Prisoners
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Rüdiger Wolff
Rüdiger Wolff

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4,5
Veröffentlicht am 25. Oktober 2013
Herausfordernd
Ein sehr intensiver, herausfordernder und schwieriger Film - im wesentlichen - über die Frage der „Selbstjustiz“, die jeder Zuschauer auf seine eigene Art und Weise wird beantworten müssen. Im Film wird die Frage nicht so eindeutig beantwortet, wie man es 152 Minuten lang meint, denn die Schlußminute bringt noch eine unerwartete Variante. Auf jeden Fall ein sehr spannender und sehenswerter Film, der auch zum Nachdenken anregt.
Sind wir nicht in unserer Gesellschaft alle irgendwie Gefangene, wie die EAGLES schon in „Hotel California“ gesungen haben: „We are all just prisoners here, of our own device.“
Boppser
Boppser

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5,0
Veröffentlicht am 5. Januar 2014
Jedes Wort zur Handlung von Prisoners ist eigentlich zu viel des Guten und jede Kritik an dem neuen Kriminal-Thriller von Denis Villeneuve nur eine kleine, graue Wolke an einem ansonsten strahlend blauen Himmel. Denn in Prisoners leuchtet einfach alles. Ob Drehbuch, Darsteller oder Musik, wirklich nichts und niemand lässt sich hier von der tristen Grundstimmung des verschneiten Settings ablenken und erfüllt dieses stattdessen voller Tatendrang mit Leben. Natürlich ist es eine grausame Geschichte, aber eben auch eine, die in dieser Form erzählt werden muss. Mit der gleichen Mühe, die die Macher an den Tag gelegt haben, soll daher auch diese Kritik geschrieben werden, denn das ist man diesem Meisterwerk schuldig.
Bild aus Prisoners Es ist Thanksgiving und bereits die erste Szene des Films verrät vieles über die Figur Keller Dover (Hugh Jackman) und den elementaren Konflikt, den er im Laufe der Erzählung mit sich austragen muss. Nach einer Rehjagd mit seinem Sohn klärt er diesen über die Wichtigkeit der Vorbereitung im Allgemeinen auf. "Sei bereit", das hat schon früher sein Vater ihm beigebracht. Er ist ein Mann der Kontrolle, aber das, was im späteren Verlauf dieses Festtages passiert, unterliegt keiner Kontrolle mehr - oder zumindest nicht seiner. Seine kleine Tochter wird zusammen mit der eines gut befreundeten Ehepaares (Viola Davis und Terrence Howard) fast vor der eigenen Haustür entführt. Keine Spuren, keine Hinweise. Dafür ist Keller nicht bereit, übertritt für die Rettung der Kinder jedoch bewusst viele Grenzen. Diese Rückgewinnung der Kontrolle entpuppt sich aber schon bald als eine moralische Zwickmühle, eine Gefangenschaft.

Auch der zweite Protagonist, Inspector Loki (Jake Gyllenhaal), wird mit einer eindringlichen ersten Szene eingeführt, die jedoch weniger über seine weiteren Absichten verrät. Loki hält sich, anders als Keller, an diesem Feiertag allein in einem Restaurant auf. Eine Familie scheint der blasse Ermittler nicht zu haben, aber ausgerechnet er übernimmt den Fall der entführten Mädchen. Das führt natürlich zu Spannungen zwischen der Opferfamilie und ihm. Setzt Loki wirklich alle ihm verfügbaren Mittel ein, um die Kinder zu retten? Kann er überhaupt annähernd das nachfühlen, was Keller empfindet? Loki versucht es, wird aber immer wieder von dem Gesetz, dem er sich selbst verpflichtet hat, niedergerungen. Er ist ebenfalls gefangen in einem System der offiziellen Gerechtigkeit.

