab und beide Serien wurde abgesetzt.


Björn Becher