Gone Girl - Das perfekte Opfer
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niman7
niman7

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5,0
Veröffentlicht am 8. Oktober 2014
Mit "Gone Girl - Das perfekte Opfer" erzählt Regisseur David Fincher die Geschichte des Ehepaares Nick (Ben Affleck) und Amy (Rosamund Pike) Dunn. Als Nick nach Hause geht um den 5. Jahrestag mit seiner Frau zu feiern, findet er nur ein leeres Haus. Als im Wohnzimmer Glasscherben vorfindet, ruft er die Polizei an. Er glaubt jemand habe seine Frau entführt und eine Suchaktion beginnt. Von seiner Frau fehlt jegliche Spur und mit der Zeit gerät Nick selbst in das Fadenkreuz der Polizei.
Der Film geht ganze 2 1/2 Stunden lang und diese vergehen wie im Flug. Ich muss zugeben, meine Interesse war trotz David Fincher nicht gerade hoch. Hauptgrund dafür ist die stark bekannte Idee des Filmes. Die Idee über einen Mann der seine geliebte Frau sucht aber selbst der Täter sein könnte, haben wir einfach zu häufig gesehen. Doch Fincher weiß wie man selbst aus einem langweiligen Stoff (die Erfindung von Facebook mit "The Sozial Network"), einen zum Staunen bringen kann. Das Ergebnis ist ein wunderbarer Film der einen überhaupt nicht los lässt. Das liegt allein daran, dass der Film so was von verrückt beginnt. Wie sehen das lächelnde Gesicht von Amy während Nick (aus dem Off) erzählt wie gerne er in ihrem Gehirn rumwühlen würde um zu wissen woran sie denkt. Das alles hört sich im Film deutlich kranker an als man es hier liest. Damit packt Fincher den Zuschauer gleich von Beginn an und man möchte sofort wissen was mit seiner Frau passiert ist. Danach gibt es immer wieder Rückblenden um zu zeigen wie die beiden sich kennengelernt haben und womit Amy so erfolgreich wurde. Das alles hilft einem enorm da man so dieses krasse Gegenkontrast der Ehe hat. In den Rückblenden sieht man dieses verliebte und perfekt zueinander passende Paar die gerne ihr Sexleben in einer Bibliothek auslebt. Auf der anderen Seite, sieht man die Gegenwart. In der Gegenwart schreckt Nick ab zu seiner eigenen Frau zu gehen. Dabei ist sie wunderschön, klug, sexy und sogar witzig. Man kann von einer Traumfrau sprechen. Fincher quält uns damit die ganze Zeit über mit der Frage was nun in dieser Ehe so falsch gelaufen ist.
Aber nicht nur das! Er legt immer wieder Fallen parat die uns in die Irre führen sollen. Nahezu jeder in der Geschichte könnte was mit dem Verschwinden der Amy zu tun haben. Erstrecht als das große Geld ins Spiel kommt. Und das macht den Film so unheimlich Reizvoll. Als Zuschauer wagst du es nicht auch nur eine Sekunde auf dein Smartphone oder sonst wohin zuschauen weil die Gefahr etwas zu verpassen, so unfassbar groß ist. Ich habe mich sogar selbst als Detektiv gefühlt weil ich damit begann die einzelnen Puzzelteile zu einem zu formen. Es ist jetzt aber zu gewagt näher ins Detail zu gehen weil der Film nun mal von seinen gigantischen Überraschungen lebt. Kommen wir zu den Darstellern: Ben Affleck seh ich persönlich ganz gerne, halte ihn aber für einen mittelmäßigen Darsteller. Hier macht er aber wirklich einen wunderbaren Job. Aber auch hier wäre es gemein, näher ins Detail zu gehen. Mit Kim Dickins und Patrick Fugit