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    Meine keine Familie
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    @PollySees
    @PollySees

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    3,5
    Veröffentlicht am 15. September 2013
    Meine keine Familie
    (My fathers, my mother and me

    Ein altes afrikanisches Sprichwort sagt: „It takes a village to raise a child.“
    Etwas Ähnliches hat sich wohl auch Otto Mühl gedacht, als der aus der Gruppe der Wiener Aktivisten stammende Künstler zuerst in seiner Wohnung und später auf dem „Friedrichshof“ 1970 seine Kommune gründete.
    Der Dokumentarfilmer Paul-Julien Robert hat sich in seinem Film „Meine keine Familie“ auf Spurensuche begeben. Einerseits auf die dieser Gemeinschaft und ihres charismatischen Führers, andererseits auf die Suche nach seiner eigenen Kindheit, denn er selber ist in dieser Gemeinschaft aufgewachsen. 20 Jahre lang stand das dort entstandene Archivmaterial unter Verschluss, jetzt wurde es frei gegeben und wird in Ausschnitten immer wieder mit eingebunden.
    Was als etwas langsamer biografischer Film beginnt, wirft im Laufe der 90 Minuten immer mehr gesellschaftspolitische Fragen auf. Es geht um die Rebellion gegen Autoritäten, bis hin zum symbolischen Elternmord, um die Frage wie frei freie Liebe wirklich ist und vor allem um die Definition von Familie. Insofern ist es ein hochaktueller Diskurs, auch wenn die Ereignisse schon viele Jahre zurück liegen. Denn gerade heute, viel mehr als damals, geht es doch immer wieder um die Frage, was ist eigentlich Familie? Schon jetzt sind wir weit davon entfernt, nur noch die konventionelle Mutter-Vater-Kind-Beziehung als solche zu bezeichnen. Patchworkfamilien, homosexuelle Paare mit Kindern und Alleinerziehende sind an der Tagesordnung. Und irgendwie möchte man Herrn Mühl Recht geben, wenn er sagt, ein Mann und eine Frau sind zu wenig um ein Kind zu erziehen, in dieser konservativen Konstellation wird es immer zu zwangsläufigen Defiziten kommen. Insofern ist der Film sehr schlau aufgebaut, denn anfangs sieht man nur das Positive, die Gemeinschaft, die riesige Großfamilie, in der sich jeder für jeden verantwortlich fühlt. Die meisten der Kinder wissen nicht, wer ihr leiblicher Vater ist und bis zur Auflösung der Gemeinschaft 1990 spielt es auch keine Rolle. Als aber danach alle Vaterschafts – Tests machen müssen, fühlen sich viele der Männer mit der plötzlichen Verantwortung der alleinigen Vaterschaft überfordert. An dieser Stelle fragt man sich zwangsläufig, wie viel der gelebten propagierten Freiheit nicht auch schlicht einer Angst vor Verantwortung entsprang. Und so kippt das Gefühl im Film mehr und mehr. Immer deutlicher wird, wie der Künstler Otto Mühl diese Gruppe von Menschen manipuliert hat. Was als Therapie bezeichnet wurde, wird so zu einem uneingeschränkten Machtmissbrauch des Leiters und schließlich sogar sehr deutlich zu seiner Idee von Kunst, in der der Mensch als Individuum verloren geht und zum Objekt seiner Gestaltung wird - das aber so geschickt, dass es den meisten Mitgliedern bis heute nur schemenhaft bewusst ist. Immer mehr tritt das Unrecht in den Vordergrund, das sämtlichen Bewohnern damit angetan wurde, in erster Linie aber den Kindern wie Paul-Julien Robert selbst, die nicht einmal die Möglichkeit hatten, sich frei für diesen Lebensweg zu entscheiden.
    Interessant ist, dass heute fast alle Mitglieder ausgesprochen geregelte Leben in heilen Mutter – Vater – Kind – Konstruktionen führen.
    War es nur die Extrem – Situation die sie letztendlich dorthin geführt hat, oder kann man den Versuch des alternativen Lebens offiziell als gescheitert bezeichnen?
    Vor allem in den wiederkehrenden Gesprächen Roberts mit seiner Mutter wird klar, wie sehr die Menschen damals davon überzeugt waren und wie wenig sie sich der Manipulation dahinter bewusst wurden. Gegen Ende gibt es aber eine offizielle Entschuldigung an die Kinder für das was ihnen angetan wurde.
    Hierarchische Strukturen ohne erkennbares Muster, psychologische Experimente, Methoden die gefährlichem Halbwissen entsprangen, der bedingungslose Gehorsam aller Mitglieder und nicht zuletzt der sexuelle Freiheitsgedanke, der auch vor Kindern nicht halt machte, lassen einem Schauer über den Rücken laufen.
    Aber die Frage, ob nicht ein Kern Wahrheit und menschliche Sehnsucht nach einer sich liebenden Gemeinschaft darin steckt und was es letztendlich zum scheitern gebracht hat, das Auflösen bekannter Gesellschaftsstrukturen oder der Machtwille eines Einzelnen, bleibt offen und beschäftigt einen noch lange Zeit.

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    Kino:
    Anonymer User
    5,0
    Veröffentlicht am 21. Januar 2014
    verstörende Einsichten in "Europas größte Kommune" des Wiener Aktionisten Otto Mühl. Unbedingt anschauen. Der Film wirkt noch sehr lange nach. Unbedingt anschauen.
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