Der meisterliche Touch dürfte sich nicht bei jedem gleich von Anfang an bemerkbar machen, denn zunächst erinnert das Werk mit seiner Story rund um besagte doppelte Kindesentführung mehr an andere Leinwandabenteuer, als dass sie sofort selbst erinnerungswürdig erscheint. So werden Filmkenner bei der Thematik und der düsteren Grundstimmung wohl sofort an Clint Eastwoods Mystic River denken müssen, während viele andere bei der verworrenen Suche nach dem Täter womöglich noch den gar nicht so alten Zodiac - Die Spur des Killers-Streifen von David Fincher - passenderweise auch mit Schauspieler Jake Gyllenhaal in einer Rolle - im Kopf haben. Ist die Kriminalgeschichte deswegen nicht eigenständig? Nein! Ganz im Gegenteil, Erzählung und Inszenierung könnten hier überhaupt nicht eigenständiger sein und unterscheiden sich auch deutlich durch die oben genannten Filmkollegen. Der Familienvater Keller Dover, der sich aufgrund schlampiger Polizeiarbeit irgendwann selbst auf die Suche nach dem Entführer macht oder der leitende Ermittler Loki, der seine eigenen Prinzipien nach und nach zu hinterfragen beginnt, mögen als Schablonen schon in unzähligen Produktionen Verwendung gefunden haben. Aber selten wurden die Endprodukte so glaubhaft ausgestaltet wie in diesem Fall.

Das liegt vor allem an den unverschämt guten Darstellern. Der Cast ist nicht nur quantitativ, sondern ebenso qualitativ eine Wucht. Jackman und Gyllenhaal stehen natürlich im Mittelpunkt und nutzen diese Chance für ein darstellerisches Erdbeben. Jackman übernimmt dabei häufig den emotionaleren Part, reißt den Zuschauer durch seine tiefe Entschlossenheit mit und verschreckt ihn mit seinen kraftvollen Wutausbrüchen. Jake Gyllenhaal agiert dagegen viel subtiler und undurchsichtiger. Seine Figur soll über die gesamte Laufzeit ein Rätsel bleiben, aber dennoch kein Übermensch. Deswegen hat sich Gyllenhaal, neben vielen anderen Eigenheiten, für den Streifen einen Tic angewöhnt, den er konsequent durchzieht und seine Figur so verletzlich erscheinen lässt. Es sind Bestleistungen der beiden Mimen! Weiterhin unterstützt ein sorgfältig ausgearbeitetes Drehbuch die Darsteller bei ihrer Arbeit, das die Suche nach dem Entführer nicht nur für die Protagonisten zu einem spannungsgeladenen Verwirrspiel macht. Am Ende werden dann alle losen Handlungsstränge überragend zusammengeführt und das überraschende Finale wird wahrscheinlich dem ein oder anderen den Atem rauben, denn es gehört in der Nachbetrachtung zu den besten seines Genres.

Es gibt einen Aspekt, der Prisoners nicht nur sehr gut, sondern brillant werden lässt: das Herz. Wie oft ärgert man sich im Kino bei so vielen Thrillern über das Fehlen von gefühlsbetonten Momenten. Auf der Suche nach wahrer emotionaler Wärme stößt man filmisch hier meist auf taube Ohren. Ausgerechnet Villeneuve, dessen visuelle wie inhaltliche Gestaltung gar nicht erdrückender und kühler sein könnte, schafft sich in dieser Hinsicht ein Schlupfloch. Das gelingt ihm mit der Hilfe von Gott, was durchaus ernst gemeint ist. Sicher, der heilige Vater wird dem Regisseur bei so einem Überwerk auch hinter der Kamera zur Seite gestanden haben, aber für die Filmfiguren spielt der Allmächtige mindestens eine ebenso große Rolle. Motive dafür findet man immer wieder, seien es das Kreuztattoo an Lokis Hand, die Kette von Keller oder der Score von Johan Johannsson, durch den sich ab und zu sakrale Elemente ziehen. Gott ist allgegenwärtig und die Charaktere bitten auf unterschiedliche Weise um seine Hilfe bei schwierigen Entscheidungen. Ob er wirklich hilft, erfährt man nicht, Villeneuve erlaubt sich kein Urteil über Gott und auch nicht über die Moralvorstellungen seiner Hauptdarsteller, die natürlich das zweite Standbein des Films stellen. Wer den Film gesehen hat, wird erkennen, dass jeder diese Entscheidung für sich selbst treffen muss. Stattdessen nutzt er diese größtenteils irrationalen Versatzstücke dazu, dem ganzen Werk in einigen Momenten eine märchenhafte, gar surreale Note zu verleihen, die sich auch visuell ganz eindeutig niederschlägt.