haben wir für mich die heimlichen Stars des Filmes. Die zwei spielen das Detektivduo und sorgen mit ihren Streiterein immer wieder für Lacher. Carrie Coon spielt Nicks Schwester Go. Sie macht ebenfalls einen exzellenten Job und man weiß bei ihr nie so wirklich was sie in Schilde führt. Zu guter letzt natürlich die Hauptdarstellerin Rosamund Pike! Wahnsinn was für eine Vorstellung dieser Frau. Ich bin sprachlos und hin und weg! Gibt es überhaupt eine Emotion die sie in diesem Film nicht gezeigt hat? Bisher ist sie eindeutig meine Favoriten für den Oscar! Der Film ist überhaupt die ganze Bank durch mehr als gut gespielt. Die ganze trügerische Atmosphäre wird auch wunderbar von der Musik von Trent Raznor untermalt. Gänsehaut Gefühl total! Handwerklich macht Fincher auch alles grandios. Was Setting betrifft kann ich nur zustimmen.
Wenn man den Film irgendwas vorwerfen will, dann vielleicht dass er zu lange geht. Der eine oder andere könnte sich durchaus hin und wieder kurz langweilen. Mich hat das nicht gestört. Wie oben schon erwähnt, die Zeit verging wie im Flug! Was mich persönlich stört, ist die exzessive Darstellung von Sex oder Benutzung von sexuellen Wörtern. Bei vielen Szenen ist das einfach nur überflüssig.
Das hindert mich aber nicht daran dem Film die volle Punktzahl zu geben denn es hält sich in Grenzen.
FAZIT: Danke David Fincher! Ein wunderbarer Film der einen so dermaßen fesselt, dass man selbst Tage später an kaum was anderes denkt. So sollten Filme sein! Einen zum nachdenken anregen und einen keine Ruhe gönnen! Keine unnötigen Effekte, Zerstörrungsorgien oder sonstiges sondern eine wunderbare Geschichte eines Ehepaares mit vielen Wendungen und einer harschen Kritik an die heutigen Medien. Hut ab!
Kino:
Anonymer User
5,0
Veröffentlicht am 7. Oktober 2014
Perfekte Buchverfilmung mit typischer Fincher-Atmosphäre und oscarreifer Leistung von Rosamund Pike! Die 2 1/2 h vergehen wie im Flug, da der Regisseur es schafft die doppelstrangige Story in Perfektion auf die Leinwand zu adaptieren. Zwar gibt es für Kenner des Buches keine wirkliche Überraschung mehr, aber die Inszenierung ist mehr als gut gelungen und die Besetzung bis in die letzte Nebenrolle stimmig. Auf meinen All-Time-Favourite-Director David Fincher ist eben Verlass :-) Ihm gelingt mit der Gone Girl Verfilmung eine seiner besten Leistungen und das bei den Meisterwerken, die er bereits vorzuweisen hat. Auch die Filmmusik, von Nine Inch Nails Mastermind Trent Reznor, hebt die Qualität des Film nochmals an und ist auch positiv zu erwähnen. Vielleicht gelingt es dem Film ein paar Oscarnominierungen zu erlangen. Vor allem die Amazing Amy Pike hätte es meiner Meinung nach mehr als verdient, denn sie verkörpert die Psychopathin derart authentisch und buchgetreu, dass man fast Angst bekommen kann vor dieser soziopathischen Frau. Auch Affleck fügt sich gut in die Rolle ein und Neil Patrick Harris ist in meinen Augen die Idealbesetzung für seine Rolle. Weiter so David Fincher, ich erwarte bereits dein nächstes Meisterwerk :-)
Kino:
Anonymer User
5,0
Veröffentlicht am 7. Oktober 2014
Sehr selten sieht man diese "hohe Kunst" im Kino, die Kunst, dass der Regisseur es schafft, den Zuschauer so sehr zu beeindrucken.

