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    Edge Of Tomorrow - Live. Die. Repeat
    Kritik der FILMSTARTS-Redaktion
    4,0
    stark
    Edge Of Tomorrow - Live. Die. Repeat
    Von Björn Becher
    Superstar Tom Cruise stirbt in „Edge Of Tomorrow”. Und seine Kollegin Emily Blunt auch. Und das ist kein Spoiler, sondern die Handlung. Sie sterben – und zwar immer wieder. „Live. Die. Repeat.“, so lautet dann auch der martialische Slogan zur tödlichen Action-Variante von „… und täglich grüßt das Murmeltier“. Regisseur Doug Liman („Die Bourne Identität“, „Mr. and Mrs. Smith“, „Jumper“) und sein Autorenteam reichern das auf den ersten Blick vielleicht etwas simpel anmutende Konzept des Alien-Invasions-Actioners mit Humor an und sorgen gekonnt für dramatische Unterfütterung, ohne den Film zu überfrachten. So wurde aus ihrer Verfilmung des Romans „All You Need Is Kill“ des japanischen Sci-Fi-Autors Hiroshi Sakurazaka eine von zwei starken Hauptdarstellern getragene und geradlinig erzählte Action-Sause mit einigen gut positionierten Handlungswendungen, die überdies nicht nur gut ausschaut, sondern vor allem Spaß macht.

    Vor Jahren attackierten Alien-Armeen die Erde und vernichteten schnell große Teile des europäischen Festlands. Um dem übermächtigen Feind entgegenzutreten, haben die Menschen mechanische Kampfanzüge entwickelt, die den Soldaten zusätzliche Feuerkraft verleihen. Bei der Schlacht von Verdun gelang damit sogar ein kleiner Sieg. Major Bill Cage (Tom Cruise) nutzt diesen Erfolg für die Rekrutierung: Der Ex-Werbefachmann tingelt durch Talkshows und sorgt so für dringend benötigten Soldatennachschub. Doch nach einem Streit mit dem befehlshabenden General (Brendan Gleeson) wird Cage degradiert und zu den Truppen in Großbritannien versetzt - ausgerechnet am Vortag einer alles entscheidenden Schlacht: Man will mit allen zur Verfügung stehenden Kräften in der Normandie landen, um dem Feind den Garaus zu machen. Doch es kommt zu einem grausamen Gemetzel, bei dem auch Cage stirbt. Der wacht allerdings kurz darauf auf und befindet sich wieder im Basislager am Tag vor den Kämpfen – und nun erlebt er Vorbereitung und Schlacht aufs Neue. Das wiederholt sich immer wieder und am Ende steht stets Cages Tod. Er kommt durch seine Kenntnis der Umstände immerhin kleine Schritte voran, auch wenn der Sieg für die Menschenarmee unerreichbar scheint. Bis die legendäre Kriegsheldin Rita Vrataski (Emily Blunt) auf dem Schlachtfeld erkennt, welche Fähigkeit er hat, und ihm beim gemeinsamen Tod noch zuruft, er solle sie nach dem Aufwachen aufsuchen…


    Bereits 2010 schrieb Autor Dante Harper im Auftrag der eigentlich auf TV-Sitcoms spezialisierten Firma 3 Arts Entertainment ein Drehbuch nach dem Roman „All You Need Is Kill“. Es war ein gewagter Schritt für die kleine Firma, der sich auszahlte: Das Skript sorgte für Aufsehen in Hollywood und wurde schließlich für satte drei Millionen Dollar von Studioriese Warner gekauft. Doch ganz zufrieden war man dort noch nicht, man engagierte neben anderen den britischen Regisseur und Autor Joby Harold („Awake“) für Überarbeitungen. Bei der finalen Filmfassung haben nun weder Harper noch Harold einen Credit bekommen, stattdessen werden die Liman-Vertrauten Jez und John-Henry Butterworth („Fair Game“) sowie Tom-Cruise-Kumpel Christopher McQuarrie („Die üblichen Verdächtigen“) im Vorspann als Autoren genannt. Wer nun aber glaubt, dass dieses in der Branche nicht unübliche Wechselspiel nach dem Motto „Zu viele Köche verderben den Brei“ für einen unausgegorenen Film sorgt, ist schiefgewickelt. Es ist im Gegenteil beeindruckend, wie geradlinig und punktgenau die Handlung von „Edge of Tomorrow“ aufgebaut ist – das zeigt gleich der Anfang beispielhaft: Mit in die Studio-Logos zu Beginn geschnittenen Nachrichtenfetzen und Talk-Show-Ausschnitten wird die Ausgangslage etabliert, es folgt ein kurzer Disput zwischen Cage und seinem vorgesetzten General und schon landet der Protagonist als einfacher Soldat in der Militärbasis und ab da geht es richtig los.

