Ich gestehe es, ich bin ein großer Fan von Comicverfilmungen. Ich konnte selbst cineastischen Fehltritten wie „Daredevil“ mit Ben Affleck etwas „Unterhaltsames“ abgewinnen.
Mit solchen Statements eine Rezension zu beginnen erleichtert es mir einfach die im Folgenden wirklich ausgezeichnete Bewertung von“ Man of Steel“ zu begründen.
Um mein Statement, auch auf die Gefahr hin, dass es niemanden interessiert, noch auszuweiten, war ich leider dennoch kein großer Anhänger der Superman Reihe…bisher!
Weder der legendäre Christopher Reeve, noch die Smallville Serie haben mich angesprochen.
Das veranlasst mich unter Umständen auch zu der Euphorie mit der ich aus dem Kino gesteuert bin. Der Film hat mich ohne große Erwartung einfach aus dem Sessel geputzt.
Aber jetzt mal so sachlich wie möglich zu den einzelnen Phasen des Films.
Meiner grobschlächtigen Unterscheidung von Filmphasen mal folgend, betrachte ich den Film als Zweiteiler. Im Grunde „Batman Begins“ und „The Dark Knight“ als filmisches Konzentrat und mit Superman anstatt Batman.
Die erste Hälfte konzentriert sich auf die Zeichnung der Figuren und entgegen der Kritik von der Filmstarts-Crew sehe ich die Erzählweise nicht als holprig oder redundant an. Liegt sicher auch daran, dass ich vom Superman Universum völlig unberührt bin, aber es paaren sich einfach gute Dialoge die den Figuren, insbesondere Clark Kent, und dem „Drama“ Charakter geben, mit dem wohldosierten Einsatz von Actioneinlagen und der Entstehungsgeschichte des Superman.
Das ein guter Action Film mit einer Action Szene anfängt gehört ja nun spätestens seit der Lethal Weapon Reihe zum guten Ton. Aber Man of Steel verknüpft hier das Angenehme mit dem Nützlichen und streut in den Opener immer ruhige Momente der Erläuterung und auch der Ermahnung.
Denn auch wenn ich hoffe und der Meinung bin das der Film zum größten Teil unterhalten soll, enthält er besonders in der ersten Hälfte ein gehöriges Maß an Sozialkritik. Hier wird vor allem Kritik an der Misanthropie der Gesellschaft geübt. Mangelnde Toleranz, eingefahrene Werte und in einer kurzen Szene werden sogar die strengen Glaubensrichtungen durch den Kakao gezogen.
In der zweiten Hälfte kommt dann noch der stumpfe, militärische Gehorsam dazu.
Diese Kritik ist zwar für jeden ersichtlich, aber wird in diesem Film, nicht wie in der „Dark Knight Trilogie“, durch unmissverständlich Dialoge genährt, sondern den Film vorantreibend in der Interaktion des Protagonisten mit seiner Umwelt.
Zugegeben, am Ende können es sich Goyer und Nolan anscheinend nicht verkneifen noch etwas sympathischen USA-Patriotismus und eine versöhnliche Szene mit dem Glauben zu implementieren, allerdings wirken die Szenen in dem Film nicht wie aufgesetzt, sondern sind durch Ihren geringen Anflug an Humor, eher als Auflockerung zu sehen.
Nachdem ich nun schon leider fließend in den Zweiten Teil des Films geglitten bin, kann ich diesen noch gar nicht richtig in Worte fassen. Ich fange mal an mit den Sachen die mich gestört haben. Der Einsatz von Handkameras ist ein tolles Stilmittel, welches ich begrüße! Allerdings wird einem das Ganze dann ab einem gewissen Punkt in der zweiten Hälfte zu viel. Außerdem hab ich 1 Euro für eine 3D Brille ausgegeben, die das Bild nur schärfer gemacht hat. Der Einsatz der 3D Technik stört hier nicht, ganz im Gegenteil, er findet nicht statt. Braucht er aber auch nicht!
Denn was dann passiert, nimmt einen einfach nur mit auf eine Reise durch alle Actionkapitel der Kinogeschichte! Teilweise nah dran zu überladen, aber kurz vorm Overkill immer noch die Kurve kriegend! Wer diesen Sommer „Iron Man 3“ und „Star Trek Into Darkness“ gesehen hat und die Action als zu viel empfunden hat, sollte es mit diesem Film nochmal probieren. Gefühlt wird man mit einstürzenden Häusern, abstürzenden Flugzeugen, Faustkämpfen und explodierenden Vehikeln überhäuft, aber irgendwie passt das alles noch in die Synapsen! Mir persönlich sind die Fußnägel durchs Wildleder meiner Mokassins geschossen! Um es mal eindeutig zu formulieren, Achterbahn fahren ist für Langweiler!
Das es tatsächlich grobe, logische Schnitzer gibt stört mich beim Filmgenuß zumindest nicht initial, Superman ist halt auch nur ein Mensch.
Zu den Schauspielern braucht man tatsächlich nicht viel zu schreiben. Dankbare Rollen zwar für Crowe und Kostner, aber auch fabelhaft mit Leben erfüllt. Diane Keaton und Amy Adams spielen trotz 2 gewichtiger Rollen eher die 2te Geige. Das macht auch Zack Snyders Hang zum maskulinen Zuschauer deutlich. Keaton und Adams sind dennoch überzeugend, auch wenn ich mich an Lois Lane mit rudimentär burschikosem Verhalten erst gewöhnen musste.
Welche Rolle mir wirklich gefallen hat, war die des Colonel Hardy. Charismatisch in Szene gesetzt von Christopher Meloni, auch wenn er die 50/50 Mimik eines Nicholas Cage (traurig schauen/ernst schauen) noch um die Hälfte reduziert (böse schauen).
Michael Shannon als Zod ist auch absolut sehenswert.
Beste Wahl allerdings ist Henry Cavill! Mal abgesehen davon das der Typ wie eine rumänische Diskuswerferin aussieht(also nur der Körper und evtl. der Bartwuchs), füllt er die Rolle des zweifelnden und rastlosen Protagonisten ausgezeichnet aus.
Die Kamera finde ich persönlich besser als Pfister bei Batman, nur der Einsatz der Handkamera könnte etwas limitierter sein. Mokri macht in jedem Fall einen klasse Job.
Was mich auch gleich zur visuellen Umsetzung des Films bringt. Der Film ist in jeder Einstellung stilsicher, fast schon steril fehlerlos im rein positiven Sinn! Snyder scheint etwas von seinem Visionärsdasein abgerückt und steuert mit diesem Film in die Riege der ganz großen Regisseure wie Scott, Spielberg und Nolan. Er tut gut daran sich etwas zurück zu nehmen, lässt in den ruhigen Momenten den Darstellern den Vortritt. Das vermittelt dem Zuschauer weniger das Gefühl ein beeindruckter Voyeur zu sein(wie es noch bei „300“der Fall war), sondern mehr Teil der Geschichte die er erzählt.
Fazit: Sollte es gelingen, dass der zweite Teil von „Man of Steel“ noch besser wird, dann habe ich einen neuen Lieblingsfilm und meines Erachtens nach müsste Filmstarts einen 6ten Stern dranhängen. Comicfans oder die die es werden wollen sind in diesem Film sicher wie in Abrams Schoß(habter oder? ;) )! Fans des gepflegten Actionkinos mit Hang zur Megalomanie, werden den Film lieben. Allen anderen sei der Tipp gegeben, lasst Euch einfach drauf ein. Das Ding rockt!