Es ist nie leicht mitansehen zu müssen, wenn Erinnerungen kaputt gemacht werden.
Als "Beetlejuice" 1988 in die Kinos kam durfte, war ich knapp zu jung und damals dauerte es immer gut ein Jahr, bis die Filme nach Kinoschluss in den Videotheken standen. Daher gehört "Beetlejuice Lottergeist" zu den Filmerfahrungen meiner Jugend, an die ich mich immer wieder gerne erinnere und die ich mir auch immer mal wieder anschaue.
Eine herrlich abgedrehte Komödie, schräge Bilder und ein rotzig-frecher Dämon, dem wir zwar nie vertrauen würden, wir aber doch irgendwie mögen. Das war "Beetlejuice Lottergeist". Die Hoffnung auf einen zweiten Teil verwehrte man den Fans allerdings 24 Jahre lang.
Dann die ersten Teaser. "Beetlejuice Beetlejuice" wurde angekündigt. Die Augen groß, die Erwartungen noch größer. Aber wie das im Erwachsenenleben so ist, man hat zu viel mit langweiligem Erwachsenenzeugs zu tun, nur um festzustellen, dass der Film schneller aus den Kinos wieder raus war, als man schauen konnte.
Aber plötzlich taucht der Film beim Streamingdienst auf. Also, Abend ist reserviert, die Couch gemütlich und die Vorfreude wieder groß.
*Seufz* Und dann DAS...
Es tut jedes Mal weh, wenn man eingestehen muss, dass eine Fortsetzung die Erinnerungen nachträglich beschädigt, aber die Produktion von Beetlejuice 2 hätte man besser gelassen.
Der Film ist dermaßen miserabel, dass 1,5 Sterne mit der Bezeichnung "enttäuschend" leider sehr gut passen und ich weiß nicht wo ich anfangen, geschweige denn aufhören soll.
Der gesamte Plot wirkt dermaßen verkopft und gezwungen zusammengeschustert, dass sie sich zusammenfügen wie die Körperteile von Delores (Monica Bellucci): passt irgendwie, aber "gut" ist anders. Es fühlt sich an, als ob man jedem Familienmitglied eine gewisse Charakterentwicklung mitgeben wollte. Das dazu führt, dass jede Person seinen eigenen kleinen Handlungsstrang bekommen hat, bei denen man es dann aber nicht geschafft hat sie zu einem homogenen Plot zusammenzuführen.
"Delia" (Catherine O'Hara), die Künstler-(Groß)Mutter, die im ersten Teil noch gut dosiert und an den richtigen Stellen ihre geistig-künstlerischen Ergüsse zum Besten gab ist hier derart überzeichnet, schrill und nervig-abgedriftet, dass es schwer war ihr minutenlang zuhören zu müssen. Statt klar-analytisch und selbstbewußt wie in "Lottergeist" macht Delia einen fahrigen, seelisch abhängigen Eindruck, der sich unter anderem dadurch bestärkt, dass sie scheinbar auf dem All-You-Can-Be-Buffet der esoterischen Strömungen nicht genug bekommen konnte.
Lydias Tochter "Astrid" (Jenna Orthega) wollte ich nach den ersten 5 Minuten bereits eine schallende Ohrfeige verpassen.
Als 16-jährige Teenagerin rebelliert sie gegen ihre Mutter, da sie diese für eine Schwindlerin hält, die die Menschen zum Narren hält. Für Astrid gilt nur, was sie "anfassen" kann, ihr "Glauben" fußt fest auf wissenschaftlichem Boden.
Bis auf diese Lippenbekenntnisse wird das aber durch nichts (storymässig, oder visuell) untermauert. Während in anderen Filmen vlt irgendwelche Wissenschaftsprojekte bearbeitet werden, Poster rumhängen, Bücher rumliegen, muss dem Zuschauer ein labbriger Zweizeiler als Nebensatz dafür ausreichen.
