Paul Thomas Anderson ist ja mittlerweile dafür bekannt, dass er sich nicht mal ansatzweise darum schert, was das Publikum erwartet, sondern er zieht einfach sein Ding durch. Dementsprechend sperrig erscheint auch “The Master”. Es wird keine Handlung im engeren Sinne verfolgt, stattdessen werden mehrere Handlungsstränge eröffnet, eine zeitlang verfolgt, um dann wieder fallengelassen zu werden, scheinbar ohne, dass das Ganze irgendwo hin führt. Somit gibt es auch kein echtes Finale, auf das der Film zusteuert, sondern er ist dann einfach irgendwann vorbei.
Wenn man so einen Film ohne kohärente Handlung fabriziert, braucht man auch entsprechende Schauspieler, die so ein wildes Konstrukt tragen können. Und da hat sich der gute Paul Thomas Anderson gleich zwei der wohl großartigsten Schauspieler aller Zeiten geholt: Joaquin Phoenix liefert eine sehr skurrile, ja fast verstörende Performance als gebeugter, vom Krieg zerstörter Alkoholiker. Und der leider viel zu früh verstorbene Philip Seymour Hoffman gibt eine unfassbar intensive Darstellung des charismatischen, verführerischen, aber auch verletzlichen Sektenführers. Diese beiden Männer in Aktion, zusammen in einem Film zu sehen, das ist sein fantastisches Erlebnis, und wenn beide sich dann noch im exzessiven Ovceracting zu überbieten versuchen, dann ist das schon ganz große Schauspielkunst, die allein schon den Film anzuschauen wert ist. Da ist dann auch die Handlung selbst gar nicht mehr so wichtig, die sich wie eine wärmende Decke um diese beiden großartigen Schauspieler herumlegt.
Komplettiert wird dieses Ensemble dann durch die ebenfalls fantastisch aufspielende Amy Adams, die hier zwar sehr zurückhaltend, aber doch unfassbar eindringlich die Ehefrau des Sektenführers und den eigentlichen Kopf hinter seinem fanatisch-religiösem Gefasel. Großartig! Dennoch gereicht es hier an dieser Stelle nicht zum unglaublichen Meisterwerk, dafür ist die Handlung dann am Ende doch zu sehr zerfasert und die nicht wenigen Längen fallen dann doch eher unangenehm auf. Nichtsdestotrotz kann man sich hier einfach mal zurücklehnen und zwei (bzw. drei) der größten Schauspieler aller Zeiten einfach nur zuschauen – das reicht schon!
FAZIT: Ein etwas schwer zugängliches Nahezu-Meisterwerk von Paul Thomas Anderson, das vor allem von und durch seine fantastischen Schauspieler lebt. Absolut sehenswert!!