Wie oft ging ich schon aus dem Kino nach einem guten, unterhaltsamen Film und hatte beim Starten des Autos bereits wieder alles vergessen. -Das ist hier anders.-

Wer Filme mag, die einem im Kopf bleiben, an die man immer wieder denken muss, also Filme mit nachhaltiger Wirkung, der sollte sich dieses raffinierte "Film-Kunstwerk" unbedingt ansehen.

Und je mehr ich darüber nachdenke, wie durchdacht David Fincher seinen Film aufgebaut hat, desto größer wird mein Respekt davor. Und dies keinesfalls nur wegen der bravorösen unvorhergesehenen Wendungen.
Jan H
Jan H

18 Follower 110 Kritiken User folgen

2,5
Veröffentlicht am 6. Oktober 2014
Vorweg: Meine Kritik ist gänzlich Spoiler-frei.

Tatsächlich komme ich gerade eher enttäuscht aus dem Kino, ich hätte nach den übergroßen Vorschuss-Loorbeeren mehr erwartet.
Was ich nicht ganz verstanden habe: Welches Genre will der Film eigentlich bedienen? Um ihn als Pyscho-Thriller ernst zu nehmen, waren die Verhaltensweisen und Reaktionen einiger Charaktere viel zu überzogen und klischeehaft (und damit meine ich in erster Linie nicht einmal die der offensichtlich persönlichkeitsgestörten Personen) und ich kann für den Film nur hoffen, dass sie es absichtlich waren, weil sie sonst unglaubwürdig wären. Dann muss man ihn allerdings wieder als Satire (vor allem auf die US-amerikanische Gesellschaft und Medienlandschaft) verstehen, aber als solche war er dann doch wieder viel zu ernsthaft angelegt.

Letzten Endes habe ich einfach das Gefühl, etwas nicht ganz Schlüssiges gesehen zu haben. Und darüber hinaus hab ich mich doch öfter beim Blick auf die Uhr ertappt, 15 Minuten weniger hätten es vielleicht auch getan. Da hilft auch nicht der hervorzuhebene stimmungsvolle Soundtrack.
Kino:
Anonymer User
3,5
Veröffentlicht am 6. Oktober 2014
So manche Pressekritik verspricht viel - sogar von Oscar-Kandidatur ist die Rede - und so liegen die Erwartung hoch. Ich pers. wurde diesbezüglich doch mehr enttäuscht:

Klar ist es ein spannender Thriller mit gesellschaftskritischen Elementen, aber neu ist das alles wirklich nicht und so manche Rolle wird doch zu klischeehaft dargestellt, wirkt überzogen und macht die Glaubwürdigkeit irgendwie etwas kaputt.

Ferner empfinde ich auch die Besetzung als eher mittelprächtig: entweder liegt es an den Schauspielern oder an der Regie: so richtig überzeugt, hat mich die Schauspielerei aller insgesamt und insbesondere der beiden Hauptdarsteller nur an wenigen Stellen. Ausdrucksschwere Momente kommen über die Schauspielerei ehr weniger zum Ausruck.

Nicht zu letzt ist der Film visuell, auf Grund der Handlung, die Hauptsächlich in wenig spektakulären 4 Wänden stattfindet und die auch nicht weiter bemerkenswert fotografiert wird, weniger eine große Leinwand wert.

Da wundert es am Ende nicht, dass die etwas speziellere Filmmusik vom Nine Inch Nails Frontmann Trent Reznor doch hier und da sehr bemerkbar wird und glücklicherweise noch die Stimmung schafft, zu welcher die Bilder allein nicht in der Lage sind.

