NACH DEM ASCHERMITTWOCH
Marcelo (Wagner Moura) fährt in den Karnevalstagen 1977 nach Recife und bekommt dort eine Unterkunft bei Bekannten. Das Gefühl der Sicherheit schwindet bald.
Die Filme von Kleber Menonça Filho landen quasi nicht in den deutschen Kinos. Ich habe „Aquarius“ (2016), „Bacurau“ (2019) sowie „Retratos Fantasmas“ (2023) auf dem Münchner Filmfest gesehen und die eigenwillige Handschrift dieses brasilianischen Regisseurs lieben gelernt.
„The Secret Agent“ hat es nun doch zu einem regulären Kinostart in Deutschland geschafft. Die Spieldauer von 161 Minuten wirkt zunächst abschreckend, aber das ist völlig unbegründet, denn ein unterschwelliges Kribbeln um die Existenz des Marcelo hält das Publikum auf Spannung. Geschickt lässt der Regisseur, der auch das Drehbuch verfasst hat, die Hintergründe um Marcelos Lebenslauf nur allmählich auf die Leinwand durchsickern.
Mit einer seltsam erfrischenden Prise Humor startet der sonnengeflutete, gut farbgesättigte Film. Das passende, sogar natürlich wirkende Komische bleibt dem Film lange erhalten, bis sich die Angst um Marcelo durch ein hervorragend gesetztes Timing zunehmend die Platzvorteile erarbeitet. Skurrile Begebenheiten begleiten und beleben die Handlung. Der Style der späten 1970er, Typen, die menscheln, die man mag oder vor denen man Angst haben muss, beherrschen die Szenerie, darunter auch Udo Kier ("Bacurau"), der einen Kriegsveteran verkörpert. Wie in einem Agenten-Thriller ist zunächst nicht klar, wer wem mehr dienlich ist. Menonça Filho hängt nicht ständig an der Hauptfigur. Durch die Entscheidung, dem Publikum stets ein bisschen Wissensvorsprung zu lassen, stimmt die Atmosphäre von Beginn an bis über den blutigen Showdown zum Abspann.
„The Secret Agent” füllt einen sehr guten Kinoabend.