Prisoners bietet alles, was das Filmherz begehrt und noch mehr. Ein spannendes Drehbuch, eine perfekte Inszenierung, elektrisierende Schauspielleistungen von Jackman und Gyllenhaal, sowie überhaupt jede Menge Herzblut, wo auch immer die Kamera gerade hinschwenkt. Dazu gesellt sich ein wichtiges Thema mit einer unkonventionellen Botschaft, die auch nach dem Kinobesuch für reichlich Diskussionsstoff sorgen dürfte. Ob die Wirkung des Films bei einer zweiten Sichtung an Zauber verliert, lässt sich nicht mit Bestimmtheit sagen, aber zumindest einmal muss man sich von diesem filmischen Hochgenuss - dieses Wortspiel sei erlaubt - gefangen nehmen lassen. Villeneuve schenkt uns mit seiner neusten Regiearbeit eines der besten Kinoerlebnisse der vergangenen Jahre!
Gringo93
Gringo93

357 Follower 441 Kritiken User folgen

5,0
Veröffentlicht am 11. August 2014
Fazit: Der psychopathische Thriller "Prisoners" ein Meisterwerk?! Wenn man diesen absolut packenden, permisstischen und krankhaften Film gesehen hat, kann man das durchaus sagen.
Schillenium
Schillenium

4 Follower 17 Kritiken User folgen

4,0
Veröffentlicht am 22. Oktober 2013
Da ich bisher alle meine Rezensionen mit einem persönlichen Statement angefangen habe,mache ich das an dieser Stelle auch.
Überraschenderweise mag ich gut erzählte Geschichten, auch oder gerade die bei denen ich das Gefühl habe, ich würde den Ausgang bereits kennen, aber niemals meine Prognose aussprechen, weil ich Angst hätte mich zu blamieren.
Eben dieses Gefühl beschlich mich beim Verlassen des Kinosaals, als der Abspann des wirklich unterhaltsamen Films von Denis Villeneuve lief.
Der letztgenannte setzt in seinem Film, entgegen seinem Namensvetter aus der Motorsportbranche, nur selten auf Geschwindigkeit. Bis auf eine Szene in welcher der hervorragend gespielte Detective Loki (Jake Gyllenhall) mit dem Auto über den Kleinstadt Boulevard flitzt, hat der Film eine eigene Erzählgeschwindigkeit, welche gefühlt nur in Nuancen variiert wird. Offen gesprochen finde ich es eine herrliche Abwechslung zu den Super- und Ironmans dieses Kinojahres. Es ballert nicht, es explodiert nicht und die Effekte beschränken sich auf die Gesichtsschminke von Paul Dano(im Film der zurückgebliebene Alex) nachdem er von Hugh Jackman(spielt den Vater Keller Dover) bearbeitet wurde. Alles andere wäre dem schwierigen Thema aber auch nicht gerecht geworden.
Insgesamt ist der Film soweit vom derzeitigen Hollywood entfernt, wie es einem Filmemacher mit Blick auf Einspielergebnisse nur möglich ist. Die Farben sind trist und pastellig, gerade zu Beginn stark mit schmuddeligem braun unterlegt. Ist man eher aus skandinavischem Film gewohnt. Die Schauspieler sind nicht auf Hochglanz poliert, sondern muten wie die Familien und Leute an, die 2 Häuser weiter die Straße runter leben. Gyllenhall mit Bauchansatz, Jackman mit faltigem Gesicht und schlecht gestutztem „um-den-Mund-Bart“, Terrence Howard mit schrecklich unmodischer Brille und Oberlippenflaum und auch die Damenriege würde nicht in einen Erotikthriller von Verhoeven passen. Es ist alles auf „normal“ getrimmt.
Eine Art Film-Noir in amerikanischer Kleinstadtoptik.

