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Anonymer User
1,5
Veröffentlicht am 26. Dezember 2023
Ein rätselhafter Titel, der mit der etwas lahmenden Handlung so viel zu tun hat wie Kakteen mit Orchideen. Teile der Handlung werden nur angedeutet und verwässern den Plot: Ein Bandenkrieg und ein Erpresserbrief z.B. Der Hauptbösewicht Edwin (Pinkas Braun) taucht erst ganz kurz am Schluss auf gejagt von zwei Kommissaren: (ganz ungewöhnlich, weil fremd in dem Metier Adrian Hoven), sowie Christopher Lee, der internationales Flair reinbringen soll. Dem Zeitgeschmack entsprechend spielt Marisa Mell das angeblich scharfe Mäuschen und Christiane Nielsen die gealterte Blondine, die am kurzen Ende Edwin ganz unerwartet den Garaus macht. Erste Sahne bereits hier Parker, der Todesbutler (Eddie Arent) der immerhin die wenigen Pluspunkte holt. Und so gibt es Humor statt Spannung, haarscharf an der Langeweile vorbei.
Das Rätsel der roten Orchidee ist ein unterhaltsamer Klassiker der Edgar-Wallace-Reihe, der den Zuschauer mit einem geheimnisvollen Kriminalfall, zwielichtigen Gestalten und zahlreichen falschen Fährten bei der Stange hält. Regisseur Helmuth Ashley setzt weniger auf ausgeprägten Horror als auf klassische Krimispannung und eine gute Portion britisches Gangsterflair.
Im Mittelpunkt steht ein mysteriöser Konflikt zwischen zwei rivalisierenden Verbrecherbanden. Beide Gruppen versuchen, ihre Interessen mit allen Mitteln durchzusetzen, während Scotland Yard den kriminellen Machenschaften auf die Spur kommen möchte. Eine geheimnisvolle rote Orchidee dient dabei als auffälliges Symbol und verbindet verschiedene Ereignisse miteinander.
Die Handlung ist angenehm verworren und bietet zahlreiche Figuren, bei denen man sich nie ganz sicher sein kann, auf welcher Seite sie eigentlich stehen. Immer wieder kommen neue Informationen ans Licht, während die Ermittler versuchen, die Zusammenhänge zwischen den verschiedenen Verbrechen zu verstehen. Dadurch entsteht ein klassisches Katz-und-Maus-Spiel, das gut zum Wallace-Stil passt.
Besonders gelungen ist die Mischung aus Krimi und Humor. Während die Handlung durchaus spannende und bedrohliche Momente bietet, wird die Geschichte immer wieder durch komische Szenen aufgelockert. Dadurch wirkt der Film insgesamt etwas leichter als die besonders düsteren Vertreter der Reihe.
Auch die Besetzung trägt wesentlich zum Unterhaltungswert bei. Christopher Lee sorgt als Inspektor für eine souveräne Ermittlerfigur und verleiht dem Film internationales Flair. Adrian Hoven und Klaus Kinski ergänzen das Ensemble mit markanten Auftritten. Gerade Kinski passt mit seiner intensiven Präsenz hervorragend in die zwielichtige Welt des Films.
Im Gegensatz zu Die toten Augen von London oder Die seltsame Gräfin steht der Grusel hier weniger im Vordergrund. Stattdessen konzentriert sich der Film stärker auf Gangster, Verbrechen und Ermittlungen. Das macht Das Rätsel der roten Orchidee zu einem etwas anders gelagerten Wallace-Film, ohne dass das typische Flair verloren geht.
Die Schwarz-Weiß-Fotografie und die klassische Musik sorgen für die passende Atmosphäre. Dunkle Straßen, geheimnisvolle Schauplätze und die Verfolgungen durch London schaffen ein stimmiges Bild der damaligen Krimiwelt.
Allerdings ist die Handlung stellenweise etwas kompliziert und nicht jede Wendung wirkt vollkommen überraschend. Auch das Erzähltempo ist aus heutiger Sicht eher gemächlich. Dafür punktet der Film mit sympathischem Krimiflair, einer interessanten Gangstergeschichte und einer guten Mischung aus Spannung und Humor.
Fazit: Das Rätsel der roten Orchidee ist ein kurzweiliger Edgar-Wallace-Krimi, der mit einer interessanten Geschichte, einer guten Besetzung und einer gelungenen Mischung aus Spannung und Humor überzeugt. Wer bei Wallace vor allem die ganz großen Gruselmomente erwartet, könnte etwas enttäuscht sein. Als klassischer Kriminalfilm mit Gangsterflair funktioniert der Film jedoch hervorragend.