Der Vorleser
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Kino:
Anonymer User
3,0
Veröffentlicht am 12. April 2010
Manchmal ist es schwer zu sagen warum ein Filmschauspieler berührt. Welche kleinen Gesten, Blicke, Charismen dazu führen, dass eine Figur sich einem ins Gedächtnis prägt. Es passiert gar nicht so oft wie man glaubt. Doch nachdem ich "der Vorleser" gesehen habe, habe ich nur noch das Gesicht von Hanna Schmitz im Gedächtnis gehabt. An Kate Winslet selber dachte ich dabei wenig, was ein sehr gutes Zeichen ist. Die furchtbare Vergangenheit und der Charakter von Hanna Schmitz bewegten mich nur durch Kate Winslet, weniger durch die restliche Regie des Films, die eher unintressant daher kommt. Der Film ist solider, doch die anderen Schauspieler schwächeln im Gegensatz zu Kate Winslet, allen voran die beiden Hauptdarsteller. Irgendwie kam die Figur von Micheal Berg nicht wirklich bei mir an, blieb dauernd hinter einer lächelnd-leidenden Fassade versteckt, dabei sind die beiden Fiennes und Kross sicher gute Schauspieler, Fiennes auf alle Fälle. Ausser natürlich sehr schöne Bilder zu liefern (Lob an die Kameraführung), gelingt es Stephen Daldry auch nicht so ganz die Geschichte auf der Leinwand mit einer eigenen Handschrift zu versehen.



Dass der Roman von Bernhard Schlink es wert ist verfilmt zu werden, darüber will ich mich gar nicht weiter auslassen, das haben hier andere vor mir genug erörtert. Allerdings ist es nicht sicher, ob ihm damit einen Gefallen getan wurde. Kate Winslet schon - ihre beste Rolle bisher.
Flo E.
Flo E.

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3,5
Veröffentlicht am 25. Februar 2010
An einen Film, der bei den Oscars mit 5 Nominierungen bedacht wurde, darunter sogar für den Hauptpreis, setzt man natürlich sehr besondere Erwartungen. Trotzdem schraubte ich diese nach einigen etwas durchwachsenen Kritiken zurück, was aber nachsichtlich eher unnötig war, denn "Der Vorleser" hat mich nicht enttäuscht und größtenteils überzeugt. Zu Beginn sieht das ganze aber noch ein wenig ernüchternd aus: Für ein feinfühliges Drama mit schwierigen Themen gibt der Film in der ersten halben Stunde viel zu viel Gas, reißt die völlig zukunftslose Beziehung zwischen Michael und Hanna zu schnell runter, sodass diese nicht nur über weite Strecken zu kalt, sondern oftmals gar unglaubwürdig wirkt. So ganz nachvollziehen kann man die Gefühle und die Taten der beiden Hauptakteure zu Beginn kaum und noch jetzt ist mir schleierhaft, wie sich der 15-jährige Junge in eine derart unsympathische Frau wie Hanna Schmitz verlieben konnte. Später im Verlauf kann sich der Streifen allerdings fangen und wenigstens in der zweiten Hälfte mit der erwarteten Dramatik aufwarten und so auch gut unterhalten. Zwar gibt es ab und zu einige klitzekleine Längen und im Grunde wäre eine etwas ausführlichere Erzählung in der ersten Hälfte des Filmes wünschenswert gewesen, um die Gefühle und Ängste der Figuren spürbarer zu machen, doch ansonsten wurden die verschiedenen, schwierigen Thematiken, die auch noch die NS-Zeit und die Judenverfolgung mit einbeziehen, gut filmisch verpackt, ohne dass sich diese im Weg stehen. Einzig auf das Thema der Verführung Minderjähriger wurde gar kein Wert gelegt, die daraus resultierende Gefahr wird nicht mal kurzzeitig angesprochen. Wo in der Handlung noch kleine, wenn auch verzeihbare Schwächen stecken, läuft in der Darstellerriege dafür alles glatt. David Kross, der als Newcomer im Fantasy-Drama "Krabat" noch schrecklich blass und langweilig blieb, kann sich in "Der Verloser" endlich vollends entfalten, und zeigt, was für eine schauspielerische Kraft in ihm steckt und was für ein Talent im emotionalen und tiefsinnigen Bereich er besitzt. Aus ihm könnte später sogar noch einer der ganz Großen werden, den ersten Schritt auf internationaler Ebene hat er demnach gesetzt. Ralph Fiennes spielt ebenfalls Michael, nur als Erwachsenen. Seine Rolle fällt weitaus kleiner aus und demnach kann er sich auch kaum freispielen, kann jedoch vor allem im letzten Drittel mit Tiefsinn und überzeugenden Darstellungen punkten. Was das Drama schauspielerisch aber zu einer Besonderheit im positiven Sinne macht, ist wie erwartet die packende Performance von Kate Winslet, die für ihre Rolle der Hanna Schmitz mit ihrem ersten, wohl verdienten Oscar als beste Hauptdarstellerin ausgezeichnet wurde. Auch wenn ihre Figur vor allem in der ersten Hälfte alles andere als ein Sympathieträger ist, schafft Winslet es, Hanna mit einer so emotionalen Dichte aus Wut, Trauer und Verzweiflung auszustatten, dass man ihr fasziniert zusieht. Ob es ihre beste Leistung überhaupt ist, darüber lässt sich streiten, trotzdem kann man ihre Darstellung nur hoch loben. Zudem ist auch noch der deutsche Main Cast mit dabei. Neben Alexandra Maria Lara und Hannah Herzsprung überzeugt vor allem einmal mehr Bruno Ganz mit außergewöhnlicher Präsenz.

