Ich finde die Idee eigentlich ganz cool, sich mal von der vollen Found Footage-Karre abzuschnallen und mal etwas gänzlich Neues zu wagen. Regisseur Olatunde Osunsanmi mischt hier (vermeintlich) echtes Archivmaterial mit Spielfilmszenen, ein Konzept, das so in dieser Form ziemlich einzigartig ist. Dazu lässt er in einem Prolog Milla Jovovich persönlich uns Zuschauer über diesen Umstand aufklären, was ich einen ziemlich geilen dramaturgischen Kniff finde. Und auch die Idee, dass der Regisseur sich selbst spielt, wie er die (vermeintlich) echte Abigail Tyler interviewt, finde ich sehr cool, das hab ich zuvor auch noch nicht gesehen – und danach auch nicht.
Die Story selbst ist dann wiederum leidlich originell, es wird wieder einmal die gute, alte Hypnosesitzung aus der Mottenkiste hervorgekramt, um bedrohliche Vibes zu erzeugen. Das hört sich jetzt schlimm an, funktioniert hier aber ausnahmsweise ziemlich gut und es kommt tatsächlich zu der einen oder anderen gruseligen Szene. Überhaupt ist der Spannungsaufbau gut gelungen, bis hin zum verstörenden Finale, das auf dem DVD-Cover leider schon vorweggenommen wird, also besser nicht vorher lesen! Auch das Nebeneinander von Found Footage-Film und Spielfilm funktionierte für mich – im Gegensatz zu vielen Kritikern – recht gut und sorgt für eine wirklich beängstigende Atmosphäre.
Milla Jovovich spielt routiniert, bekommt aber leider zu wenig Screentime, um ihre Figur auch emotional beim Zuschauer wirklich zu verankern. Der restliche Cast drapiert sich um sie herum und liefert solide Leistung, ohne dass wirklich jemand besonders positiv hervorsticht. Der Score ist passend und effektiv, also alles in allem ist der Film lange nicht so schlecht, wie es die negativen Bewertungen hier vermuten lassen. Für den ganz großen Wurf reicht es zwar nicht, aber doch wurde ich 1 1/2 Stunden gut unterhalten und es hat mich auch mehr als einmal ziemlich gegruselt. Vor allem das verstörende Ende fand ich ziemlich krass. Vor mir gibt’s starke 6 1/2 Punkte.