Gehen wir den Film mal der Reihe nach durch. Fangen wir mit dem offensichtlichstem an, die Schauspieler. Man kann getrost sagen:“Kein Ausfall“! Allerdings kann ich den Hype um Jackman nicht ganz verstehen. Er ist glaubwürdig und spielt gut, aber ich habe manchmal die Intensität vermisst. Gerade in den Verhörszenen, wirkt er eher als ob er wieder als Schattenboxer mit Robotern kämpft, mehr motiviert als verzweifelt. Seine stärkste Szene hat er im Dialog mit Detective Loki im Auto. Aber man wird das Gefühl nicht los, dass Villeneuve Jackman gemäßigt hat. Aber dazu später mehr.
Gyllenhall trifft mit der Rolle ins Schwarze. Die Mischung aus Neugier, Resignation, Ehrgefühl, Ablehnung, Hilflosigkeit, Einfühlsamkeit und Wut stellt er außerordentlich dar. Dass er ein guter Schauspieler ist wusste man schon irgendwie, auch wenn „Prince of Persia“ nicht gerade eine Charakterstudie war. Aber das hier ist mit Abstand seine beste Leistung. Als Nebendarsteller sollte er mindestens eine Nominierung für die Oscars bekommen.
Die restlichen Darsteller machen Ihre Sache gut, fallen aber auch insgesamt nicht weiter ins Gewicht. Paul Dano hätte sicher mehr aus der Rolle machen können, aber in dieser Rolle muss man sich zwangsläufig mit Arnie Grape messen. Er tut gut daran hier weniger aufdringlich zu spielen, vielleicht auch von Villeneuve so gewollt. In den späteren Szenen taucht er sowieso nur noch wenig auf.
Terrence Howard, Viola Davis, Melissa Leo, David Dastmalchian machen Ihre Sache gut. Wobei ich bei Dastmalchian etwas an seine Rolle in „The Dark Knight“ erinnert wurde. Er scheint irgendwie ein Abo auf verrückte Typen zu haben. Und Howard wurden bisher auch bei jedem Film(nehmen wir Iron Man mal als Ausnahme der Regel) die Tränen ins Gesicht getackert. Die Rolle von Maria Bello hätte ich sicher auch noch übernehmen können. Aber durch Medikamente paralysiert und verwirrt in die Gegend zu schauen stellt hier wohl auch den geringsten Anspruch an die Schauspielkunst. Selbst der Statist als Verkäufer im Schnapsladen, der nicht mal gezeigt wird im Film, hätte hier wohl mehr auf der Brause haben müssen.
Kommen wir zurück zur eben schon angesprochenen Zurückhaltung, das ist ebenfalls bei der Kameraführung aufgefallen, aber liegt das jetzt am Regisseur oder an Deakins, der sich für die Kamera verantwortlich zeigt. Subjektiv gesehen geht er bei gefühlsbetonten Szenen immer weit weg von der Mimik der Schauspieler, das hat mich irritiert. Hätte mir hier gewünscht, man bleibt als Zuschauer näher am Geschehen. Das wäre dann aber schon alles was man an Kritik an der Kameraführung anbringen kann.
Sound und Musik sind passend eingesetzt und weitestgehend zurückhaltend ins Ganze eingefügt. Der Schnitt ist unauffällig und traditionell. Keine stilistischen Überblendungen a la „Stay“ von Forster, würde auch nicht ins Gesamtbild passen.

Fazit: „Prisoners“ ist tatsächlich ein erstklassiger Thriller. Ohne Einschränkung zu empfehlen an Alle die akzeptieren, dass auch eine Erzählung in Valiumgeschwindigkeit ungemein spannend sein kann, wenn der Plot stimmt. Mein Eindruck bleibt, dass Villeneuve bis auf die erwähnte Ausnahme mit beiden Füßen auf dem Bremspedal gestanden hat. Leider kenn ich von Villeneuve zu wenig um zu sagen, dass dies seinen Stil ausmacht, aber mir hat es insgesamt gefallen. Allerdings muss ich auch gestehen, dass der Film auf dem Heimischen Fernseher ebenso gut rüberkommen wird. Nur Hardcore Cineasten werden behaupten, dass man diesen Film im Kino sehen muss.
mercedesjan
mercedesjan