Fazit: Trotz einiger kleiner Schwächen im Handlungskonstrukt und in der Tiefe der Thematik, ist "Der Vorleser" ein sehr überzeugendes und packendes Drama geworden. Was ihm in der ersten Hälfte an erzählerischer Tiefe fehlt, macht er durch einen dramatischen zweiten Teil und einer großartigen Hauptdarstellerin wieder wett, die ihren ersten Oscar kaum mehr hätte verdienen können. Die Lösung des Kinotickets lohnt sich jedenfalls für diejenigen, die aber auch genau wissen, auf was sie sich einlassen, denn Mainstream-Kost wird einem hier sicherlich nicht geboten.
Kino:
Anonymer User
2,5
Veröffentlicht am 25. Februar 2010
Der Vorleser (The Reader)


1995 gelang dem deutschen Autor Bernhard Schlink ein beeindruckender Erfolg. Nicht nur die Kritiker waren dem Werk wohlgesonnen, sondern schaffte er es auch als erster Autor der Bundesrepublik auf Platz eins der Bestsellerliste der New York Times. Somit standen zwar die Vorzeichen auf eine erfolgreiche filmische Umsetzung recht gut, jedoch ist eine Buchverfilmung immer eine schwierige Gratwanderung zwischen der Nutzung der neuen Möglichkeiten, die der Film bietet, auf der einen Seite, und der Erhaltung des Geistes des Originals auf der anderen Seite. Da die Filmrechte 1996 an Harvey Weinstein verkauft wurden, konnte man sich auf etwas großes freuen, da die Weinstein Brüder für Oscarerfolge wie ,,Shakespeare in Loveâ˜â˜, ,,Chicagoâ˜â˜, ,,There will be bloodâ˜â˜ oder ,,No country for old menâ˜â˜ stehen. Jedoch hat sich das lange Warten auf die Adaption hat nur bedingt gelohnt. Spoiler
Im Jahr 1958 in Neustadt hat der Schüler Michael Berg auf dem Nachhauseweg einen Gelbsuchtanfall. Die 36-jährige Straßenbahnschaffnerin Hanna Schmitz hilft ihm, nach Hause zu kommen, und drei Wochen später begibt sich Michael zu ihr, um sich zu bedanken. Ab diesem Tag entwickelt sich eine Liebesbeziehung zwischen den beiden, doch Hanna hält ihn auch auf Distanz, nennt ihn âžJungchenâœ. Michael lässt sich das gefallen. Es entwickelt sich das Ritual, dass Michael Hanna vor dem Sex aus Büchern vorliest. Er merkt jedoch nicht, dass Hanna Analphabetin ist. Eines Tages ist sie verschwunden. Erst 1966 sieht er sie, da er Jurastudent geworden ist, als Angeklagte KZ-Aufseherin wieder. Im Gegensatz zu den anderen Angeklagten gesteht Hanna, jedoch wird sie aufgrund eines von ihr unterschriebenen Dokumentes, das den Tod von 300 Juden verursacht hat, lebenslänglich verurteilt. Das Dokument kann aber nicht von ihr sein, da sie nicht schreiben kann. Michael weiß das, er traut sich aber nicht, es dem Gericht mitzuteilen. Der junge Rechtsanwalt schickt Hanna daraufhin Kassetten in den Knast, mit denen sie lesen und schreiben lernt. Die von ihr verfassten Briefe beantwortet Michael jedoch nie. spoiler ende Am letzten Tag der Haft bring sich Hanna um und vermacht ihr Vermögen der Jüdin, die sie mit ihrer Aussage Gitter brachte.
Das Hauptproblem des Films tritt hier auch schon zutage. Die dreiteilige Biografie von Hanna Schmitz und Michael Berg wird stupide abgehandelt. Anscheinend wollte man möglichst nah am Buch bleiben, gleichzeitig jedoch etwas wegkürzen. Da beides nicht geht, gibt es vor allem gähnende Langeweile.
Diesen Verlauf versucht man durch eine Rahmenhandlung aufzubrechen, die dem Zuschauer jedoch absolut sinnlos vorkommt, da der vollkommen verschenkte Ralph Fiennes (Schindlers Liste, Harry Potter) im immer gleichen weinerlichen Dackelblick durch Berlin schlurft. Das einzige, was passiert ist, das dem Film noch ein paar Extraminuten raus gepresst werden, und man irgendwann sehnsüchtig das Ende erwartet.
