Geiler Film!
Intensives Kammerspiel mit nur vier Personen. Beginnt zunächst etwas zäh, es ist noch unklar, wohin es gehen soll. Im weiteren Verlauf wird die Geschichte aber immer surrealer und skurriler, Realität, Traum und Fiktion (oder Einbildung) verschwimmen immer mehr, der Plot hält auch noch den einen oder anderen Twist parat, manche etwas vorhersehbar, andere aber durchaus unerwartet.
Alles in allem ein spannendes Psychospielchen mit einer interessanten Auflösung und dem einen oder anderen Mindfuck-Moment. Schauspielerisch überzeugt vor allem Godehard Giese als zwanghafter Psychopath, aber auch Annika Blendl und Max Tidof agieren souverän, vor allem die Interaktion zwischen den beiden knarzt nur so vor subtiler Anspannung. Lediglich Heiner Lauterbach wirkt gelangweilt und mit seiner Rolle deutlich überfordert, vor allem Produzieren von Emotionen kann er einfach nicht. Das ist aus meiner Sicht eine klare Fehlbesetzung.
Die Ausführungen zur Quantenphysik sind natürlich sehr oberflächlich und gehen wenig in die Tiefe, in der letzten Konsequenz auch nicht immer ganz korrekt (.: Quanten sind nicht die kleinsten uns bekannten Teilchen!). Auch die vor allem in den Verschwörungsmedien immer wieder auftauchende Idee, im LHC am CERN könnte ein schwarzes Loch entstehen, ist totaler Quatsch. Aber diese kleinen physikalischen Unsauberkeiten kann man dem Film verzeihen, die ganzen quantentheoretischen Ausführungen dienen auch nur zur Spannungserzeugung und sind zur Fortfühurng der Story in ihrer physikalischen Korrektheit letztlich auch nicht relevant.
Die Überlegungen zur Realität, vor allem auf der Quantenebene, die hier nur angeschnitten werden, sind natürlich von höchst philosophischer Natur. Da bieten sich viele Gedankenspiele an, wenn man die quantenphysikalischen Eigenschaften der allerkleinsten Teilchen auf unsere Makroebene übertragen möchte. Leider wird dieses Thema aber nicht weiter verfolgt, die Story biegt dann schnell wieder in eine andere Richtung ab.
Der Titel "Reality XL" indes ist ziemlich bekloppt. Ich kann mir schon denken, worauf der abzielen soll, ihr werdet es am Ende verstehen, ich will es hier aber nicht spoilern, geht aber aus meiner Sicht am Ziel vorbei. Mir hätte ein etwas subtiler anteasender Titel besser gefallen...
FAZIT: Lahm beginnendes, aber im weiteren Verlauf zunehmend ins surreale abgleitendes, durchaus spannendes Kammerspiel mit einem überragenden Godehard Giese und einem enttäuschendem Heiner Lauterbach. In jedem Fall ein starker Beitrag zum deutschen Independet Kino. Sehenswert!