Insgesamt ein ordentlicher Thriller für einen spannend gemütlichen Fernsehabend daheim - empfehlenswert - aber m.E. nicht so wahnsinnig überragend!
Kino:
Anonymer User
2,0
Veröffentlicht am 5. Oktober 2014
Nach langer Abstinenz, habe ich mich wieder ins Kino gewagt. Wackelkamera und hirnloses Krawallkino haben mich fast ein ganzes Jahr von meinem geliebten Kino ferngehalten. ----- Vorsicht, der folgende Text erhält massive Spoiler ------ Der Name David Fincher hat mich gelockt um natürlich wiedermal enttäuscht zu werden. Das ist der David Fincher, der Meisterwerke wie Fight Club und Sieben gemacht hat. Es ist aber auch der David Fincher der seit Jahren nur Mist abliefert wie Benjamin Button und The Social Network und Verblendung. Und Gone Girl? Eine Kopie von Verblendung. Eine andere Variante von Verblendung. Extremer, brutaler und eine völlig überspitzte Femme Fatale. Die Überfrau ist dermaßen überspitzt, dass es unglaubwürdig und lächerlich wirkt. David hätte sich lieber Basic Instinct anschauen sollen um zu sehen wie eine Femme Fatale in einem spannenden Thriller funktioniert. Und wie oft haben wir im Kino das Thema Femme Fatale schon durchgekaut? David Fincher serviert uns die extreme Variante davon. Und alles schon mal in anderen Filmen gesehen. Das ist Gone Girl und mehr ist es wirklich nicht. Etwa in der Mitte des Films wird es aufgelöst, was aber jeder Zuschauer von Anfang an weiß. Wer danach erwartet, dass Wendungen und interessante Twist kommen oder dass der geschundene Ehemann zurück schlägt, wird bitter enttäuscht. Nach der Auflösung kommt nur dösende Langweile mit Ränkespielen bis zum Ende. Am Ende wird der Zuschauer im Regen stehen gelassen. Was soll das Ende bloß sein? Ist das jetzt ein Happy End? Ratlosigkeit! Der Schwachpunkt des Films ist Nick Dunne, grauenvoll gespielt von Ben Affleck. Gelangweilt, lustlos und emotionslos spielt er Nick. Den ganzen Film lang hat er nur ein Gesichtsausdruck auf. Aber auch jeglichen Ambivalenz, Charisma und Charakter lässt die Figur Nick vermissen. Die Figur ist hohl und das zieht den ganzen Film runter. Ganz klar fehlt dem Film ein Gegenpol zu Amy Dunne. Wäre Nick eine Figur wie Det. Nick Curran aus Basic Instinct, wäre es deutlich interessanter gewesen. Genrell kann man sagen, dass Gone Girl eine schlechte Kopie von Basic Instinct ist. Vermutlich ist die Autorin Gillian Flynn ein ganz großer Fan davon. Positiv aufgefallen ist nur Rosamund Pike. Die Frau spielt einfach fantastisch. Allein deswegan loht sich der Kinogang. Ich würde auch sagen, da ist ein Oscar fällig. Negativ aufgefallen ist mir die Überpräsenz von Produktplatzierung. Ob es nun Spielkonsole ist oder 60 Zoll Fernseher, Spielzeug, Handy oder das Bett. Es war definitiv zuviel. Ich will ein Film sehen und kein Werbefernsehen. Damit hat sich David Fincher für mich als Regisseur disqualifiziert. Ansonsten ist die ganze Geschichte zu hanebüchen, zu abgedreht und zu überspitzt als man es dem Zuschauer verklickern könnte.
nada-
nada-

38 Follower 120 Kritiken User folgen

5,0
Veröffentlicht am 5. Oktober 2014
Fincher und ich scheinen in ähnlicher Weise auf miese schauspielerische Leistungen zu reagieren. Ich kaufe nur deswegen Popcorn, um diese als Unmutsbekundung in Richtung Leinwand zu werfen. Affleck muss man einfach mit irgendetwas bewerfen. Daneben gilt zu sagen, dass Finchers Erzählstil perfekt mit Reznors und Ross' Sound harmoniert und es mir entgegenkommt, dass man über die wendungsreiche Handlung keine Worte verlieren sollte, da ich inhaltlich ohnehin nicht mehr als Gummibärchen erwähnen wollte. Beeindruckend fand ich, dass eine meiner Zimmerpflanzen Emily Ratajkowski an ihren Titten erkannt hat. Kein Scherz. Sonst gilt lediglich zu sagen, dass ich heute nichts Allgemeinheitstaugliches auf die Reihe kriege und "The Amazing Amy" mein grosses Vorbild ist. Hach, wie gerne hätte ich Affleck in der Todeszelle gesehen!
Coemgen 1.
Coemgen 1.