Dabei wäre eine Straffung noch nicht einmal notwendig. Heutzutage gehen viele Filme 2 Stunden. Viel wichtiger wäre eine konsequente Nutzung filmischer Mittel gewesen. Keine Szene, außer die, wo Hanna zu erklären versucht, warum sie die Juden ins Vernichtungslager geschickt hat, kann den Zuschauer wirklich mitreißen. Im Allgemeinen ist es Kate Winslet (,,Titanicâ˜â˜, ,,Vergiss mein nichtâ˜â˜) zu verdanken, dass der Streifen nicht im absoluten Mittelmaß stecken bleibt. Ihre Darstellung der widersprüchlichen Hanna Schmitz, die Verwundbarkeit, Aggression, ein unterentwickeltes moralisches Empfinden und erotische Anziehungskraft gleichermaßen zum Ausdruck bringt, wurde zu Recht mit dem Oscar geehrt.
Dass der Film auch zu Recht keinen Goldjungen bekommen hat, ist zum Großteil dem meiner Meinung nach dem aus welchen Gründen auch immer oscarnomminierten Drehbuch geschuldet. Hier wurde der Film nicht wegen seiner Leistung, sonder wegen des von ihm behandelten Themas ausgewählt. Alles wirkt halbherzig. Die letzte Konsequenz fehlt eindeutig. Man erwartet als Zuschauer immer, das jetzt was passieren muss, doch man wird jedes Mal enttäuscht. Besonders schlimm ist das an der Szene, in der Hanna Neustadt verlässt, weil sie von ihrem Job als Straßenbahnschaffnerin ins Büro befördert wurde und deshalb berechtigte Angst hat, dass ihr Analphabetismus entdeckt wird. Die Musik von Nico Muhly suggeriert einem zwar, das gerade etwas Wichtiges passiert, doch das Geschehene kommt total nebensächlich und ohne richtige Emotion, ja geradezu unbedeutend herüber. Dabei ist diese Szene von essentieller Bedeutung für den ganzen Film. Leider ist diese kein Einzelfall, und Regisseur Stephen Daldry (,,Billy Elliotâ˜â˜) sollte sich an die eigene Nase fassen.
Da der Film den Zuschauer nicht sonderlich fesseln kann, bleibt auch die Spannung auf der Strecke. Dabei sind die äußerlichen Voraussetzungen geschaffen. Das Studio Babelsberg hat ganze Arbeit geleistet, wobei man eigentlich keine Kulissen aufbauen musste. Deshalb wird wohl der Großteil der 32 Mio. $ Produktionskosten in den Taschen der Stars verschwunden sein. Davon wird David Kross (,,Krabatâ˜â˜) als Michael nicht viel gesehen haben. Teilweise auch zu recht, da er mit zunehmender Filmdauer in ein dauerheulen verfällt, und dadurch die wirklich emotionalen Szenen ein wenig untergehen. Am für ein Drama etwas schnellen, aber gelungenen Anfang, zeigt sich, welches Potential in ihm steckt.
Generell spielen viele deutschsprachige Schauspieler der Güteklasse A mit. Während Alexandra Maria Laras Auftritt in der Rolle der im KZ Inhaftierten Zeugin der Anklage als Cameon gewertet werden kann, ist Brune Ganz (,,Der Untergangâ˜â˜, ,,Der Manchurian Kandidatâ˜â˜) als Juraprofessor Rohl wie immer eine Offenbarung.
Ein Hauptproblem bei der Verfilmung literarischer Werke ist die Gedankenwelt der Protagonisten. Durch den Verzicht von Monologen kann diese nur durch Kameraeinstellungen auf die Gesichter der Schauspieler gezeigt werden. Da sich in diesem Bereich die von mir genannten Unzulänglichkeiten einschleichen, gehen einem solche Szenen nach einer Weile nur noch auf den Geist, da man immer nur das gleiche, nämlich heulende Gesichter, sieht.
Zu allerletzt ist da noch eine Sache, um die man in der Bewertung nicht drum herum kommt. Ich meine die Einstellung des Filmes zur Vernichtung in den Konzentrationslagern. Es ist mir klar, dass es in der Figur der Hanna Schmitz liegt, welche Entscheidung sie trifft, doch sich wegen Analphabetismus mehr zu Schämen als für die Ermordung von hunderten Menschen, ist indiskutabel . Denn am Ende ist die Hauptbotschaft des Filmes jene, die den Deutschen der Nazizeit eine Absolution erteilt, die etwas von der Endlösung gewusst haben. Doch da ist dem Film kein Vorwurf zu machen, da man den Sinn des Buches nicht grundlegend ändern kann.
Was bleibt am Ende zu sagen? Der Vorleser ist kein schlechter Film geworden, aber auch nichts großes, der im Endeffekt hinter Meisterwerken wie ,,Schindlers Listeâ˜â˜ oder ,,Das Urteil von Nürnbergâ˜â˜ deutlich zurückbleibt.