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3,5
Veröffentlicht am 22. Oktober 2013
„Prisoners“, der erste Hollywood-Film des kanadischen Regisseurs Denis Villeneuve, kam bei Kritikern und Publikum gleichermaßen gut weg. Dabei waren es nicht nur die grandiosen Kritiken die die Erwartungen auf den Entführungsthriller schürten, sondern auch der düstere und überragende Trailer der auf großes Kino hoffen ließ. Dazu eine klasse Besetzung mit Hugh Jackman und Jake Gyllenhaal, Kameramann-Legende Rogert Deakins und ein Drehbuch das über Jahre sehr begehrt war und schlussendlich an den Kanadier ging. Was sollte also schief gehen bei „Prisoners“ zu dem schon schon Parallelen zu den Top-Filmen des Genres wie „Zodiac“ oder „Sieben“ gezogen wurden? Vieles. Denn „Prisoners“ bleibt weit hinter meinen Erwartungen zurück und ist, auch wenn er immer noch ein guter Thriller ist, eine Enttäuschung, da er schlichtweg zu viel Potenzial verschenkt.

„Prisoners“ beginnt wie man es sich von einem 153 minütigen Thriller erwarten kann: Ruhig und langsam. Zunächst werden die wichtigen Charaktere vorgestellt und man taucht ein in eine regnerische und graue Welt. Der düstere Look wird dabei toll eingefangen von Roger Deakins, der sich für die Kamera-Arbeit verantwortlich zeigt. Bis der Film anläuft dauert es also eine ganze Weile. Sind die beiden Mädchen erst einmal entführt, kann der spannende, wendungsreiche Ritt losgehen. Und tatsächlich wird der Film gerade im Mittelteil sehr stark, denn die dort stattfindende Folter wird schockierend eingefangen, ohne dass der Zuschauer die eigentliche Folter sieht, sondern mehr im Kopf des Betrachters entsteht. Vereinzelte Szenen sind dort einprägsam stark und führen einen durch den Mittelteil. Dennoch ist „Prisoners“ einer der Filme bei dem man sich denkt: Wird schon noch spannend! Es sind vereinzelte Szenen die einen bei Laune halten, aber über die gesamte Laufzeit hinweg baut der Film kaum Spannung auf. Das wird vor allem im letzten Teil der Geschichte deutlich der einen so mitreißt wie ein Chihuahua an der Hundeleine. Selbst der finale Twist lockt einem nicht mehr als ein müdes Lächeln hervor. Kein Vergleich zu Spannungsgranaten wie „Sieben“ oder der erst kürzlich gestartete „Gravity“. Allerdings bleibt man bei der Stange, denn ein gutes Ende hätte den Film noch „retten“ können, doch genau das lässt sich mit einem Wort beschreiben: Schlecht! Ein schlechteres und unbefriedigenderes Ende ist mir nicht einmal bei „Star Trek Into Darkness“ untergekommen das meiner Meinung nach völlig sein Ziel verfehlt. Schwierig darüber zu schreiben ohne zu Spoilern, aber der letzte Kniff hin zum Abspann funktioniert hier einfach nicht, da er meiner Meinung nach unpassend ist, zu viele Fragen unbeantwortet lässt und einen gnadenlos enttäuscht im Kinosessel zurücklässt.
Das liest sich jetzt schlechter als der eigentliche Film ist, denn die zweieinhalb Stunden vergehen doch recht schnell. In dieser Zeit wird man nämlich immer bei der Stange gehalten durch grandiose Einzelszenen und eine Story die zum Miträtseln einlädt. Dazu gibt es einen starken Hugh Jackman, als verzweifelter Vater auf gnadenlosem Weg der Selbstjustiz und einen wirklich tollen Jake Gyllenhaal, als Detective der sich immer mehr in seinen Fall reinsteigert, zu sehen. Aus dem Schauspiel-Ensemble sticht ansonsten vor allem Paul Dano als Alex Jones heraus, der hier die beste Leistung von allen zeigt.

Fazit: Handwerklich gut gemacht, verschenkt der Film sein Potenzial an allen Ecken und Enden. Schade, denn die Story um jede Menge moralischen Themen hätte durchaus das Potenzial zu einem der besten Filme des Jahres gehabt. So reicht es am Ende nur zu einem sehenswerten Thriller der deutlich packender, spannender und dramatischer hätte ausfallen dürfen.
Kinobengel
Kinobengel

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4,5
Veröffentlicht am 20. Oktober 2013
Denis Villeneuve hat noch nicht viele Filme gemacht, ist aber für „Maelström“ mehrfach ausgezeichnet worden und konnte mit „Die Frau, die singt – Incendies“ im Jahr 2011 eine Oscar-Nominierung erreichen. Jetzt legt der kanadische Regisseur mit „Prisoners“ einen Thriller nach.