    Nachdem die nötigen Vorinformationen auf ebenso schnörkellose wie elegante Weise geliefert wurden, zelebriert Regisseur Doug Liman das anschließende Aufwachen-Kämpfen-Sterben-Wieder-Aufwachen-Wechselspiel in bester „… und täglich grüßt das Murmeltier“-Manier: mit viel Humor. Wie Bill Murrays Wetterexperte Phil in Harold Ramis‘ existenzialistischer Komödie erlebt auch Tom Cruises unfreiwilliger Soldat reichlich amüsante Momente, wenn er Situationen antizipiert und den verdutzten Kameraden vorhersagt oder mit seinem Vorwissen die Autorität eines Offiziers (Bill Paxton) untergräbt. Und hier gibt es anders als bei Ramis zusätzlich noch reichlich gut inszenierte Action dazwischen. Mit feinem erzählerischen Gespür verlässt Liman diese Action-Humor-Schleife dann rechtzeitig bevor es in ihr langweilig zu werden droht, dann folgt eine Wendung in der Handlung und es geht in eine neue Richtung weiter. So schaffen es der Regisseur und seine Autoren, dass „Edge of Tomorrow“ auf knapp zwei Stunden Laufzeit durchweg kurzweilig und spannend bleibt. Damit der Zuschauer beim freien Umgang mit den Gesetzen der Physik nicht den Überblick verliert, werden ihm gut dosierte Erklärungen an die Hand gegeben. Das geschieht wiederum so beiläufig, dass selbst die Klischee-Erklärer-Figur des unkonventionellen Wissenschaftlers (Noah Taylor) nicht weiter stört – nur verbohrte Logik-Puristen bekommen dann am Ende noch etwas zu mäkeln.

    „Edge of Tomorrow“ soll mehr als 175 Millionen Dollar gekostet haben. Wer den fertigen Film sieht, glaubt diese Schätzung sofort: Die Aliens sind beeindruckende leicht glibberige Monster mit riesigen Tentakeln, während die futuristischen Kampfanzüge der Menschen ein starkes Gimmick für imposante Actionszenen abgeben. Sie fungieren als Rüstung und Waffe zugleich, mit ihrer Kraft lassen sich schwere Gegenstände wegschleudern, an ihnen sind Kanonen unterschiedlichster Größe montiert und selbst die geballte Faust ist bestens geeignet, einen Alien-Schädel zu zertrümmern. Diese Schauwerte funktionieren letztlich aber nur so gut, weil die Darsteller trotzdem im Mittelpunkt stehen. Die Hauptrolle – in der Vorlage ein japanischer Rekrut – wurde Tom Cruise auf den Leib geschrieben. Seine Figur hat null Kampferfahrung, ist aber sonst ein alter Hase, dessen eigentliche Waffe das Wort ist. So versucht er sich zu Beginn aus jeder Situation erst einmal herauszureden. Den perfekten Widerpart dazu gibt Emily Blunt („Fast verheiratet“, „Looper“), die hier die eiskalte Militär-Veteranin (Spitzname in der Truppe: Full Metal Bitch) spielt. Das Reizvolle an der Figurenkonstellation ist der fast schon tragische Unterschied zwischen den Erlebnishorizonten: Er lernt sie nach und nach immer besser kennen, so dass sie ihm ans Herz wächst. Sie dagegen fängt jeden Tag bei null an, denn sie verliert nach jeder Zeitschleife die Erinnerung an ihn. So schreckt sie auch nicht davor zurück, ihm beim Training eine Kugel in den Kopf zu jagen, also gleichsam den Reset-Button zu drücken. Wenn ihre harte Fassade irgendwann trotzdem bröckelt, ist das umso wirkungsvoller.

    Fazit: So einfach kann unterhaltsames Blockbuster-Kino sein: zwei charismatische Stars und gute Schauspieler, eine geradlinige, nicht zu komplexe, aber spannende Story, gute Action und eine gehörige Portion Humor.
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