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2,0
Veröffentlicht am 21. August 2026
Einer der größten Skandalfilme der Geschichte entpuppt sich 50 Jahre nach Veröffentlichung bestenfalls als laues Lüftchen. Nichtsdestotrotz gehört „Der Nachtportier“ wohl zu den meistdiskutierten Filmen überhaupt, ich kann da allerdings nur wenig echte Kunst erkennen, aus meiner Sicht ist das ein billiger Nazi-Exploitation-Streifen, der den Skandal seinerzeit bewusst inszeniert hat, aber nicht, um eine Message zu transportieren, sondern aus purer Sensationslust heraus.
Positiv kann man auf jeden Fall die beiden Hauptdarsteller nennen, Dick Bogarde und Charlotte Rampling spielen beide enorm stark. Das komplexe Beziehungsgeflecht zwischen den beiden wird hervorragend dargestellt. Auch die Kulissen und die Ausstattung können punkten. Viel mehr überwiegen aber die negativen Aspekte:
Die Umdeutung der Schrecken des Holocaust in simple erotische Fetisch-Spielchen grenzt schon an Geschmacklosigkeit. Der Regisseurin geht es da offensichtlich auch nicht um eine psychologische Aufarbeitung oder gar Interpretation, denn diesen Versuch unternimmt sie nicht einmal. Die Darstellung erschöpft sich in plumpen voyeuristischen Szenen.
Auch auf Handlungsebene ist der Film ein Reinfall. Es passiert auf der Plotebene fast nichts, weite Strecken ist der Film schlichtweg totlangweilig und total uninteressant. Nach der Exposition im ersten Drittel dreht sich die Geschichte nur noch im Kreis. Die so oft zitierten großen Fragen nach Schuld, Sühne und die Unmöglichkeit der Traumabewältigung werden von dem Film selbst weder gestellt, geschweige denn beantwortet. Der Film schert sich schlichtweg nicht um seine Figuren, sondern betreibt wie gesagt nur billiges Exploitation-Kino ohne tiefgründigeren Ansatz. Für mich eine große Enttäuschung und wieder mal die bittere Erkenntnis, dass sich hinter den meisten Skandalen am Ende nur bestenfalls mittelmäßige Filme verbergen.