Ich war im Bezug auf den Film vorerst skeptisch und ihn mir eigentlich nur zu Gemüte geführt, weil meine Frau ihn ausgesucht hatte. Das Backcover las sich erstmal nicht viel anders als das was man zur Zeit en mass an Folterhorror a'la Hostel präsentiert bekommt. Den einzigen Unterschied machte auf den ersten Blick einmal das Motiv.
Ok, dachte ich mir, diesmal schlachten hier keine perversen, sondern politisch motivierte Täter.
Doch weit gefehlt. Auch wenn dem Zuschauer einige harte Szenen auferlegt werden, so hatte ich doch zu keinem Zeitpunkt das Gefühl einen Horrorfilm zu schauen, da diese Szenen nie den Mittelpunkt der Handlung darstellen und in der Regel vorzeitig abgeblendet werden, was den Grad an Härte, zumindest für mich, nicht gemindert hat.
Viel schwerer als die akute physische Gewalt wiegen in dem Film jene Szenen, in denen das Opfer sich des Verlustes eines Sinnes bewusst wird, bzw. sich im Vorfeld mit dem selbigen auseinander setzt, wenn man so will "Abschied nimmt".
Jason Behr (alias Eliot Gast) spielt fabelhaft die Rolle des hilflosen Opfers, das sich Anfangs versucht seiner Intelligenz zu bedienen und seinen Peinigern vorsichtig diplomatisch entgegenzutreten, später immer Verzweifelter sich auch an "sein Publikum" wendet um letztendlich völlig zu resignieren.
Auch auf der Täterseite hat man ausnahmsweise einmal nicht das Gefühl es mit kompletten Vollidioten zu tun zu haben. Im Gegenteil, die Motive der Täter sind gut durchdacht und an Manchen stellen schoß mir das ein oder andere "recht hat er" durch den Kopf.
Emma Catherwood spielt die Rolle der Nim gut. Leider jedoch bietet diese, immerhin zweitstärkste Rolle, wenig Transperenz und Tiefgang, wie im übrigen alle Täterfiguren. Beim übrigen Täterensemble ist das auch angebracht, da der Film in weiten Teilen das Gefühl vermittelt aus der Sicht des Opfers zu berichten (fehlender Ton/fiepen nach Zerstörung des Gehörs etc.), welches über seine Peiniger ja auch nichts weiss.
Nim hingegen wird für Ihn soetwas wie eine Vertrauensperson und bleibt doch bis zum Schluß undurchschaubar, hinterlässt den Zuschauer mit Spektrum an Spekulationsmöglichkeiten.
Ungeachtet dessen hat der Film mich derart in den Bann gezogen, dass ich mir die gleichnamige Buchvorlage bestellt habe.
Alles in allem ein herrausrander Film zwischen Psycho- und Politthriller der eine ordentliche Portion Gesellschafts- und Medienkritik mitbringt.
Wer harte Filme mag und intelligente Filme sucht ist hier bestens bedient.
Es rezessierte
Alex