Ich trau mich fast gar nicht, das zu schreiben, aber "Ghostbusters" von Paul Feig war überraschend unterhaltsam. Viel wurde im Vorfeld und jetzt auch noch gemotzt, die meisten, weil es sich um ein Remake handelt, einige, weil - Potzblitz! - Frauen auf Geisterjagd gehen. Da dachte ich, vielleicht ist das ja endlich ein Kandidat für meine Filmflops 2016, aber so schlimm war der gar nicht. Ich habe mich prima amüsiert und war angenehm überrascht, dass man nicht einfach Frauen in Overalls gesteckt und sich für superemanzipiert erklärt hat, sondern dass die Hauptfiguren Ecken und Kanten und eher zufällig keinen Penis haben. Chris Hemsworth als Dumpfbacke sorgt zusätzlich für Lacher und wenn man das Ganze sozialkritisch betrachten will, kann man darin umgekehrten Sexismus erkennen. Na ja, wobei "umgekehrt" auch Quatsch ist, eigentlich sollte Sexismus ja für Männer und Frauen gleichermaßen pfui sein, aber meistens herrscht dann doch die Meinung vor, dass es nur Sexismus ist, wenn Frauen herabgewürdigt oder beleidigt werden, und wenn man das mit Männern macht, ist das lustig.
Ach Mist, jetzt bin ich hier doch auf die Genderdebatte aufgestiegen, obwohl das für den Film wie gesagt völlig irrelevant ist und was mich auch echt im Vorfeld derbe genervt hat, weil es als etwas sooooo Besonderes aufgeplüscht wurde, dass - OMG!!! - Frauen Geisterjäger sein können. Ich meine, Hallo!?, wir als Frauen können ja wohl unser Jodeldiplom machen, wenn es uns passt und alles werden, was wir wollen, wenn wir es uns nur ganz fest wünschen. Höhöhö, das ist natürlich völliger Quatsch, wenn das alles so selbstverständlich wäre, müsste man das nicht immer so extra betonen und ein Brimborium veranstalten, nur weil Frauen Gespenster jagen.
Also, zurück zum Film: Klar, nicht alle Witze sind gelungen, insbesondere die Kotz-Kaka-Pups-Scherzchen, die schon im Trailer nicht lustig waren, entlockten mir kein müdes Lächeln. Einige Szenen sind zudem unnötig in die Länge gezogen, etwa die, als sie beim Bürgermeister sitzen und eine halbe Ewigkeit wild durcheinander diskutieren über irgendwelche Katzen in irgendwelchen Säcken war langatmig und nervig. Die Story ist jetzt keine Ausgeburt an Originalität, aber immerhin gibt es eine, und die Figuren sind sympathisch. Die Schauspieler scheinen alle mit Spaß bei der Sache zu sein und ein paar Gastauftritte von Stars aus den alten Filmen gibt es auch. Die CGI-Effekte haben die Story unterstützt, nicht ersetzt, die 3D-Effekte waren dramaturgisch nicht zwingend nötig, aber gestört haben sie auch nicht.
Fazit: Man sollte den neuen "Ghostbusters"-Film am besten unabhängig von den alten Filmen betrachten, dann macht er Spaß und sorgt für einen kurzweiligen Abend.