Die Kritik, die Astrid an ihrer Mutter auslässt, weil diese nicht in der Lage ist mit Astrids Vater Kontakt aufzunehmen, ist hoffnungslos überspitzt und trotz guter Erklärungen Lydias ("Es gab leider kein Handbuch zu dieser Fähigkeit") uneinsichtig unfair, dass man Astrid als unverschämte und undankbare Göre vorgestellt bekommt. Und obwohl sie an hoffnungsloser Selbstüberschätzung und absoluter Arroganz zu leiden scheint, nimmt sie es viel zu locker-lässig hin, dass der Junge, in den sie sich verliebt hat sich als Geist herausstellt und ihr offenbart, dass alles was Astrid als Humbug ihrer Mutter abgetan hat wirklich existiert, locker-lässig mit einem coolen Spruch hin. Doch damit nicht genug. Das Mädchen, dessen Weltbild angebl. auf Fakten basiert liest einfach ohne Nachfrage "blind vor Liebe" irgendeine Beschwörungsformel aus dem "Handbuch für kürzlich Verstorbene". Astrid ist als Charakter nichts anderes als ein atmender Dunning-Kruger-Effekt, der sich als Kotzbrocken beim Zuschauer einführt.
"Lydia" (Winona Ryder) ist meines Erachtens noch der Charakter mit der höchsten Konsistenz, ist sich selbst über die Jahre noch am treuesten geblieben. Über die Jahre hat sie sich einen Namen als Medium und Geisterbeschwörerin gemacht und eine Fangemeinde aufgebaut, die sie regelmäßig mit ihrer TV-Show füttert. Und auch wenn ihre erschrockene Reaktion auf das Erscheinen Beetlejuices verständlich ist, verbleibt diese emotionale Regung irgendwo im Zwielicht zwischen "zu Tode erschrocken" und "professionell abgebrüht". Man kauft es Winona Ryder leider nicht ab. Als jemand der seit über 30 Jahren mit Geistern kommuniziert erscheint ihre Reaktion weder gewohnt genug, noch entsetzt genug. Alles was hängenbleibt ist ein eher verwirrter Eindruck, der in erster Linie zu jemandem passen würde, der als Scharlatan wirklich seinen ersten echten Geist gesehen hat (z. B. Whoopie Goldberg in "Ghost").
Der gute, alte Dämon "Beetlejuice" (Michael Keaton). Was habe ich mich auf seine schräge, rotzig-freche Art gefreut. Und auch wenn hier wieder diverse Geschmacklosigkeiten für ein amüsiertes Lächeln sorgen, fehlt es hintenraus doch an einem gewissen Pep. Und natürlich, so spritzig wie vor 36 Jahren ist keiner der originären Darsteller mehr. Aber leider reißt das weder Story noch Schnitt irgendwie heraus und übrig bleibt ein nicht sichtlich, aber merklich gealteter Cast, der leider leider in diesen Rollen nicht mehr zu überzeugen vermag.
Lydias Vater Charles hat man sich "halb" gespart. Da Jeffrey Jones 2003 als Sexualstraftäter verurteilt worden war liegt die Vermutung nahe, dass man ihn aus diesem Grunde nicht besetzt hat. Aber einen schnöden simplen Tod, oder eine Scheidung als Erklärung reicht ja nicht aus. Statt dessen muss man als Zuschauer eine abstruse Todes-Story über sich ergehen lassen, die gefühlt vollkommen unpassend als Knetmännchen-Stoppmotion-Rückblende erklärt werden muss.
Halb gespart, weil man sich entschied aus dem enthaupteten Charles eine lächerlich dürftige und unnütze Sidestory zu machen, wie er als wandelnder Torso im Jenseits versucht die Anmeldung zu finden.
Dann gibt es noch "Delores" (Monica Bellucci), die Seelensaugerin und ehemalige Geliebte von Beetlejuice, die in einer eigenen Szene zusammen mit Danny DeVito eingeführt wird und den Zuschauer in gespannte Erwartung versetzt. Jemand so Mächtiges wird doch sicherlich für einiges Chaos sorgen. Pustekuchen. Mit einer winzigen Menge Text, die neben einem handgeschriebenen Einkaufszettel vor Neid erblasst, läuft Delores in ein paar Szenen umher, saugt ein zwei Wesen aus, nur um dann, als sie endlich Beetlejuice gefunden hat, von einem Sandwurm gefressen zu werden.
Diese Rolle fügt dem Film nicht einen sinnvollen oder notwendigen Aspekt hinzu. Sie ist zu 100% überflüssig und hinterlässt einen faden Beigeschmack. So als hätte man Frau Bellucci diese Rolle nachträglich in's Script geschrieben, weil man ihr noch etwas schuldig war.
An Lydia gräbt dann noch der schmierige Rory rum (Frechheit , als Dr. Who-Fan bin ich entsetzt, dass man diesen Namen in den Dreck zieht). Der Produzent von Lydias TV-Show ist ein geleckter Niemand, der von der ersten Sekunde an merklich einzig hinter dem Ruhm von Lydia und ihrem Geld her ist. Widerlinge kann man auf viele Arten inszenieren, aber der hier ist einfach nur langweilig und ätzend.