Kino:
Anonymer User
2,0
Veröffentlicht am 25. Februar 2010
Große Erwartungen - mäßiges Ergebnis. Das Buch hat mir gut gefallen, der Film weniger. Das gute Spiel von Winslet kann meines Erachtens nicht darüber hinwegtäuschen, dass der Film enttäuscht. Der Film leidet u. a. darunter, dass der Regisseur sich nicht entscheiden konnte, ob er einem "amerikanischen" oder einem "europäischen" Inszenierungsstil folgen soll.Die erste Hälfte des Filmes hatte ich zuweilen das Gefühl an einer Wirklichkeit gewordenen kitschigen Jünglingsphantasie teilzunehmen. Besonders die ständige musikalische Untermalung hatte einen hohen Kitschwert und war meines Erachtens dem Thema überhaupt nicht angemessen. Ich denke, dass ein etwas weniger emotionaler Stil dem Film besser getan hätte. Schade.
ThomasEdgar
ThomasEdgar

5 Follower 30 Kritiken User folgen

4,0
Veröffentlicht am 25. Februar 2010
Wer von uns hat sich nicht schon einmal geschämt? Die Scham der KZ-Aufseherin Hanna bestimmt ihr gesamtes Leben, macht sie zur neurotischen Einzelgängerin. Aus Angst und der Unfähigkeit, ihren Analphabetismus zu überwinden, ist sie ständig auf der Flucht und missbraucht Andere, Abhängige, emotional und sexuell.



Im KZ zwang sie junge Frauen zum Vorlesen. Diesmal ist das Opfer ein Sechzehnjähriger, der im Verlauf der Handlung den an ihm begangenen emotionalen Missbrauch aufarbeitet. Aus diesem Blickwinkel kann man diesen Film sehen. Das Buch kenne ich nicht. Ich werde es lesen. Sicherlich werden dort weitere Aspekte hinzukommen, eine Romanverfilmung ist etwas Eigenständiges.



Die Rolle der naiven Täterin wird von Kate Winslet glaubwürdig verkörpert. Aus Scham nimmt sie eine lebenslange Haftstrafe auf sich. Zufällig wird ihr ehemaliger junger Liebhaber, den sie wortlos verlassen hatte, Zeuge des Gerichtsprozesses. Er trifft seine 20 Jahre ältere Exgeliebte wieder und gerät nochmals in ihren Bann. Zu der Zuneigung kommt wohl noch das Mitleid mit der zu Unrecht als Haupttäterin Verurteilten.



