Endlich wieder ein Kino-Besuch, der sich gelohnt hat.
Vorab, ich kannte und kenne den ersten Teil (noch) nicht und kann daher nicht sagen, inwiefern sich etwaige Ungereimtheiten ergeben könnten.
Was ich jedoch sagen kann, ist, dass der Film dem Superhelden-Film aus Hollywood eine wunderbar erfrischende Fassade zufügt. Wo Christopher Nolan zuletzt den Charakter seines Superhelden um mehr erweitert hatte, als Selbstzweifel und eine tragische Romanze, macht Jon Favreau nahtlos weiter und setzt einen drauf.
Nein, Kommando zurück. Tony Stark alias Iron Man ist kein Held. Wobei er sich wohl gern als solchen sieht. Der gute ist nämlich furchtbar narzisstisch, eitel, verschwenderisch, arrogant - kurz, ein Unsympath in Person. Gleichzeitig ist er allerdings ein Superreicher Chef eines führenden Konzerns für Waffentechnologe und ferner der Erfinden der Iron Man-Waffe - einem Kampfanzug, der alle anderen Waffentechnologien in den Schatten stellt. Klingt nach Batman? Nicht die Spur. Tony Stark ist auch in seiner Verkleidung er selbst und präsentiert sich selbst offen als Iron Man - der Übergang von Kampfmaschine und Normalo ist damit kaum mehr als das Wechseln von "Kleidung". Und darin liegt schon die erste Stärke des Films. Er ist authentisch. Der Reichtum des Protagonisten erlaubt es zudem glaubhaft verschiedenste beeindruckende Locations (Rennbahn, Villa, Stadt, Meer etc.) zu zeigen und macht das ganze zu einem optischen Genuß. Action kommt generell recht reduziert vor. Charakterentwicklung und die Beziehungen untereinander stehen im Vordergrund dieses Sequels. Das heißt natürlich nicht, dass man nicht bewundern kann wie Scarlett Johansson mit einer Mischung aus ringtauglichem MMA und mexikanischem Wrestling ein gefühltes Dutzend Secs in die Schranken weist, oder der Iron Man sein ganzes Armamentarium auf Gegner und Umgebung entlädt.
Als i-Tüpfelchen feiert Mickey Rourke sein Comeback seit 'Sin City' und 'The Wrestler' weiter und spielt ganz filmgerecht einen Super-Schurken, der nicht klischeehaft größenwahnsinnig, entstellt oder sonstwie manisch ist, sich in der 3. Person anedet oder sich selber einen kernigen Spitznamen gibt. Sein Motiv ist persönlich, seine Mittel menschlich beschränkt. Zudem schafft Rourke es, seinem Charakter Undurchsichtigkeit zu verleihen, durch die eine latente Aura der Gefahr von ihm ausgeht. Man erwartet förmlich, dass er jeden Moment 'ausbricht'.
Einziges Manko, dass ich dem Film zulasten lege, ist der unnötige Handlungsstrang den Samuel L. Jackson einleitet (wohl eine Hinleitung zu einem möglichen Sequel), sowie die anstrengende Dialogführung, da oftmals (absichtlich) zwei oder mehr Charaktere gleichzeitig reden. Beides nicht weiter schlimm. Ich gehe mir nun also Teil 1 kaufen.
Cool.