Bleiben noch "Father Damien" (Burn Gorman), der ortsansässige Priester, der auch nichts anderes zu tun hat, als mehr schlecht als recht dekorativ rumzustehen und das ein oder andere Bibelzitat zum Besten zu geben. Ernsthaft. Mehr kommt zu dem Charakter nicht!
Der Unterwelts-Cop "Jackson" (Willem Dafoe), der als ehemaliger Schauspieler das Recht im Jenseits vertritt. Leider kann auch ein sonst so brillanter Willem Dafoe nicht mehr aus dieser Rolle herausholen, die ebenfalls absolut überflüssig in's Script gepresst wurde. Und selbst eine so simple Maske, wie die Kopfverletzung von Jackson hat man mannigfaltig schon besser gesehen, als hier.
Als vorletztes noch "Richard" (Santiago Cabrera) Astrids sehnlich vermisster Vater, über den lediglich in einem Streitgespäch zwischen Astrid und ihrer Mutter Lydia minimalste Information bekannt werden (es gab ihn, er ist verstoben und Lydia kann keinen Kontakt aufnehmen). Richard holt man so ziemlich gegen Ende aus der Mottenkiste, zeitlich perfekt passend und selbstverständlich zeitlich perfekt zufällig zur Stelle, um Lydia und ihre Tochter vor einem Sandwurm auf dem Titan zu retten. Keine 5 Minuten Screentime um das Trauma und die Verbitterung Astrids zu heilen.
Zu guter Letzt bleibt noch Ghostboy "Jeremy" (Arthur Conti), in den sich Astrid schockverliebt. Für mich noch die am besten ausgearbeitete Figur in diesem Horrokabinett. Auch wenn Jeremy von vorne bis hinten viel zu freundlich ist für den Geist eines psychisch gestörten Teenagers, der seinem Vater mit einer Kreissäge den Kopf gespalten und seiner Mutter einen Handquirl durch's Auge in's Hirn gerammt hat. Aber naja, auch das "Problem" Jeremy wird innerhalb von 2 Sekunden recht vorhersehbar und wenig spektakulär beseitigt.
Und wenn noch etwas Erwähnung bedarf, dann sind es die so unsäglich unpassenden Gesangs- und Tanzeinlagen, von denen man dem Zuschauer 2-3 Stück zumutet. Während sich solche Szenen in Teil 1 noch natürlich als Besessenheit der Anwesenden einfügten (oder als Endszene), wollte man hier sehr gezwungen vermutlich einen ähnlich epischen Effekt erzeugen wie Orthegas Tanzszene aus "Wednesday", was leider ziemlich erbärmlich schief gegangen ist. Und auch der, meines Erachtens, grausig misslungene Wortwitz des "Soultrains" und der anhängenden Soul-Darbietung, ist einfach nur peinlich mitanzusehen.
Alles in allem bleibt ein trocken-fader Geschmack von: nichts an dem Film ist auch nur befriedigend genug ausgearbeitet. Es gibt keine echten Charakterentwicklungen, die einzelnen Charaktere wirken wie "reingeschossen" mit ihren eigenen Plots, die dermaßen an den Haaren herbeigezogen worden sind, dass es unmöglich ist diesen Missstand hintenraus irgendwie zufriedenstellend aufzulösen. Eine filmische Buckelpiste, auf der man storymäßig ständig hin und her geworfen wird, ohne Aussicht auch wirklich im Ziel anzukommen. Es fehlt vorne und hinten an der Liebe zur Geschichte und das Aufgebot von Hollywood-Namen bleibt nichts weiter als klägliches name dropping ohne weiteren Mehrwert.
Woher all die Kritiker ihren Enthusiasmus nehmen bleibt ein weiteres Rätsel, lässt aber Spekulationen finanzieller Natur offen. Denn ich kann mir nicht anders erklären wo all diese hervorragenden Punkte im Film versteckt sein sollen, die zu so guten Kritiken geführt haben sollen.
Es tut mir in der Seele weh, so über den zweiten Teil eines Films reden ZU MÜSSEN, dessen Original ich auch nach über 30 Jahren immer noch auf DVD in meinem Regal stehen habe.
Manchmal sollte man den Spruch ernst nehmen und aufhören, wenn es am Schönsten ist!