Er schickt ihr Hörkasetten ins Gefängnis. Sie lernt dadurch lesen. Er will sich nach der Entlassung um sie kümmern. Sie bringt sich um. Hat sie Angst vor der Freiheit? Wird sie sich plötzlich ihrer Schuld bewusst? Der Dialog des ungleichen Liebespaares zum Schluss bleibt oberflächlich, keine Aussprache oder Aufarbeitung, nur Sachliches, Organisatorisches. Hier kommen Spekulationen auf, mit dem Holocaust hat das wenig zu tun.



Vielleicht ist der Selbstmord wieder ein Scheitern, die Angst und Scham. Sie verhindert eine Auseinandersetzung, kein Happy-End. Ein richtiges Beziehungsdrama, typisch für die amerikanische Filmindustrie, die Weltgeschehen gerne auf den persönlichen Bereich einer Liebesbeziehung zusammenführt. Das macht diese Art Film so ergreifend. Ich selbst mag dies nicht, muss aber anerkennen: Der Film weiß was er will, und er erreicht es auch.



Die Handlung ist unwahrscheinlich, eine KZ-Aufseherin mußte schon mal ihren Namen schreiben können. Aber solche Kleinigkeiten stören nicht. Ich bin gespannt auf das Buch. Den Film würde ich kein zweites mal anschauen.

Kino:
Anonymer User
4,0
Veröffentlicht am 25. Februar 2010
Der Film spiegelt fast genau das Visuelle wieder, was man sich beim Lesen des Buches vorgestellt hat. Szenen und viele wichtige Dialoge wurden 1:1 übernommen und durch die Schauspielkunst der Darsteller noch einmal betont: Kate Winslet hat im Laufe der Zeit so viel an schauspielerischer Reife gewonnen, dass Sie eine Rolle wie die der vielschichtigen Hanna Schmitz so perfekt verkörpert, dass man einfach kein bisschen auszusetzen haben kann. Sie überrascht uns sogar mit einem gut antrainierten deutschen Akzent. David Kross stellt glaubwürdig den verwirrten und naiven Jungen dar, der sich anfangs (wie im Buch) nicht viel um die Moral zwischen seiner Beziehung zu einer viel älteren Dame schert. Erst später erzählt uns die Figur Michael Berg über seine Zweifel, Vorwürfe und Fragen nach "Richtig und Falsch". Diese moralische innere Auseinandersetzung im Film, die am Ende des Romans dominiert, wurde dem Buch nicht ganz gerecht. Jedoch sollte in Betracht gezogen werden, dass der Protagonist im Roman zugleich Erzähler ist und dadurch uns seine komplexen Gedankengänge und die eigene Perspektive des ganzen Geschehens offenbaren kann, was in der filmischen Umsetzung leider schwer nachzuzeichnen ist.

Um es auf den Punkt zu bringen, ist die Verfilmung sehr gut gelungen und macht es für den Leser des Romans schmackhaft, seine Phantasie im Film wiederzufinden.
Kino:
Anonymer User
4,5
Veröffentlicht am 25. Februar 2010
„Der Vorleser“ ist ein Film von Stephen Daldry, der ganz toll das Berlin-Klischee Großstadt, naturalistische Szenerie, eine arme Schaffnerin in der karg möblierten Wohnung, ein unerfahrener, aber sexuell erwachender Junge, Ungewöhnliches, Abenteuer mit Geschichte und großen Schauspielern (Kate Winslet, Bruno Ganz, Matthias Habich, ebenfalls total gut David Kross, später Ralph Fiennes) verbindet. Die Analphabetin Hanna Schmitz um die 30, die eine Gier und Lust nach Sprache hat und nach ihrem "Jungchen" Michael Berg, 15 Jahre, dem sie die ersten Begierden aufbaut und Schritte im Sexualleben machen lässt, später wortlos verlässt, als er voll entflammt und absolut ihr hörig sich nicht mehr anderen Frauen zuwenden kann. Die aber auch einen Hass auf alle hat, die das Lesen und Schreiben beherrschen wie das Jungchen, einen Willen zur starken emotionalen Verletzung, später sogar zur Vernichtung all derer, die das beherrschen. Nie würde sie es zugeben, dass sie Analphabetin ist, und so geht sie auch für 20 Jahre ins Gefängnis, obwohl sie als freiwillige Aufseherin in Auschwitz niemals den gefälschten SS-Bericht zu einem Massenmord am Rande des riesigen Verbrechens Holocaust verfasst haben konnte, es aber zugab. Sie hatte angeblich angeordnet, bei einer Verlegung von Gefangenen die Tür zu einer bombardierten und brennenden Kirche mit 300 Gefangenen darin nicht zu öffnen. Es war ein Mord, nicht jedoch ein Unglück. 5 Mitaufseherinnen belasteten sie schwer, um sich selbst zu schützen. Das Unglück überlebten nur eine jüdische Mutter mit Tochter, die 15 Jahre später gegen sie vor Gericht aussagten. In diesem Prozess saßen Studenten, um zu lernen. Michael Berg war dabei. Er rettete sie nicht, half ihr nicht, obwohl er es anstrebte, und "rächte" sich durch Schweigen über ihren Analphabetismus. Hanna Schmitz musste 20 Jahre leiden, bevor er sie wieder ansprach. Auch in Auschwitz ging sie ihrer seltsamen Neigung nach und ließ Totgeweihte am Abend vor deren Ermordung ihr vorlesen. Kurz vor ihrer Entlassung aus der Haft mit über sechzig Jahren schickt der fünfzigjährige Michael Berg ihr Cassetten mit den Texten aus seiner Jugendzeit, die er ihr vorlesen musste, bevor sie ihn vernaschte, und Hanna denkt, er kehrt zurück und hilft ihr. Seine Liebe war jedoch schon lange tot, die innere Bindung jedoch nicht. Hanna erkennt dies und beendete ihr Leben mit Selbstmord. Diesen Film prägt sich ein, er arbeitet im Kopf, durch Kontroverses, Liebe und Gewalt, Schuld und Sühne.

