Unterhaltsamer und teils derber Animationsfilm mit kraftvoller Message!
Als Pixar 1995 den ersten digitalen Animationsfilm („Toy Story“) ins Kino brachte, veränderte das Studio damit die gesamte Landschaft der Zeichentrick-Branche. Es dauerte jedoch nicht lange, bis andere versuchten mit zu ziehen. Der größte Konkurrent für Pixar war und ist bis heute wahrscheinlich DreamWorks Animation. Das damals noch neue Studio, welches unter Steven Spielberg und dem damaligen Produzenten Jeffrey Katzenberg entstand, wollte mitmischen und brachte 1998 ihren ersten Film heraus: „Antz“. Ein Film über eine Ameise, die aus ihrem kapitalistischen, teils faschistischen System ausbrechen möchte. Doch die Konkurenz zu Disney und Pixar nahm bereits mit „Antz“ ein ungewohntes Ausmaß an: Pixar selbst brachte 1998 „Das große Krabbeln“ ins Kino, ebenfalls ein Film über Ameisen. Das ganze Drama ist ganz schön komplex und unübersichtlich: Die Idee für „Antz“ entstand bereits 1988 bei Disney, doch Katzenberg hatte das Studio später verlassen. Es gab Anschuldigungen, dass DreamWorks die Idee des Films geklaut habe und so weiter… Schließlich wollte DreamWorks „Antz“ nicht 1999 heraus bringen, sondern ein Jahr nach vorne ziehen, das Jahr, in dem auch „Das große Krabbeln“ in die Kinos kam. „Antz“ kam am Ende sogar einen Monat früher heraus, dennoch war Pixars Film mehr als doppelt so erfolgreich an den Kinokassen. Doch welcher der beiden Filme ist denn nun jetzt der bessere? Eine schwierige Frage, da ich beide Filme sehr mag, aber beide haben auch ihre Schwächen. „Antz“ ist jedoch in vielerlei Hinsicht der deutlich reifere Film und spricht mit seinem Humor eher die ältere Zielgruppe an. Doch schauen wir uns das Ganze Schritt für Schritt an…
Die neurotische Arbeiterameise Z fühlt sich unbedeutend. Ihr Leben in der Kolonie ist öde und scheinbar sinnlos. Z vermisst die Individualität und das Abenteuer in seinem Leben. Das scheint er jedoch zu finden, als er eines Abends auf die Prinzessin Bala trifft, die sich ebenso in ihrem öden Adelsleben unwohl fühlt. Als Z jedoch mit seinem besten Freund, dem Soldaten Weaver, den Platz tauscht, muss er versehentlich in den Krieg gegen eine Termitenkolonie ziehen. Und Z lernt schnell, was für düstere Machenschaften eigentlich im Hintergrund vor sich gehen…
Viele fanden ja bereits „Shrek“ schon sehr erwachsen und derb mit seinem schwarzen Humor. Das kommt nicht von ungefähr, denn DreamWorks Animation wollte schon mit ihrem ersten Film eine größere Zielgruppe ansprechen. Während Disney und Pixar mit ihren Filmen eher Kinder angesprochen haben, richtete sich DreamWorks auch an ältere Zuschauer. So kommt es, dass die Figuren hier nicht nur eine etwas explizitere Sprache benutzen, sondern auch komplexere Themen aufgreifen. Der Drang nach Individualität in einem maroden System, ist auch in „Das große Krabbeln“ ein zentrales Thema, wird aber hier in „Antz“ doch deutlicher und kraftvoller in den Vordergrund gestellt. Der Film zeigt manchmal etwas plakativ, aber immer sehr unterhaltsam, wie sich Faschismus und Kapitalismus auf eine Gesellschaft ausüben. Das wird besonders in einer Szene klar, wenn Z in den Krieg zieht. Dieser Moment hat mich damals als Kind etwas traumatisiert, denn wie aus dem Nichts beginnt eine brutale Schlacht zwischen Ameisen und Termiten. Dabei sterben nahezu alle Soldaten. Auch im späteren Verlauf des Films gibt es immer wieder brutale Tode für einen Film dieser Art. Heutzutage könnte „Antz“ eher einer Idee von „Love, Death & Robots“ entspringen. Doch gerade diese rohe und radikale Art des Films hat mich immer fasziniert und macht „Antz“ auch heute noch sehr unterhaltsam und kraftvoll in seiner Message.
Perfekt ist das Ganze jedoch nicht, denn am Ende hat die Story einige holprige Momente. Besonders die Romanze hätte es nicht gebraucht, auch wenn diese deutlich besser dargestellt wird, als in „Das große Krabbeln“. Ansonsten gibt es ein paar logische Ungereimtheiten, die mich stören. Ameisen können an Wänden entlang krabbeln und zwar ohne Probleme. Das sieht man auch im Film, aber wenn das Script Drama braucht, vergessen das die Figuren plötzlich. Auch der Sturz aus einer bestimmten Höhe bringt Ameisen nicht um. Um genau zu sein kann eine Ameise praktisch nicht durch einen Sturz sterben, was hier aber passiert. Das sind natürlich Kleinigkeiten und ein Film wie „Antz“ erhebt keinen Anspruch aus Realismus, dennoch finde ich es erwähnenswert.
Der Film ist dafür sehr witzig, was auch an dem guten Casting liegt. Nur Sharon Stone als Bala gefällt mir nicht, sie ist viel zu steif und langweilig… Z´s Kollegin Azteca (gesprochen von Jennifer Lopez) ist da deutlich spannender in ihrer Figur. Übrigens gefällt mir auch die deutsche Synchronisation, die mit viel Wortwitz überzeugen kann.
Optisch sieht man dem Film natürlich an, dass er bereits über 25 Jahre alt ist. Dennoch hat er sich gut gehalten, da das Team auch sehr kreativ mit 2D-Hintergründen gearbeitet hat, die auch heute noch gut aussehen. Das Design der Ameisen jedoch ist nicht ganz so ansprechend. „Das große Krabbeln“ konnte seine Figuren deutlich charmanter wirken lassen. Dafür überzeugt „Antz“ mit etwas mehr Realismus (zumindest beim Design). Ich finde es zum Beispiel toll, dass die Proportionen anderer Insekten deutlich authentischer sind als in Pixars Film.
Musikalisch gibt es ein absolutes Highlight: John Powell und Harry Gregson-Williams vertonten hier ihren ersten Animationsfilm und lieferten einen wundervollen Powerscore ab, der mit eingängigen Themen und viel Abwechslung aufwartet. Besonders das packende Finale profitiert vom Soundtrack!
Fazit: „Antz“ ist etwas angestaubt und das nicht nur visuell. Doch die Story ist nach wie vor unterhaltsam, hat eine starke Message, witzige Figuren und klasse Musik. „Antz“ verdient auch heute noch mehr Aufmerksamkeit!