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Cursha
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4,5
Veröffentlicht am 4. Januar 2025
Oscargewinner Volker Schlöndorff war bereits 1966 seiner Zeit weit voraus. Mit „Der Junge Törless“ schuf der Filmemacher ein starkes Porträt über Missbrauch, Gewalt, Schuld, Selbstreflexion und Homosexualität. An einem Internat für Jungen, kurz vor dem ersten Weltkrieg überführt eine Gruppe Jugendlicher den jungen Amselm des Diebstahls. An Stelle ihn zu melden beginnen sie ihn körperlich zu quälen und schließlich auch zu missbrauchen, was zu einem kollektiven Missbrauch des ganzen Internats wird. In Mitten dessen findet sich Thomas Törless, der sich daran nicht beteiligt, aber dennoch zum Mittäter wird und sich dazwischen mit Gefühlen für Amselm beschäftigen muss. Betrachtet an der Zeit ist dies in vielerlei hinsiecht extrem starker Stoff. Bereits sicher im Stil kann der Film an allen Enden polarisieren. So hat er bereits früh den Missbrauch an Jungen im Film verpackt, was selbst heute noch als Tabuthema angesehen wird, stellte das Thema der gleichgeschlechtlichen Anziehung auf sexueller Ebene ins Zentrum, aber auch kollektive Grausamkeit, die das schlimmste im Menschen aufzeigt und dass es primär nur um den Schutz von Ruf und Ansehen geht, nicht aber dem Schutz des Einzelnen. Auch das Verständnis von Mittäterschaft und der am Ende doch starken Form der Selbstreflexion ist ein starkes Bild. „Der Junge Törless“ lohnt auch heute noch eine Sichtung und ist noch immer ein starkes Stück Film, das nichts von seiner Kraft verloren hat und ein hervorragendes Bild von Verkommenheit und Moral abbildet.