"Die glorreichen Sieben" von Antoine Fuqua ist durchaus unterhaltsam und glänzt mit einem tollen Ensemble, das offenkundig großen Spaß an der ganzen Sache hat - und das wirkt ansteckend. Die Schauspieler werfen sich gegenseitig die Bälle zu, klopfen flotte Sprüche und mimen ihre Figuren mit Spielfreude und Herzblut. Ich habe das Original nicht gesehen, weder "Die Sieben Samurai" noch das ursprüngliche Remake "Die glorreichen Sieben" und kann daher keinen Vergleich herstellen und den Film nur als Einzelwerk bewerten. Und so fand ich, war das ein klassischer Western mit viel Action und coolen Charakterköpfen, die von mehr oder weniger geächteten Underdogs zu tapferen, aufopfernden Helden werden und eine Stadt aus den Klauen eines raubtierkapitalistischen Oberarschlochs befreien.
Allerdings hätte ich nicht nur drei Sterne gegeben, wenn ich nicht auch etwas zu nörgeln hätte. Mein Freund hat sich über mich lustig gemacht und gemeint, ich hätte immer was zu meckern und mit Frauen im Allgemeinen und meiner Wenigkeit im Besonderen sollte man keine Actionfilme gucken. Männer sind ja sooo primitiv, seufz. :-P Na ja, aber der Hang zur intellektuellen Arroganz ist bei mir genetisch bedingt, zumindest, wenn man meiner Tante Glauben schenken möchte, die ebendies meiner Mutter zum Vorwurf machte. Wie dem auch sei, ist der Ruf erst ruiniert und so weiter, hier nun meine kritischen Anmerkungen zu "Die glorreichen Sieben": Die Handlung war ehrlich gesagt schon ziemlich dünn.
Außerdem fand ich, das christliche Motiv wurde ein wenig zu penetrant in den Vordergrund gerückt und ich fand die Anfangsszene reichlich dick aufgetragen, wo die ganzen braven Christen in der Kirche versammelt sind und dann kommt der fiese, gemeine Riesenschuft mit seinen bewaffneten Spießgesellen daher, steht da wie Satan höchstpersönlich, steckt die Kirche in Brand und posiert dann vor den Flammen, als käme er direkt aus der Hölle. Das hätte man meines Erachtens weitaus subtiler, differenzierter und weniger schwarzweiß inszenieren können. Ich mag Bösewichte lieber, die nicht komplett durchtriebene Widerlinge sind, sondern wo man als Zuschauer zwischendurch Verständnis für den Fiesling aufblitzen spürt. Hier waren die Rollen glasklar verteilt: Nette Christen auf der einen Seite, böser Gottloser auf der anderen Seite, der einzig dem schnöden Mammon huldigt.
Darüber hinaus hätte die Story Potenzial für Gesellschafts- und Sozialkritik geboten, was meiner Meinung nach nicht vollständig ausgeschöpft wurde. Zum Beispiel wurde zwar hier und da ein wenig angedeutet, wie mies man mit Kriegsveteranen umgeht und wie ein posttraumatisches Belastungssyndrom auch im Wilden Westen schon existierte. Was jedoch gänzlich unerwähnt blieb, war, woher die unschuldigen Bauern denn ihr Land hatten? Also entweder sie haben es vorher den amerikanischen Ureinwohnern abgeluchst oder es hat vorher niemandem gehört und sie haben es sich einfach genommen. Haben sie dann wirklich das Recht zu behaupten, es wäre ihr Land? Ich mein ja nur ...
Fazit: Macht Spaß und lohnt sich als unterhaltsamer Action-Western. Man sollte nur nicht zu viel darüber nachdenken ;-)