Lamya
Lamya

1.384 Follower 801 Kritiken User folgen

3,0
Veröffentlicht am 25. Februar 2010
Fand den Film okay, mehr dann aber auch nicht. Der Film versucht mehr zu sein, als er eigl. ist. Mir hat die Tiefe gefehlt, die ich in vielen anderen Dramen spüre. Er ist nicht schlecht, aber wirklich gut ist er auch nicht. Eher ein Drama für zwischendurch. Aber Urteilt selbst...



6/10
Kino:
Anonymer User
4,5
Veröffentlicht am 25. Februar 2010
Dieser Film hat mich absolut fasziniert. Die Affäre zwischen dem 15 jährigen Michael, und der wesentlich älteren, ehemaligen KZ-Aufseherin, Hanna Schmitz, wird auf eine romantische und gefühlvolle Weise dargestellt. Der Film ist überaus Spannend, da man sich bis zum traurigen Ende hin fragt, wie diese Geschichte denn ausgehen wird. Eine tolles Liebesdrama das zum nachdenken anregt. Ich gebe diesem Film 9 Punkte!
Kino:
Anonymer User
4,5
Veröffentlicht am 25. Februar 2010
Als Literaturverfilmung eines Buches, das mich damals reichlich fasziniert hatte, kann der Vorleser m.E. in allen Kategorien punkten. Die bekannte Schwäche von Literaturverfilmungen im Allgemeinen ist ja oft, dass die intimen Gedanken des Ich-Erzählers oft nicht klar und deutlich genug vermittelt werden können. Der Film kennt diese Schwäche nicht, weil er sich oft Zeit nimmt, wortlos zu sein und allein Bilder, meistens Gesichter zeigt. Der geneigte Zuschauer hat deshlab viele Möglichkeiten, sich Gedanken zu machen- übrigens auch nach dem Film, denn man kann ja auch mal fleißig nachdenken, wenn der Film schon vorüber ist. Die wirklich wichtigen Stellen- so z.B. die Gerichtsverhandlung sowie die theoretischen Debatten in der Universität- sind ausreichend lang, um Anlaß zu geben für tiefere Gedanken. Dass sie die Problemfelder natürlich nicht in extenso ausarbeiten können, ist klar. Aber unterfordert habe ich mich zu keinem Zeitpunkt gefühlt.



Filmisch fand ich den den Vorleser keine Offenbarung. Eher durchschnittliche Bildware, aber das fand ich auch in Ordnung, denn es geht ja um die Sache.



Schauspielerisch- ehrlich gesprochen- hat mich die Kate Winslet überhaupt nicht gepackt. Solide, aber längst nicht grandios. Komischerweise hat mir Ralph Fiennes unglaublich gut gefallen, immerhin hat er durch seine Rolle wenig Möglichkeit, sich über die Stimme zu äußern. In seiner Mimik liest man aber eine ganze Menge, das ist Schauspiel, wie ich es mag. David Kross solide, gut anzusehen, nett halt.



Musik unauffällig. Hätte man mehr machen können.



Reingehen!



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