Ein wunderbarer, man möchte fast sagen, märchenhafter Film, den man (meiner Meinung nach) nicht konkretistisch so rezipieren darf, wie er daherkommt. Denn dann stößt man auf so manche Ungereimtheiten, die nicht viel Sinn ergeben. Angefangen bei den Reaktionen von Lars’ Umwelt, es ist kaum vorstellbar, dass wirklich alle Einwohner in diesem Dorf so seinen Wahn mitagieren – selbst wenn es von der Ärztin so empfohlen wurde. Und dann ist es doch (vor allem und gerade in den USA) vollkommen unrealistisch, dass ein Krankenwagen mit Blaulicht und Sirene eine Puppe ins Krankenhaus fahren würde und alle Ärzte und Pflegekräfte dort ebenfalls Lars’ Wahn mitagieren!
Ich glaube, man sollte den Film eher als Parabel verstehen, es geht um Toleranz gegenüber Menschen, auch gegenüber komischen Menschen oder Menschen mit eigenartigen Macken. Der Film ist ein Appell, andere Menschen so anzunehmen, wie sie sind, auch wenn wir andere Meinungen haben oder auch wenn wir die Handlungsweisen des anderen nicht verstehen. Und das ist doch eine ganz wunderbare Message, die hier von diesem warmherzigen Film präsentiert wird, oder nicht? Wenn man den Film aber zu konkretistisch annimmt, wird man wohl mit dem Film nicht so viel Spaß haben.
Ryan Gosling ist jetzt auch nicht mein Lieblingsschauspieler, aber die Rolle des Lars, der so große Probleme mit anderen Menschen hat, spielt er wirklich herausragend. Besonders am Schluss hat er mich mit seiner herzzerreißenden Performance besonders beeindruckt und es könnte sein, dass jemand anderes sich auch eine kleine Träne verdrücken musste. Auch toll finde ich hier Paul Schneider als sein Bruder Gus und vor allem Patricia Clarkson als Ärztin, die offenbar auch psychotherapeutisches Wissen hat. Und es ist schon eine besondere Leistung, dass der Film niemals ins Lächerliche oder Alberne abdriftet, oder sich gar über Lars lustig macht!
Fun Fact am Rande: In dem Booklet zum Film habe ich gelesen, dass es dem Regisseur Craig Gillespie sehr wichtig war, dass die Puppe (Bianca) von allen am Set auch als echter Mensch gesehen wird, um zu verhindern, dass es eben zu sehr ins Lächerliche ausartet. Damit der Film so wie beabsichtigt funktioniert, gab es eben auch bestimmte Regeln am Set: Bianca hatte ihren eigenen Stuhl, niemand hat über sie gesprochen, wenn sie nicht dabei war, sie sollte immer mit Namen direkt angesprochen werden, usw. Das ist wahrscheinlich der Grund, warum das dann am Ende auch so gut funktioniert und Lars und seine Puppe eben zu keinem Zeitpunkt der Lächerlichkeit preisgegeben wird. Und der deutsche Titel “Lars und die Frauen” ist nicht nur total bescheuert, sondern auch irreführend, es geht doch überhaupt nicht um Lars und die Frauen! Im Original heißt der Film “Lars and the Real Girl”, was das Thema ja viel besser trifft.
FAZIT: Ein toller, bewegender Film mit einem fantastischen Ryan Gosling. Wenn man den Film auch eher als metaphorisches Märchen versteht, bekommt man einen wirklich wunderbaren, herzerwärmenden kleinen Film und ein starkes Plädoyer für mehr Toleranz. Sehenswert!