6 Follower 20 Kritiken User folgen

4,0
Veröffentlicht am 20. Oktober 2014
Als ich mich ins Kino in "Gone Girl - Das perfekte Opfer" gesetzt hatte, erwartete ich einen spannenden Thriller, da David Fincher für solche Filme bekannt ist. Was ich aber erleben durfte war viel mehr als ein Thriller. Es war eine Hommage an alle Personen der Öffentlichkeit, an alle Menschen die zwei Gesichter haben und an alle Ehepaare die eine Ehe ausleben. Bereits nach den ersten Minuten bemerkte ich die traurige, leicht drückende Stimmung des Film, die durch die musikalische Untermalung noch unterstützt wird. Was diese Stimmung aber am meisten prägte war die herausragende schauspielerische Leistung von Ben Affleck und Rosamund Pike. Die emotionalen Achterbahnfahrten durch die einen der Film führt, werden konsequent von diesen beiden Schauspielern gezeichnet, sodass man sehr schnell sich im einem Wirbel von Emotionen bewegt. Sehr prägnant war auch der Storyaufbau, der anfangs nach etwa einem Drittel die Sichtweise wechselt und anschließend nach einem weiteren Drittel dies wieder tut. Dadurch erhält man nicht nur ein Bild der Personen, sondern auch die Möglichkeit sich ein eigenes Urteil zu bilden. David Fincher hat mit diesem Film gezeigt in welch emotionalen Konflikt Menschen geraten können die in der Öffentlichkeit stehen und die immer zwei Gesichter zeigen müssen. Das das die Leute sehen wollen, und das was wirklich ist. Dabei ensteht aber über die Jahre ein entzerrtes Bild von sich selbst, was dann wiederum auf andere projiziert wird. Ein sehr erwachsener Film, der gerne auch öfters geschaut werden kann
Kino:
Anonymer User
4,0
Veröffentlicht am 7. April 2017
Gone Girl ist ein guter Film - die Kritik von Herrn Baumgardt kann ich aber in wenigstens einem entscheidenden Punkt, den überragenden Wendungen, nicht teilen und deswegen verfasse ich selber diese Kritik. Um meine Kritik an diesem Aspekt greifbarer zu machen, werde ich MASSIV spoilern müssen. Lesen Sie deshalb die Kritik bitte nur dann, wenn Sie den Film bereits gesehen haben oder es Ihnen nichts ausmacht, Entscheidendes vorab zu erfahren.
Vorab aber noch ein paar zustimmende Worte zu Herrn Baumgardts Kritik: Die durchaus knifflige Narrative des Buchs setzt Fincher souverän um, geradezu unspektakulär routiniert mag man fast sagen. Die Musik von Trent Reznor ist sehr atmosphärisch und passt in nahezu jedem Augenblick. Und die Darstellerriege ist absolut grandios. Vor allem Rosamund Pike und Carrie Coon stehlen Augenblick um Augenblick mit ihrem emotionalen und facettenreichen Mimenspiel. Erstere bewirbt sich damit ziemlich sicher für einen Academy Award.

