Was für ein geiler kleiner Independent-Film aus Polen! Das Setting ist vielleicht nicht allzu originell, dafür aber packend, bewegend, stringent und auch konsequent inszeniert. Als 1-Personen-Kammerspiel angelegt spielt der Film wunderbar mit der Denkweise von Maschinen und der der von Menschen und gewinnt dem Thema einige durchaus neue, überraschende und auch erschreckende Seiten ab. Und das Postapokalypse-Feeling ist trotz offenbar geringem Budget hervorragend eingefangen.
Und dann ist da Magdalena Wieczorek, die als einzige Schauspielerin hier einen fantastischen Job macht und vor allem im zweiten Teil eine unfassbar starke Performance abliefert. Ihr offensichtlich schon deutlich in die Tage gekommener mechanischer Kompagnon hat lediglich eine Stimme, scheint nur begrenzt intelligent zu sein, und kann auch ansonsten nicht viel. Insbesondere handwerklich hat er nichts drauf, daher muss Ewa alles immer alleine reparieren.
Man sollte das Geschehen aber keinesfalls allzu wörtlich nehmen, denn dann würde man schnell über so einige Ungereimtheiten stolpern. Die offensichtlichste davon ist die, warum sie nicht einfach beherzt versucht, den Roboter zu überrumpeln. Zum einen hat sie sowieso nichts mehr zu verlieren (ohne Wasser wird sie definitiv innerhalb kurzer Zeit sterben!), zum anderen bewegt sich der Roboter sich eher langsam, sehr behäbig und scheint ansonsten ziemlich unbeholfen. Das Einfachste wäre wahrscheinlich, ihn einfach umzustoßen, sehr wahrscheinlich würde er sich ohne fremde Hilfe nicht wieder aufrichten können. Oder sie könnte einfach um das Haus drumrumlaufen und ihn abhängen, er ist nicht sehr schnell. Oder, oder, oder.
Aber darum geht es nicht. Es geht vielmehr um die Beziehung zwischen Mensch und Maschine und deren beiderseitige Unzulänglichkeiten. Daher ist der Film auch auf das Minimalste eingedampft, wir erfahren praktisch nichts über die Vorgeschichte von Ewa, auch die Hintergründe der Katstrophe, die zur Apokalypse geführt hat, werden nur ganz kurz erklärt. Die knapp halbstündige Exposition bevor der Film zum eigentlichen Kern kommt, dient hauptsächlich zur Etablierung des Settings und der Beziehung von Ewa und dem Roboter. In der Folge versucht sie fortwährend, ihn durch Argumente und Verhandlungen zu überzeugen, später auch durch kleinere Tricks zu überlisten. Aber stoisch wie eben eine Maschine geht Artur nicht darauf ein und bleibt strengstens bei seinem Protokoll. Davon lässt er sich aber nicht beirren und bleibt stur. Selbst mit der Auflösung des einzigen Rätsels, das er nicht lösen konnte, lässt er sich nicht locken. Genau DAS wäre ja eine höchst menschliche Eigenschaft, auf so einen Handel einzugehen, weil ein Mensch das wohl niemand aushalten könnte, die Antwort nicht zu kennen und niemals zu erfahren, wenn Ewa stirbt. Und darin liegt vielleicht auch die Ironie, dass ihre eigene Antwort auf das Rätsel einen möglichen Ausweg aus ihrer Misere hätte sein können...
Trotz des beengten Settings, nur einer Schauspielerin und eigentlich einer konstanten, sich nicht verändernden Ausgangssituation wird der Film zu keinem Zeitpunkt langweilig. Ganz im Gegenteil, die Spannung wird konsequent hochgehalten, wir bangen ja doch mit Ewa, dass sie irgendwann den richtigen Hebel finden wird, um die unschlagbare Logik einer Maschine doch noch zu überlisten. Und auch das Setdesign trägt ganz erheblich dazu bei, aus dem geringen Budget wird alles rausgeholt und ein sehr glaubwürdiges und vor allem aufregendes (Das Abseilen in den Kühlturm!!) postapokalyptisches Szenario entworfen. Zuletzt sei noch der Score genannt, der sehr atmosphärisch und effizient eingesetzt wird und das bedrohliche n der Situation hervorragend unterstreicht. Das Ende sei hier aus Spoilergründen nicht verraten, ist in seiner Konsequenz aber ebenso unerwartet wie verstörend.
FAZIT: Feiner kleiner Low-Budget-Postapokalypse-Kammerspiel-Film aus Polen, der trotz des eingeschränkten Settings und nur einer einzigen Schauspielerin das Maximale rausholt. Der Film ist enorm spannend, aufregend und unterhaltsam. Ich bin total geflasht, möchte aber dennoch eine Warnung aussprechen. Wer sich auf das Setting nicht einlassen kann, könnte möglicherweise schnell gelangweilt oder genervt sein. Für alle anderen gebe ich eine klare, uneingeschränkte Empfehlung!