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Sebastian Schlicht7
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3,0
Veröffentlicht am 21. August 2026
Ein Pfirsich, der kurz vor dem Verschimmeln ist...
„The Nightmare before Christmas“ gilt bis heute als einer der populärsten und einflussreichsten Stop-Motion-Filme aller Zeiten. Fälschlicherweise wird das Werk von 1993 oftmals als ein Tim Burton-Film angesehen, wobei jedoch Henry Selick („Coraline“, 2009) die Regie übernahm. Dennoch war Burtons Name sehr präsent, nicht zuletzt weil es auf Burtons Original-Story basierte. Und während Disney mit seinen Zeichentrick-Musicals die Welt eroberte, probierte man nebenbei halt auch solch düstere Projekte aus und „The Nightmare before Christmas“ war definitiv ein Erfolg, auch wenn Disney zu ängstlich war den Film unter ihrem Namen zu veröffentlichen (weswegen Touchstone Pictures einsprang). Drei Jahre später, 1996, sollten Selick und Burton das nächste Stop-Motion-Projekt herausbringen: „James und der Riesenpfirsich“, basierend auf Roald Dahls Buch von 1961. Die abstrakte und wilde Geschichte über einen Jungen, der mit einer riesigen Frucht und großen Käfern nach New York segelt, war wie gemacht für das kreative Duo. Burton übernahm wieder die Produktion und Selick die Regie. Doch trotz eines großen Casts und einer äußerst eindrucksvollen Optik, floppte der Film an den Kinokassen. „Nightmare“ war zwar ebenfalls kein immenser Erfolg an den Kinokassen, wurde aber später durch VHS und auch DVD zu einem Phänomen. „James“ hingegen blieb relativ erfolglos. Zwar gibt es sicher eine moderate Fangemeinde, aber in meinen Augen ist es sehr offensichtlich, warum dieser Film so baden ging.
James Henry Trotter verliert seine Eltern als diese von einem gigantischen Nashorn gefressen werden. Als seine diabolischen Tanten für ihn sorgen müssen, beginnt für ihn die Hölle: Er wird gepiesackt, muss jegliche Arbeit erledigen und ist quasi ein Gefangener in dem alten Haus seiner Eltern. Doch als eines Tages ein gigantischer Pfirsich wächst, wächst auch James´ Hoffnung auf ein besseres Leben in New York…
Ja, die Story ist ziemlich absurd und wirkt mehr wie ein abgefahrener und düsterer Kindertraum. Und das ist nicht als Abwertung gemeint, „Nightmare“ funktioniert sehr ähnlich. Und Roald Dahl schrieb einige wirklich wundervolle Bücher, wie „Charlie und die Schokoladenfabrik“ und „Der fantastische Mr. Fox“. Das Problem liegt jedoch in der Umsetzung…
Dabei muss ich natürlich klar sagen, dass der Film auf visueller Ebene wirklich wundervoll aussieht. Der Mix aus Live Action und Stop-Motion ist spannend und die Animationen der Figuren, das Design und auch die Kreativität in all den Szenen, sind inspirierend. Ab und zu wurden sogar die noch junge CGI-Technik genutzt, sowie Formen von 2D-Animationen. Auch die Sets in den Live Action-Segmenten haben eine träumerische und theatralische Form, die wunderbar ins Konzept des Films passt.
Der Rest… na ja. Die Moral der Geschichte kommt nur halbgar rüber und vor allem die Freundschaft von James mit den Insekten (die zugegebenermaßen das Highlight sind) fühlt sich nie wirklich echt an. Da ist es zum Beispiel schade, dass nur die Spinne zu Beginn etabliert wird (bevor es in die Stop-Motion-Welt geht) und nur zwei der restlichen Figuren eine echte Wandlung haben, während die anderen einfach nur da sind. Das Drehbuch ist generell nicht wirklich gut geschrieben, was vielleicht auch daran liegt, dass drei Leute daran rum gewerkelt haben. Zudem ist der Over the Top-Humor mancher Szenen und Figuren absolut nicht mein Geschmack und richtet sich deutlich mehr an sehr junge Zuschauer*innen. Und als Kinderfilm ist „James“ sicherlich passend und optisch eindrucksvoll, aber ältere Filmfans werden nicht so viel aus de Ganzen mitnehmen. Richtig kitschig und albern ist besonders das Ende des Films mit einigen wirklich furchtbaren schauspielerischen Momenten...
Ebenso wenig funktioniert die Musik von Randy Newman. Eigentlich mag ich seine jazzigen Scores sehr, besonders für die frühen Pixar-Werke. Doch hier sind es vor allem die Songs, die dem Film Tempo und Fluss rauben. Nicht nur, dass nahezu jedes Lied vollkommen unpassend und wie aus dem Nichts zu kommen scheint, die eigentlichen Tracks sind auch nicht wirklich gut. Kein Titel bleibt im Kopf und in meinen Augen wäre der Film ohne Musicaleinlagen deutlich besser. Sein Score jedoch passt ganz ok zum Film, jedoch wäre jemand wie eben Danny Elfman („Nightmare“) eine deutlich bessere Wahl gewesen.
Fazit: „James und der Riesenpfirsich“ ist als Kinderfilm bestimmt unterhaltsam und kurzweilig und ich liebe die kreative, visuelle Umsetzung. Jedoch ist die Story nur ok und die Umsetzung eher mau, da bin ich Besseres von Selick gewohnt. Und die nervigen Songs von Randy Newman runden diese angematschte Filmfrucht sehr gut ab...