An Thanksgiving werden in einer US-amerikanischen Kleinstadt die beiden kleinen Töchter zwei befreundeter Ehepaare auf der Suche nach einer roten Trillerpfeife entführt. Als die Polizei den einzigen Verdächtigen aus Mangel an Beweisen gehen lassen muss und die Kinder nicht wieder auftauchen, nimmt einer der Väter (Hugh Jackman als Keller Dover) die Ermittlungen und das Gesetz selbst in die Hand.

Villeneuve präsentiert eine Story, die kaum stimmiger inszeniert werden kann. Wer sind eigentlich die Gefangenen? Die kleinen Mädchen, wenn sie noch leben? Der debile Verdächtige oder die frei herumlaufenden Triebtäter? Der mit dem Fall beauftragte Detective in seinem Indiziendschungel? Alle sind sie gefangen, auch der stoische Police-Captain, der lynchende Vater in seiner gewaltgetriebenen Machtlosigkeit, sein pubertierender, verständnisloser Sohn und seine Frau, die sich verzweifelt mit Psychopillen in den seelischen Knast begibt. So erfährt man erst nach und nach, warum der Filmtitel auf einen nur scheinbar eindeutigen Namen lautet. Aaron Guzikowski, der mit seinen wenigen Drehbüchern bisher nicht sonderlich aufgefallen ist, entblättert die Schwächen der Charaktere und stellt sie immer mehr heraus, so dass sich die Lösung des Kriminalfalls in Irrgärten und Sackgassen zu verlaufen scheint, die entweder schwarz auf weiß gemalt sind oder deren Wände aus Blech, Regen, Kälte und dunklem Wald bestehen. Und Villeneuve führt die Figuren hervorragend durch diesen Plot, der sich aufgrund der Emotionalität aller Handelnden unheilvoll entwickelt, unter die Haut geht und vom Krimi zum Drama wechselt. Der Spannungsbogen hält über die gesamte Spielzeit von 153 Minuten ein fast gleiches Niveau. Jedoch wird die Geschichte keineswegs hastig oder mit außerordentlicher Übertreibung erzählt. Es sind die Fehlverhaltensmuster der Menschen und deren Folgen, die ergreifend wirken. Die Szenen sind – oft mit düsteren Bildern als zusätzliche Gefängnismauern begleitet - aufwendig gestaltet. Eine überwiegend ruhige Kamera fährt klassisch unkompliziert auf das Dargebotene hinzu und scheut keine Nahaufnahmen. Die herausragende Bildführung fordert entsprechende Leistungen der Akteure und bekommt diese auch.
Geheimnisumwoben sind schon die Gerüchte um die Besetzung der Hauptrollen und der Regie für die Umsetzung des fantastischen Drehbuchs: Leonardo DiCaprio sei im Gespräch gewesen, später sollten Mark Wahlberg und Christian Bale unter der Regie von Brian Singer agieren. Hugh Jackman habe wegen eines anderen Projekts zunächst Zeitprobleme gehabt. Letzterer hat dann die Rolle des Keller Dover bekommen. Jackman kann nicht nur Wolverine und ähnliche Actioner, Zauberer („Prestige – Der Meister der Magie“), zeitreisende Gentlemen in Komödien („Kate & Leopold“). Er spielt den entscheidungsschnellen, unbeirrbaren und auch sensiblen Familienvater, der das Kinopublikum aufgrund großer Schauspielleistung unaufhaltsam hinter sich herzieht und vor dem jeder mit Recht Angst kriegen kann, der ihn – einmal in Fahrt - mit dem Hammer vor sich stehen sieht. Für ihn ist der zuständige Detective Loki ein Versager. Dabei gibt Jake Gyllenhaal diesem mit seiner Erscheinung alles, was einen ehrgeizigen Polizisten ausmacht. Der vielseitige Schauspieler („Donnie Darko“, „Brokeback Mountain“) zeigt intensiv Loki‘s aufgekratzte Expressivität, Arroganz und die Respektlosigkeit gegenüber seinem Vorgesetzten Captain O’Malley. Dieser scheint kurz vor der Pension zu stehen, lässt sich von Loki auf der Nase herumtanzen und setzt mit einer außergewöhnlichen Wurschtigkeit Phrasen in die für ihn eh verkommene Welt. Das ist sicherlich von Wayne Duvall konsequent gespielt; das Verhalten der Figur kann man glauben, muss man aber nicht. Alle Schauspieler sind auffallend gut bei der Sache, insbesondere Paul Dano als schwachsinniger Tatverdächtiger und David Dastmalchian als Bob Taylor mit seinen perversen Neigungen.
Ohne Frage muss die Selbstjustiz des Keller Dover geahndet werden. Auf welche Art dies vollzogen wird, bleibt nicht im hartgefrorenen Boden stecken.

