Mutlos und grauenvoll kitschig!
Regisseur Mike Newell kennen die meisten wahrscheinlich, wenn ich „Harry Potter“ erwähne, denn Newell drehte den vierten Teil der Reihe („Der Feuerkelch“), der von vielen Fans als der schwächste der Reihe angesehen wird. Ein böses Vorzeichen, doch Newell drehte auch einige sehr gefeierte Filme, wie „Traffic“ oder „Vier Hochzeiten und ein Todesfall“.
2018 kam sein bis heute letzter Film heraus „Deine Juliet“. Eine sehr krude Übersetzung des Originals („The Guernsey Literary and Potato Peel Pie Society“ zu deutsch „Club der Guernseyer Freunde von Dichtung und Kartoffelschalenauflauf“). Der Film basiert auf einem Roman von Mary Ann Shaffer (die im selben Jahr leider verstarb) und Annie Barrows von 2008 und erzählt die teils fiktive Geschichte eines Buchclubs in Guernsey nach dem zweiten Weltkrieg. Was nach einer putzigen, kleinen Lovestory mit etwas Kitsch klingt, entpuppt sich jedoch leider als gefühlsduseliges Möchtegern-Oscarwerk…
1946, kurz nach dem zweiten Weltkrieg: Die Autorin Juliet Ashton wird durch regen Briefaustausch auf die kuriose Buchgruppe „Club der Guernseyer Freunde von Dichtung und Kartoffelschalenauflauf“ aufmerksam. Sie möchte mehr über diesen Club und die Menschen dort erfahren und reist dafür von London auf die abgelegene Insel Guernsey. Dort angekommen lernt sie aber auch ein tragisches Schicksal der Kartoffelschalen-Gruppe kennen…
Der Film kam bei Kritikern und Publikum überraschend gut an und ich freue mich, wenn jemand mit dem Werk hier seinen Spaß hat. Für mich jedoch war das Ganze eine Tortur des Kitsches, trotz des soliden Casts und der netten Story. Doch jegliches Potential verpufft ziemlich schnell, denn es ist vor allem das grauenvolle Drehbuch, was mich zusammen zucken lässt. Kitschige und bedeutungsschwangere Dialoge treiben die blassen Figuren voran. Die Darsteller*innen versuchen zwar gegen den Kitsch und die miesen Dialoge anzukämpfen, aber es hilft nichts. Ein Klischee jagt das nächste und selbst wenn der Film mal einem Klischee ausweicht, ist die Umsetzung dennoch uninspiriert und seelenlos.
Vor allem das forcierte Liebesdrama hat mich zu Tode genervt. Und gerade am Ende versinkt der Film in seiner romantischen Grütze und schaut sich wie ein Rosamunde Pilcher-Film an…
Lily James ist ok in der Hauptrolle, bleibt aber dennoch uninteressant, ebenso wie Michiel Huisman (den man als neuen Daario Naharis in „Game of Thrones“ kennen dürfte). Matthew Goode gibt hier noch die beste Performance, auch wenn er wenig Screentime hat. Wer „Downton Abbey“ mag, wird sich sicherlich auch über Jessica Brown Findlay und Penelope Wilton freuen, aber auch die beiden hinterlassen keinen bleibenden Eindruck.
Der Fokus lag offenbar darauf, dass der Film und seine Schauspieler*innen hübsch anzusehen sind. Die Kostüme sind schick und die Umgebung in Guernsey sieht toll aus, aber das reicht leider nicht für einen guten Film. Vor allem weil die Kameraarbeit hier alles andere als interessant ist. Im Gegenteil: Der Film ist derart überbelichtet, dass er wie eine Folge einer kleinen Serie wirkt (vielleicht war das sogar gewollt…). Auch der Kitsch-triefende Score von Alexandra Harwood war 0815-Hollywood-Gedudel ohne Inspiration.
Fazit: Wer einen Kitschfilm mit schicken Kostümen und viel Süßholz-geraspeltem Drama ohne viel Anspruch sehen will, wird hier sicherlich richtig sein. Doch eine Story wie diese benötigt deutlich mehr Mut und kreative Ideen!