Wüstenblume
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3,7
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4,5
Veröffentlicht am 1. Februar 2026
Okay, ich räume ein, es ist mehr das Thema an sich, das mich so emotional berührt, als der Film im eigentlichen Sinne. Wenngleich das Drama sichtlich bemüht ist, die Geschichte der jungen Waris – angelehnt an ihr autobiografisches Buch – bewegend und packend rüberzubringen, gelingt das Regisseurin Sherry Hormann nicht so richtig. Sie fokussiert sich auf den Teil der Geschichte, der in London spielt, ab dem Moment, an dem Waris auf Marilyn trifft. Ihre Vorgeschichte in Somalia wird nur relativ kurz in Rückblicken erzählt, was aber ausreicht, um die Situation zumindest in groben Zügen zu umreißen. Das macht wahrscheinlich Sinn, denn das ganze Buch wäre wohl zu umfangreich für einen Film.

Dennoch schleichen sich auch hier immer wieder einige Längen ein, die die Handlung ausbremsen. Aber letztlich steuert der Film auf diesen einen dramatischen Moment zu, in dem Waris von einer Reporterin gebeten wird, sie solle doch von dem Tag berichten, der ihr Leben veränderte. Und entgegen der Erwartung berichtet sie nicht von dem Tag, an dem sie in einem McDonald’s entdeckt wurde, sondern eben von jenem Tag, als bei ihr die Genitalien verstümmelt wurden. Das wird im Film natürlich nicht explizit gezeigt, es reicht aber, allein die Situation mit dem schreienden Kind zu sehen, dass es einem schlecht wird. Somit bilden diese letzten 20 Minuten des Films den eigentlichen dramaturgischen und emotionalen Höhepunkt des Films, der tatsächlich wirklich gut gelungen ist und zumindest bei mir ein sehr unangenehmes Gefühl hinterlässt. Und wenn ich mir dann noch überlege, dass . Ägypten (eines der beliebtesten Urlaubsländer von uns Deutschen) die höchste Rate an weiblichen Beschneidungen in ganz Afrika hat (92% !!!!!), dann dreht sich mir endgültig der Magen komplett um.

Der Weg dahin ist dann jedoch nicht ganz so packend. Der Film ist betont unterkühlt und emotionsarm gehalten. Gerade Waris (großartig gespielt von Liya Kebede) wirkt sehr verloren und verängstigt, auf emotionaler Distanz nicht nur gegenüber ihrer Umwelt, sondern auch gegenüber dem Zuschauer. Auch Timothy Spalding spielt sehr zurückhaltend, und selbst ihre flippige Mitbewohnerin Marilyn, gespielt von Sally Hawkins, bleibt auffällig blass. Das könnte vom Drehbuch so beabsichtigt sein, verhindert aber irgendwie auch, dass der Film im ersten Teil so richtig fesseln oder emotional tiefer berühren kann. Ich denke, dass das bewusst so arrangiert wurde, um zum einen Waris Distanz zwischen ihrer Person, ihrem inneren Erleben und der Welt zu zeigen, zum anderen aber auch, um das dramatische Finale vorzubereiten und schlichtweg nur straight auf das Thema aufmerksam zu machen und zu sensibilisieren. Wenn auch nur einer von zehn Leuten, die diesen Film gesehen haben, anschließend das Thema googelt und sich nur zwei Minuten damit befasst, ist das Ziel doch erreicht.

FAZIT: Bewegendes Biopic über eine unfassbar starke Frau, dem es im ersten Teil etwas an emotionaler Tiefe mangelt, dann aber am Schluss umso heftiger einschlägt. Unbedingt sehenswert!

.: Interessanterweise wird die männliche Beschneidung auch in unserer Kultur problemlos toleriert. Auch wenn die Praktiken natürlich nicht vergleichbar sind, so bleibt es doch auch eine komplett sinnlose Verstümmelung der Genitalien, in der Regel in einem Alter, in dem die Kinder nicht einwilligungsfähig sind. Waris Dirie selbst hat ihren Sohn im Alter von 1 Jahr beschneiden lassen.
Und auch wenn das vielleicht nicht hierher gehört, ich poste den Link trotzdem: /
Kino:
Anonymer User
2,0
Veröffentlicht am 12. April 2010
Vorab muss ich sagen, dass ich das Buch nicht kenne und der Film als "Aufschrei" gegen die unmenschliche Genitalverstümmelung angepriesen wurde. Dieses Thema wird zwar angerissen, mehr aber leider auch nicht. Die physischen und psychischen Folgen dieses Eingriffs werden nicht dargestellt. Wichtige Szenen, wie z.B. der Tod der Schwester infolge einer Infektion, u.ä. fielen schlicht der Schere zum Opfer. Ein wirkliches Mitfühlen bzw. Mitleiden stellt sich so beim geneigten Zuschauer leider nicht ein. Als Anklage gegen diese traditionellen grausamen Praktikten taugt der Film daher kaum.

Auch als sozialkritischer Film, armes Nomadenmädchen macht Karriere als Modell, dient der Film nicht wirklich: nachdem sie aus der Botschaft flieht, in der sie als "Haussklave" arbeiten musste, findet sie blitzschnell eine Freundin, die ihr eine Bleibe und einen Job verschafft, wo sie prompt einen prominenten Modefotografen kennenlernt. Sämtliche Probleme, auf die sie im weiteren Verlauf der Geschichte stösst, werden auf wundersame Weise aus dem Weg geräumt, ob da die Vermieterin mal eben eine Kaution stellt oder die Managerin sie gleich als Pirelli-Girl engagiert. Es entsteht der Eindruck, dass alles ein reiner Spaziergang gewesen ist. Wirkliches Mitfühlen mit den Charakteren ist so nicht möglich.

Fazit: nette 081-Unterhaltung, ohne wirklichen Tiefgang. Kann man sich anschauen, muss man aber nicht.
soulface
soulface

12 Follower 67 Kritiken User folgen

4,0
Veröffentlicht am 25. Februar 2010
Dieser Film geht schon unter die Haut..ist natürlich Geschmacksache aber uns hat dieser sehr gefallen..ist halt nicht ein tiefsinniger Film sondern dieser geht schon sehr schnell von einer Szene zur nächsten..aber man geht aus den Kino sehr nachdenklich und dankbar raus das man in Europa geboren wurde und NICHT irbgendwo im Busch Afrikas wo man die männer kastrieren und verstümmeln sollte und nicht die Frauen so das diese mal merken wie es so ist als Frau!!!
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