„Now you're looking for the secret. But you won't find it because of course, you're not really looking.“
Christopher Nolan wurde durch seine „Dark Knight“-Trilogie, welche in 2005 startete, und seine späteren Filme („Inception“ und „Interstellar“) zu einem der populärsten Regisseure aller Zeiten. Vor allem, weil er oftmals ohne aufgesetzte VFX-Effekte arbeitet, sondern mit echten Stunts, echten Explosionen und so weiter. Das Ganze ist mittlerweile schon fast ein Meme geworden und Nolan steht mit Tarantino für eine fast ausgestorbene Welt des „handgemachten“ Kinos. Und diesen Titel hat er sich auch verdient. Doch immer wieder habe ich das Gefühl, dass seine letzten Filme mehr Schein als Sein sind. „Tenet“ zum Beispiel ist technisch meisterhaft umgesetzt, doch inhaltlich und emotional ist wenig los in dem Film. Nolans frühere Filme jedoch fühlen sich da ganz anders an. „Insomnia“ von 2002 zeigt wie stark Nolan das Thriller-Genre bedienen konnte. Und das hat er dann 2006 in seinem Zauberer-Drama „The Prestige“ perfektioniert. In meinen Augen ist dies wahrscheinlich Nolans bester Film und das obwohl er in seiner Filmografie sicherlich nicht so bekannt ist, wie „Inception“ oder eben „The Dark Knight“. Doch „The Prestige“ ist etwas Besonderes, ein Film, den man nicht nur einmal sehen sollte und der mit jedem Mal gefühlt besser wird, ähnlich wie „Memento“. Ein modernes Meisterwerk, welches auch nach fast 20 Jahren immer noch großartig funktioniert.
Robert Angier und Alfred Borden sind zwei junge Magier, die Ende des 19. Jahrhunderts versuchen eine Karriere als Zauberkünstler zu starten. Doch ein tragisches Ereignis startet eine gnadenlose Rivalität zwischen beiden, die nicht selten mit Gewalt und Demütigung enden. Dieser fast schon leidenschaftliche Streit gipfelt eines Tages in dem neuen, einzigartigen Trick von Alfred, der das Publikum fesselt. Robert will unbedingt wissen, wie dieser Trick funktioniert und muss dafür in die finstersten Abgründe seiner selbst blicken…
Kurz vorweg: Ich werde ncihts spoilern und ich kann nur jedem Interessierten empfehlen nichts über den Film zu recherchieren. Einfach schauen und das Erlebnis auf sich wirken lassen. Das Besondere ist eben, dass man diesen Film beim zweiten Sehen mit ganz anderen Augen sieht. Denn wie Michael Caines Figur Cutter im Film sagt: „Es ist so, dass Sie nicht wirklich hinschauen.“ Nolan verpackt „The Prestige“ selbst wie einen Zaubertrick; Er zeigt uns Hinweise, ja manchmal sogar die Lösung, ganz offensichtlich. Doch viele Zuschauer*innen werden das Ganze sicher erst am Ende verstehen und selbst dann wird man noch viele Fragen haben. Doch genau das ist es, was den Film so besonders und so stark macht. Auch nach dem 20. Mal, ist „The Prestige“ mitreißend und faszinierend. Denn neben dem grandiosen Twist, ist das Ganze eine spannende Charakterstudie über zwei Männer, für die die Magie wichtiger ist als alles andere. Und das auf ganz verschiedene Arten. Während der eine voller Leidenschaft und Hingabe für neue Zaubertricks lebt, genießt der andere vor allem den Ruhm. Und beide treiben sich immer weiter in eine Spirale des Abgrundes, die mich persönlich immer wieder aufs Neue schockiert.
Dabei untermalt Nolan seine düsteren Themen mit grandiosen metaphorischen Bildern (wie etwa der Vogel im Käfig) und schrieb mit seinem Bruder, Jonathan Nolan, eines seiner besten Drehbücher. Vor allem die nichtlineare Erzählstruktur macht den Film so besonders. Wann uns was gezeigt wird, ist sehr clever gewählt worden und selten hat dieses Element der Geschichten-Erzählung so gut funktioniert, wie hier.
Optisch ist „The Prestige“ sehr rustikal gemacht mit vielen Handheld-Shots, die dem Film etwas Realistisches gibt. Ein guter Kontrast zum sonst eher kunstvoll gestalteten Dramas. Und das ist als Kompliment gemeint, denn Nolan inszeniert seinen Film wie ein aufwendiges Theaterstück. Große Spezialeffekte oder Action gibt es dagegen kaum, immerhin haben wir hier ja auch einen mitreißenden Thriller und ich hoffe, dass Nolan irgendwann zu diesem Genre wieder zurück kehrt. „The Prestige“ sieht dennoch toll aus, allein die Sets und Kostüme sind wunderbar anzusehen. Vor allem sind es die echten Zaubertricks, mit denen gearbeitet wurde, die dem Film ebenfalls einen schönen Realismus geben. Über all dem schwebt ein atmosphärischer Score von David Julyan, der hier leider das letzte Mal mit Nolan zusammen arbeitet, bis Hans Zimmer komplett das Ruder übernahm.
Doch natürlich ist ein Hauptelement des Films der grandiose Cast: Christian Bale, der nebenher auch als Bruce Wayne in Nolans „Dark Knight“-Trilogie brillierte, zeigt hier eine seiner besten Rollen, die vor allem beim zweiten Schauen an Qualität und Bewunderung gewinnt. Ebenso stark ist Hugh Jackman, der in diesen dramatischeren Rollen wirklich fantastisch ist. Auch später im genialen „Prisoners“ lieferte er eine ähnlich starke Arbeit ab. Jackman ist ein charmanter und fantastischer Charakter im Film, der seine sympathischen, aber auch dunklen Seiten hat. Auch Michael Caine gibt eine seiner besten Rollen in einem Nolan-Film, neben Alfred in den „Batman“-Filmen. Daneben sticht auch eine tolle Nebenrolle von David Bowie als Nikola Tesla heraus und Rebecca Hall verdient in meinen Augen ebenfalls viel Lob für ihre kleine, aber wichtige Rolle als Alfreds Frau.
Fazit: „The Prestige“ ist wie ein genialer Zaubertrick, nur dass Nolan uns am Ende sogar den Trick verrät. Doch Christian Bale als Alfred Borden sagt es selbst: „Der Trick selbst ist nicht das Kunststück.“ Es ist der Weg dieser beiden Menschen und zu was jeder von ihnen imstande ist zu tun, um als Magier berühmt zu werden. Ein vielschichtiges, packendes und großartiges Meisterwerk von Christopher Nolan!