Nach dem Sommerloch ein Thriller mit Trillerpfeife, der das Publikum durch ein spannendes Laby-rinth führt, das nicht von Ikarus und Dädalus gebaut wurde, sondern von außerordentlich begabten Filmemachern, die hoffentlich bald wieder in Erscheinung treten werden.
Kino:
Anonymer User
5,0
Veröffentlicht am 17. Oktober 2013
ich liebe dieses film <333333333333333333333333333333333333333333333333333333333333333333333333333333333333333333333333333333333333333333333333333333333333
thsworld
thsworld

4 Follower 20 Kritiken User folgen

4,0
Veröffentlicht am 16. Oktober 2013
Krasser Film! - Kindesentführung und was passiert, wenn man Selbstjustiz ausübt! - Packend, Emotional, Spannend und hervorragende Leistung von Hugh Jackman und Jake Gyllenhall.
Janos V.
Janos V.

56 Follower 128 Kritiken User folgen

4,0
Veröffentlicht am 16. Oktober 2013
2010 sorgte das Independent-Drama “Incendies” (dt. Titel: “Die Frau die singt”) zunächst in Kanada, dann weltweit für einige Begeisterung und wurde als bester fremdsprachiger Film für den Oscar nominiert. Dieser Erfolg ermöglichte es Regisseur Denis Villeneuve, für sein nächstes Projekt ein recht stattliches Budget von 46 Millionen Dollar aufzutreiben. Wer aber denkt, dass Villeneuve deshalb auch nur einen Millimeter von seinem Stil abweicht, liegt gründlich falsch. Unaufgeregt und selbstbewusst lässt er sich von niemandem reinreden, verzichtet auf eine große Show und dreht lieber einen Film, der sicher nicht jedem gefallen wird, dessen schlichte Qualität aber letztlich über jeden Zweifel erhaben ist. [...]

Dass Hugh Jackman tatsächlich ein guter Schauspieler ist, wissen wir spätestens seit Chris Nolans “Prestige”, auch hier kann er als verzweifelter Familienvater überzeugen. Die Nebenrollen sind allesamt mit weniger bekannten, aber nichtsdestotrotz fantastischen Akteuren besetzt, aus denen Paul Dano, Maria Bello und Terrence Howard herausstechen. Der Beste von allen ist aber der in Hollywood noch immer sträflich unterschätzte Jake Gyllenhaal. Sein Detective Loki ist anfangs ein Mann ohne jede Persönlichkeit, das genaue Gegenstück zum wütenden Jackman, wird aber immer mehr zur Identifikationsfigur. Gyllenhaal, kaum wiederzuerkennen mit zugeknöpftem Hemd und absurd zurückgegelten Haaren, spielt ihn mit sparsamen, kontrollierten Bewegungen und fast ausdrucksloser Mimik, und erschafft dennoch einen der faszinierendsten Ermittler des jungen Jahrtausends. [...]

Fazit:
Manchmal braucht es keine große Show. Manchmal genügen einfach ein fesselndes Drehbuch, starke Schauspieler und eine effektive Inszenierung. “Prisoners” hat alles, was ein guter Thriller haben muss, und wird wegen seiner morbiden Atmosphäre, seiner handwerklichen Brillanz und nicht zuletzt wegen seiner moralischen Ambivalenz lange im Gedächtnis haften bleiben.
Kino:
Anonymer User
3,5
Veröffentlicht am 13. Oktober 2013
spannender krimi mit ungewohnt starkem Jackman, aber jedoch vorhersehbarem, relativ schwachem Finale.
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