Marlene
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Sebastian Schlicht7
Sebastian Schlicht7

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1,0
Veröffentlicht am 27. Juli 2026
Peinliches und unwürdiges Biopic für eine feministische Ikone der 30er Jahre!

Obwohl ich mit Marlene Dietrich kaum vertraut bin, weiß ich doch, dass sie eine der berühmtesten Frauen des 20. Jahrhunderts in Hollywood war. Und nicht nur das: Sie weigerte sich Filme mit den Nazis zu drehen und zeigte, dass auch Frauen die Welt erobern konnten. Umso besser den autobiografischen Film „Marlene“ von 2000 zu schauen, um diese Wissenslücke über eine der bedeutendsten deutschen Persönlichkeiten im Filmgeschäft zu schließen. Blöd nur, dass das Biopic von Joseph Vilsmaier absolute Zeitverschwendung ist…

Mitte der 20er Jahre, Berlin: Marlene Dietrich schlägt sich am Theater durch, bis ihr eines Tages der Durchbruch gelingt und sie mit dem Regisseur Josef von Sternberg nach Hollywood kann, um dort Filme zu drehen. Während die Karriere und das Liebesleben neue Höhen erreichen, leidet die Familie mit Mann und Kind in der Heimat. Und in den 30ern kommen schließlich Hitler und die Nazis an die Macht und wollen Dietrich am liebsten selbst für ihre Propagandafilme nutzen…

Ja, die Biopics… Die sind leider selten sehr einfallsreich und folgen dem altbekannten Schema F: Jeder Lebensabschnitt wird meistens nur kurz angerissen und in jede noch so kleine Szene wird gut und gern unnötig viel Exposition reingehauen. Denn bei einem Film über eine Person, die von den 20ern bis in die 70er ein sehr abenteuerliches Leben führte, muss man natürlich Dinge auslassen, aber dafür wird viel zu viel einfach über forcierte Dialoge kompensiert. Und wir reden hier über einen deutschen Film… Die sind nicht gerade für gute Drehbücher bekannt. Ausnahmen bestätigen natürlich die Regel, aber „Marlene“ ist ein Paradebeispiel an schrecklichen Skripten. Die Dialoge von Christian Pfannenschmidt sind wirklich ein Graus und erinnern mehr an eine schnulzige Rosamunde Pilcher-Verfilmung als an einen ernstzunehmenden Film. Und wer hätte es gedacht: Pfannenschmidt schrieb vorher und nachher viel für deutsche Trash-Sender wie RTL.

Zusammen mit der wirklich einfallslosen und blassen Regie, entstehen immer mal wieder Szenen und Momente, die unfreiwillig komisch wirken und mich zum Lachen gebracht haben! Da tun mir die Darsteller*innen schon fast Leid, den keiner kann hier wirklich etwas zeigen. Im Gegenteil: Die darstellerischen Leistungen schwanken zwischen erschreckend leblos oder absurd overacted. Obwohl ich den Großteil der deutschen Filmschauspieler*innen nicht mag, bin ich doch der Meinung, dass viele sicherlich etwas drauf haben. Aber in einem peinlichen Film wie „Marlene“ kann wirklich niemand glänzen. Auch nicht Katja Flint als die Titelfigur: Sie wirkt lustlos, ihre emotionalen Ausraster sind unglaublich forciert und am Ende kann sie ihrer Rolle kaum Charme verleihen.

Passend dazu ist die Kameraarbeit flach, langweilig und lahm. Ein Film über eine Hollywood-Ikone, die von einer Party zur anderen reist, mehrere Liebhaber*innen hat und den großen Traum vom Star lebt, sollte in den Bildern deutlich mehr Energie vermitteln. Stattdessen ist alles unglaublich banal und einfallslos gefilmt mit ein paar netten Takes hier und da, die sogar mal länger als eine Minute dauern. Und durch die öde Beleuchtung wirkt der Film nicht selten wie eine TV-Produktion für das Nachmittagsprogramm bei RTL oder SAT-1…

Musikalisch werden wir von Harald Kloser und Thomas Wanker „beglückt“. Beide sind seit Jahren die Hauskomponisten vom deutschen (Achtung Wortwitz) Katastrophenregisseur Roland Emmerich und entschieden sich für eine kitschige Komposition mit Saxophon und Variationen von Dietrichs Liedern. Immerhin gibt es ein paar von ihren ikonischen und wirklich großartigen Songs zu hören.

Erwähnenswert ist auch noch, dass der Film eigentlich auf der Biografie von Marlenes Tochter Maria River basiert, aber sich deutlich mehr mit Marlene beschäftigt. Das schien wohl die deutlich profitablere Entscheidung der Produzent*innen gewesen zu sein… Ebenfalls kontrovers war die Kreation einer komplett fiktiven Figur, die als Marlenes heimliche Liebe herhalten muss (was das Heimliche daran vollkommen irrelevant macht). Zudem finde ich es auch sehr schwach, dass der Film über eine der berühmtesten Frauen eine kaum vorhandene feministische Botschaft rüber bringt. Stattdessen werden patriarchale Strukturen meistens nur seicht kritisiert, was aber auch nicht verwundert, immerhin ist die deutsche Filmlandschaft auch heute noch überaus sexistisch…

Fazit: „Marlene“ ist eine peinliche Verfilmung einer wirklich faszinierenden und inspirierenden Frau. Hier wäre ein neuer Versuch mehr als erwünscht, immerhin liebt Hollywood Biopics, wie kaum etwas anderes. Sie hätte es auf jeden Fall verdient!
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