So, nun aber zum Inhalt und damit zu SPOILERN:
Der große, große Twist in der Mitte des Films ist schlichtweg zu erahnen. Ein "Mordfall ohne Leiche" ist von vornherein immer etwas suspekt und die Darstellung von Ben Affleck bzw. seines Charakters lässt von vornherein kaum einen Zweifel daran, dass er unschuldig ist. Zu ahnungslos, zu unbeholfen und zu sehr mit Überraschtheit und Neugierde forscht er selbst nach dem Verbleib seiner Teuersten. Da der Film sich ansonsten aber auch nicht etwa wie Prisoners darum bemüht, andere Tatverdächtige zu ermitteln und einem stattdessen immer wieder diese von Amy initiierte Schnitzeljagd präsentiert, wird man doch praktisch auf den Moment gedrängt, in dem sich herausstellt, dass sie ihren Tod nur inszeniert hat. Die Hinweise liefern allzu offensichtlich Kompromittierendes über Ben Afflecks Charakter, das Verbrechen wirkt zu sehr durchplant und die schiere Abwesenheit an anderen Tatverdächtigen sorgt dafür, dass man diese Variante beinahe erwägen MUSS.
Das ist zugegebenermaßen eine Kritk, die man speziell dem Film anlasten muss, da das Buch Nick wesentlich ambivalenter darstellt und ihn weniger in die Opferrolle rückt.
Ab der Wendung, die zumindest durch das Ausmaß ihrer Kaltblütigkeit schockt, gesellen sich zu meinem Unmut auch noch diverse Schönheitsfehler, was die Logik des Streifens anbelangt. Amy verkauft dem FBI, dass Desi sie verschleppt habe in das Haus am See. Wie kann sie sicher sein, dass ein reicher (und dementsprechend vielleicht vielbeschäftigter Geschäftsmann) für den Zeitpunkt ihres Verschwindens kein Alibi hat? Warum hat ihn niemand gesehen? Wir erinnern uns: Der alte Nachbar sitzt schon morgens vor dem Haus und ruft sogar wegen der ausgesperrten Katze Nick an. Das Haus in dem Amy angeblich festgehalten wurde ist videoüberwacht. Zeigen die Aufnahmen dann nicht, wie sie freiwillig mit ihm das Haus betritt? Wochen später als sie behauptete? Man sieht schließlich, dass es auch eine Kamera am Parkplatz gibt. Wohin führt die Chose mit dem Tagebuch in diesem Fall? Wer soll es weshalb verbrannt haben? Wieso sollte Desi die Waffe, mit der er Amy niederschlug, am Tatort lassen? Diese und andere Fragen trüben das Gesamtbild und sorgen dafür, dass Amy nicht unfassbar klug und berechnend wirkt, sondern geben mir eher das Gefühl, sie profitiere davon, dass mit ihrem Fall vor allem ErmittlerInnen betraut waren, die ihren Job nicht besonders gut machen.
Im Schlussakt wartet man außerdem permanent darauf, dass die Geschichte den entscheidenden Haken schlägt und Amy vorführt. Ein Charakter, der sich zwei Filmstunden dagegen aufbäumt, zu unrecht beschuldigt zu werden und sogar einen Anwalt heuert, um seiner betrügerischen Gattin das Handwerk zu legen...So ein Charakter knickt auf den letzten Metern einfach ein, hat es den Anschein. Dabei beginnt er doch gut: Mit seinem kalkulierten Interview lockt er sie erfolgreich aus der Reserve - er kennt die Psyche seiner Frau und ihre Schwächen. Ich hätte es in diesem Sinne konsequent gefunden, wenn er sie zB im gemeinsamen Interview psychologisch in die Ecke getrieben hätte. ein wenig "Frost/Nixon". Geradezu schreiend angeboten hätte sich dazu auch die Figur "Amazing Amy", die möglicherweise als Idealfigur Druck ausübte, der der realen Amy letztendlich einen gehörigen Knacks verpasste. Diese Spur wird allerdings nie verfolgt und so sind die letzten 20 Minuten ein stetiger Abgesang auf den vorher so beherzten Nick Dunne. Man fragt sich mit dem Beginn der Credits ernsthaft, was für eine Schandtat dem armen Kerl zum 6. Hochzeitstag winkt.

Unter dem Etikett eines Thrillers - eines Thriller von David Fincher, der so auch Sieben inszenierte - erhoffte ich mir eine abschließende Wendung, einen dramatischen Höhepunkt irgendetwas anderes als das, was ich bekam: Eine konsequente "Femme-fatale-Erfolgsstory" ohne erkennbares Wenn&aber.

Herr Baumgardt nennt viele Stärken des Films, die auch ich sehe und bei denen ich ihm zustimmen würde. Darunter auch die Auslegung als Medienkritik und zynische Dekonstruktion der Ehe.
Aber um eine derartig ungetrübte Lobeshymne auf den Film zu singen, hat mir "Gone Girl" zu viele Schönheitsfehler und lässt das gewisse Etwas vermissen.
Kino:
Anonymer User
4,5
Veröffentlicht am 3. Oktober 2014
Ich komme gerade aus dem Kino. Der Film ist super. Er ist kein klassischer, oberflächlicher Thriller, sondern er geht teilweise tief unter die Haut. Psychopathisch ist er auch... aber wer erwartet etwas anderes in einem Fincher - Thriller?
Allerdings ist der Film, was die Wendungen und die falschen Fährten betrifft, auf die der Zuschauer geführt wird, nicht so genial wie erwartet. Vielleicht liegt es an der Besetzung, dass ich von Anfang an mit meinen Vermutungen richtig lag. Trotzdem ist zu nennen, dass Ben Affleck hier eine solide schauspielerische Leistung hingelegt hat. Übertroffen wurde er jedoch noch von Rosamund Pike. Diese Frau war einfach großartig!!
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